Ordal#

Angeschwemmte Madonna. Gemeinfrei
Angeschwemmte Madonna. Gemeinfrei

Als Gottesurteil (Ordal) verstand man eine auf übernatürliche Zeichen zurückgeführte Entscheidung in einem Rechtsstreit. Obwohl schon bei antiken Völkern bekannt, erlangten Gottesurteile im Frühmittelalter Bedeutung, bei den Franken seit dem 6. Jahrhundert und besonders unter Karl dem Großen (747-814). Bei der Wasserprobe wurde der Beweisführer mit gefesselten Händen und Füßen ins Wasser geworfen. Der Beweis galt als erfolgreich erbracht, wenn ihn das reine Element aufnahm, wonach er gerettet wurde. Man ging davon aus, dass das geheiligte Wasser den Schuldigen abstößt, so dass er schwimmt. Obwohl Kirche und Staat seit dem 13. Jahrhundert Gottesurteile untersagten, bestanden solche Vorstellungen noch lange weiter. In der frühen Neuzeit wurden sie bei Hexenprozessen eingesetzt.

In legendärem Sinn findet sich das Ordal in Ursprungsgeschichten und Überlieferungen, in denen Kreuze - wie das Melker Kreuz oder das ehemals im Wiener Stephansdom befindliche Wunderkreuz - stromaufwärts an den Ort schwimmen, für den sie bestimmt sind, auch wenn die Menschen anderes wünschen. Im Wallfahrtsort Haslau-Maria Ellend (Niederösterreich) sollen Kinder eine Madonnenstatue stromaufwärts schwimmen gesehen haben. Die Fischer bargen sie und bauten ihr eine Kapelle. Auch die gotische Madonna "Unsere liebe Frau am Sand" von Unserfrau (Gemeinde Unserfrau-Altweitra, Niederösterreich) soll angeschwemmt worden sein.


Quellen:
Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, II. Wien 1955, S. 214
Rudolf Hoke: Österreichische und deutsche Rechtsgeschichte. Wien 1992, S. 13 f., 117
Helga Maria Wolf: Mythos Wasser , St. Pölten 2009. S. 31
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