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Dialekt #

Dialekt

"Beim Dialekt fängt die gesprochene Sprache an," meinte Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und: „Jede Region liebt ihren Dialekt, sei er doch eigentlich das Element, in welchem diese Seele ihren Atem schöpfe.“ Die Verwendung von Standardsprache (Schriftsprache) oder dialektalen Sprachformen ist von der Gesprächssituation abhängig - Hochsprache in offiziellen, Dialekt (Mundart) in informellen Situationen. Seit dem 17. Jahrhundert macht die Beherrschung der Schriftsprache einen wesentlichen Teil der Bildung aus. Er ist identitätsstiftend, gehört zum Eigentümlichen einer Landschaft, trifft oft besser die Stimmung oder den Sachverhalt.Die Mehrzahl der Österreicher beherrscht verschiedene Formen der Umgangssprache. Im Oktober/November 2014 führte das IMAS-Institut eine repräsentative Umfrage zum Thema "Dialekt in Österreich" durch. Die Mehrheit der Befragten empfand Dialekt als integrativen Teil der eigenen Kultur, der mehr gepflegt werden sollte. Es zeigte sich, dass man im Osten des Landes die eigene Sprachwelt weniger stark als Identitätsmerkmal empfand, als im Westen. 2010 erreichte ein Weltmusiktitel den 2. Platz der Ö3-Hitparade. Im November 2010 knackte das Video von "Vo Mello bis ge Schoppernou" vom "holstuonarmusigbigbandclub" (HMBC) die Millionenmarke auf YouTube, ein Mix aus Pop, Jazz und Alpenland. Im Bregenzerwald, woher die fünf Mitglieder der "Kleinsten Big Band der Welt" stammen, wird eine besondere Mundart gepflegt, die vielfach von der des übrigen Vorarlberg abweicht und für die Mehrzahl der Konsumenten nicht verständlich ist.

Dialekt in der Musik fand sich schon in den Couplets von Johann Nestroy (1801-1862) und Ferdinand Raimund (1790-1836), in Wienerliedern und Volksliedern. Daran knüpfte die Bewegung des Austropop seit den 1960-er Jahren an (Worried Men Skiffle Group mit „Glaubst i bin bled", Marianne Mendt mit „Wia a Glock'n“ (1970; Text: Gerhard Bronner) Wolfgang Ambros „Da Hofa“ (1971; Text: Joesi Prokopetz), Georg Danzer mit „Jö Schau“ (1975). Ausgehend vom Erfolg dieser Lieder etablierte sich der Dialekt in der österreichischen Popmusik. Im Oktober 2016 zitierte ORF-On in einem Beitrag über den österreichischen Musiker Voodoo Jürgens einen prominenten Kollegen. Ernst Molden erklärte im Gespräch mit dem „kultur.montag“ zum Thema Dialekt und Musik: „Inhaltlich ist in der Unbestimmtheit vieler Formulierungen der Platz zwischen den Zeilen und damit die persönliche Freiheit größer. Und es ist von Haus aus grooviger, melodiöser, bringt einen in gute Laune.“

2015 entschied sich Rewe International, der Marktführer im Lebensmitteleinzelhandel und eines der größten Unternehmen Österreichs, bei der Werbung für regionales Gemüse der Marke "Da komm ich her" für Dialektslogans. Die Plakate wurden mehrfach ausgezeichnet. Auch in den Folgejahren liest daher man unter dem Motto "Griaß di Nochboa" von "Keaschtn", "Moosbeer" etc.


Quellen:
Informationen zum Symposion der Mundartfreunde Österreichs, Wien 1996
Wikipedia: Austropop (Stand: 11.5.09)
"holstuonarmusigbigbandclub" HMCB
IMAS- Umfrage Nummer 014111
Dialektpop
Gemüsewerbung

Bild: Lesezeichen als Werbung für den Mundart-Gedichtband "Drunt in Liechtenthal". Wien um 1965