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Schutzmantelmadonna#

Gotische Schutzmantelmadonna, Stiftsmuseum Klosterneuburg. Foto: Doris Wolf
Gotische Schutzmantelmadonna, Stiftsmuseum Klosterneuburg. Foto: Doris Wolf

Die Geste des Mantelschutzes stammt aus dem juristisch-weltlichen Bereich. Kinder wurden legitimiert bzw. adoptiert, indem sie der Vater unter seinen Mantel nahm. Hochgestellte Frauen konnten Verfolgten unter ihrem Mantel Schutz gewähren und für sie um Gnade bitten. Dies wurde im 12./13. Jahrhundert auf die heilige Maria übertragen.

  Erste Darstellungen der Schutzmantelmadonna (Mater omnium) finden sich bei den Marienbruderschaften der Zisterzienser und Franziskaner. Sie zeigen Maria meist ohne Kind und die Schutzflehenden in Bedeutungsgröße. Eine Sonderform stellten die "Pestbilder" des 14. Jahrhunderts dar, die während der Epidemien aufkamen. Sie transzendieren die patriarchale Familienstruktur: Der Vater straft, die Mutter hilft. Gott schleudert Blitze (Pest), Maria kniet vor Jesus und fleht um Erbarmen für die sündige Menschheit.

Text und Melodie des Kirchenliedes "Maria breit den Mantel aus..." entstanden um 1640 in Innsbruck.


Quellen: 
Lexikon christlicher Ikonographie. Freiburg/Br. 1992. Bd. 4/S. 131
Gotteslob. Katholisches Gebet- und Gesangbuch. Stuttgart 1975. S. 563