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Friseur #

Frisur

Bis in das 15. Jahrhundert waren Bader und Barbiere (Bartscherer) ein Gewerbe. Bademeister und Scherknechte bedienten die Badegäste mit Körperpflege, ärztlicher Versorgung, Haar- und Bartschneiden. Sie erhielten um 1660 durch die Perückenmacher Konkurrenz, die aus Frankreich und Italien nach Wien einwanderten. Nach langen Auseinandersetzungen wurden im 18. Jahrhundert die Aufgaben der Barbiere und Perückenmacher getrennt. Bader und Barbiere (seit 1773 wieder vereinigt) konzentrierten sich auf die Wundarzneikunst. 1775 gab es 36 Perückenmacher-Meister in Wien. Damals herrschte in den wohlhabenden Kreisen schon seit mehr als einem Jahrhundert die - aus Frankreich kommende - Mode der Allongeperücke für Männer und Frauen. 

Nach der französischen Revolution ließ eine Änderung der Mode, bei der das eigene Haar getragen wurde, das Friseurgewerbe entstehen, wobei seine Wiener Angehörigen international bekannt waren. Der neue Berufszweig (Accomondierer) beschäftigte sich mit der Herstellung von Haarteilen, die zum Accessoire der Biedermeierfrisuren wurden. Im 19. Jahrhundert kamen auf 100.000 Österreicherinnen sechs Damenfriseure. 1880 wurde die erste Fachschule gegründet, 1907 die Berufsschulpflicht für Lehrlinge und die Gesellenprüfung eingeführt. 

1906 erfand ein deutscher Coiffeur die Dauerwelle, damals eine lang dauernde Prozedur. Zunächst musste ein Reduktionsmittel 30 Minuten in das auf Lockenwickler gedrehte Haar einwirken. Dann erfolgte die Fixierung mit einem Oxidationsmittel, anschließend eine Wärmebehandlung zur Formgebung. 1947 wurde die Kalt-Dauerwelle üblich. Dauerwellen-Frisuren waren von den 1920er- bis 1990er- Jahren modern.


Quelle: Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 2 / S. 421, Bd. 4 / S. 524 f.

Bild: Dame mit Aufsteckfrisur, Postkarte um 1900.Gemeinfrei