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Dialekt #

Dialekt

"Beim Dialekt fängt die gesprochene Sprache an," meinte Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und: „Jede Region liebt ihren Dialekt, sei er doch eigentlich das Element, in welchem diese Seele ihren Atem schöpfe.“ Die freie Enzyklopädie "Wikipedia" stellt fest: "Die Dialekte (gr. dialegomai - miteinander reden) gehören zu den nicht standardisierten Sprachvarietäten wie die Umgangssprachen und die Regionalsprachen." 

1996 veranstalteten die "Mundartfreunde Österreichs" ein Symposion zum Thema "Welchen Stellenwert hat Dialekt in der heutigen Gesellschaft ?" In ihrem Thesenpapier heißt es: Die Verwendung von Standardsprache (Schriftsprache) oder dialektalen Sprachformen sei von der Gesprächssituation abhängig - Hochsprache in offiziellen, Dialekt (Mundart) in informellen Situationen. Seit dem 17. Jahrhundert mache die Beherrschung der Schriftsprache einen wesentlichen Teil der Bildung aus. Daneben sei der Dialekt ein wichtiges Kommunikationsmedium. Er sei identitätsstiftend, gehöre zum Eigentümlichen einer Landschaft, treffe oft besser die Stimmung oder den Sachverhalt, drücke Anders-Sein aus. Die Mehrzahl der Österreicher beherrsche verschiedene Formen der Umgangssprache. In einem Europa der Regionen sei eine gefestigte sprachliche Identität, wie sie der Dialekt verkörpere, erstrebenswert. 

Im Oktober/November 2014 führte das IMAS-Institut eine repräsentative Umfrage zum Thema "Dialekt in Österreich" durch. Die Fragestellung ist nicht zuletzt wegen der Zuwanderungs- und Integrationsdiskussion von Interesse. Sprache gilt als etwas Verbindendes und baut Brücken, um ein soziales Verständnis entwickeln zu können. Die Mehrheit der Österreicher/innen - vor allem Frauen und Personen der Generation 50+ - empfand Dialekt als integrativen Teil der eigenen Kultur, der mehr gepflegt werden sollte. Es zeigte sich, dass man im Osten des Landes die eigene Sprachwelt weniger stark als Identitätsmerkmal empfand, als im Westen. Jede/r Zweite - vor allem höher Gebildete - sah es als Vorteil, zwischen Dialekt und Hochdeutsch wechseln zu können. Fast die Hälfte der Befragten (48 %) sprachen sich für eine stärkere Verwendung von Hochdeutsch aus. 14 Prozent würden einen Österreicher mit starkem Dialekt als "sehr seltsam" empfinden, weitere 28 Prozent zumindest einigermaßen. Bei der Umfrage wurde auch erhoben, welche österreichische Mundart "sympathisch" gefunden wird. Der Kärntner Dialekt führt die Liste an, knapp gefolgt von Tirol und Oberösterreich. Niederösterreich, das Burgenland und Vorarlberg stehen am Ende.

Dialekt in der Musik fand sich schon in den Couplets von Johann Nestroy (1801-1862) und Ferdinand Raimund (1790-1836), in Wienerliedern und Volksliedern. Daran knüpfte die Bewegung des Austropop seit den 1960-er Jahren an (Worried Men Skiffle Group mit „Glaubst i bin bled", Marianne Mendt mit „Wia a Glock'n“ (1970; Text: Gerhard Bronner) Wolfgang Ambros „Da Hofa“ (1971; Text: Joesi Prokopetz), Georg Danzer mit „Jö Schau“ (1975). Ausgehend vom Erfolg dieser Lieder etablierte sich der Dialekt in der österreichischen Popmusik. Ab 1990 wurde es ruhiger um den Austropop, da er kaum mehr im ORF-Radio (Ö3) gespielt wurde. 2010 erreichte hingegen ein Weltmusiktitel den 2. Platz der Ö3-Hitparade. Im November 2010 knackte das Video von "Vo Mello bis ge Schoppernou" vom "holstuonarmusigbigbandclub" (HMBC) die Millionenmarke auf YouTube, ein Mix aus Pop, Jazz und Alpenland.. Im Bregenzerwald, woher die fünf Mitglieder der "Kleinsten Big Band der Welt" stammen, wird eine besondere Mundart gepflegt, die vielfach von der des übrigen Vorarlberg abweicht und für die Mehrzahl der Konsumenten nicht verständlich ist.


Quellen:
Informationen zum Symposion der Mundartfreunde Österreichs, Wien 1996
Wikipedia: Austropop (Stand: 11.5.09)
"holstuonarmusigbigbandclub" HMCB
IMAS- Umfrage Nummer 014111

Bild: Lesezeichen als Werbung für den Mundart-Gedichtband "Drunt in Liechtenthal". Wien um 1965