Daumen#

Das "Daumenhalten" wenn man jemandem Glück oder Gelingen eines bestimmten Vorhabens wünscht, erwähnte schon Plinius (23-79). Bei den römischen Gladiatorenkämpfen war es Brauch, den Daumen einzuschlagen, um für einen gestürzten Kämpfer Gnade zu erbitten, der nach unten ausgestreckte Daumen bedeutete das Gegenteil. Diese Geste, die über Leben und Tod entschied, hat im Internet ungeahnte Popularität erfahren.

Im populären Glauben gilt der Daumen als Glücksfinger. Daumenhalten sollte gegen böse Mächte, bissige Hunde, bösen Blick und nachts gegen den Alp schützen. Die "Feige" ist eine Gebärde, bei der man den Daumen zwischen Zeigefinger und Mittelfinger der geschlossenen Hand steckt. Die Neid- oder Verschreifeige sollte ebenfalls apotropäische Wirkung haben. Die "Fica" war schon in der Antike bekannt, in Deutschland im 12. Jahrhundert erwähnt. Obwohl es sich dabei um eine obszöne und verspottende Geste handelt, konnte man solche Amulette aus Silber oder Elfenbein bei Wallfahrtsorten kaufen und hängte sie an den Rosenkranz. 

Wie Elle oder Fuß war der Daumen ein Längenmaß, das beim Abmessen von Stoffen auch betrügerisch eingesetzt werden konnte. Daher sagte man in Deutschland, jemand habe einen "breiten Daumen". Allgemein bekannte Redensarten sind: "einen grünen Daumen" (eine gute Hand für Pflanzen) haben, oder "Daumen drehen" (nichts tun). 

Der deutsche Dichter Ludwig Bechstein (1801-1860) schrieb das Märchen vom Däumling. Es erzählt von einer bettelarmen Korbflechterfamilie, die sieben klein gewachsene Kinder hatte. Der Jüngste war nicht viel größer als ein Daumen, aber der Schlaueste von allen. Er bewahrte die Geschwister nicht nur vor dem Verhungern, als sie die Eltern im Wald aussetzten, sondern bezwang auch listig einen Menschenfresser, der die sieben Brüder schlachten wollte. In anderen Sagen werden Zwerge Däumlinge genannt. Ein Wiener Ammenmärchen war jenes, wonach ein Arzt aus Padua seinen nur fingergroßen Sohn durch gute Behandlung zu einem äußerst gelehrten Menschen heranwachsen ließ, der ein hohes Alter erreichte.


Quellen: 
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987. Bd. 2/Sp. 174
Realis (= Gerhard Cockelberghe-Duetzele), Geschichten, Sagen und Merkwürdigkeiten aus Wiens Vorzeit, Wien 1846, S. 362 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1991. Bd. 1/S. 305