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Wien 12 - Meidling #

Südbahn: Übergang bei Hetzendorf. Wien, XII. Handkoloriertes Glasdiapositiv. Um 1910.
Südbahn: Übergang bei Hetzendorf. Wien, XII. Handkoloriertes Glasdiapositiv. Um 1910.
© IMAGNO Öst. Volkshochschularchiv

1890/92 wurde der 12. Bezirk aus der namengebenden Vorortgemeinde Meidling (Ober- und Untermeidling) sowie aus Gaudenzdorf, Hetzendorf, Wilhelmsdorf und Teilen von Altmannsdorf geschaffen. Der 12. grenzt an den 5., 6., 10., 13. und 23. Bezirk. 2015 hat Meidling eine Fläche von 810,3 ha und 92.229 BewohnerInnen.

Die Ortschaften, aus denen der 12. Bezirk entstand, liegen am Schönbrunner Berg, der sich in Ost-West-Richtung erstreckt. An seinem nördlichen Ausläufer fließt die Wien, die bis zur Regulierung im 19. Jahrhundert häufig Überschwemmungen verursachte. Älteste Urkunden, um 1140, nennen "Murlingen", damals im Besitz des Stiftes Klosterneuburg. Schon im 14. Jahrhundert bestanden hier mehrere Mühlen. Der alte Ortskern erstreckte sich an der Meidlinger Hauptstraße, zwischen Lobkowitzbrücke und Tivoligasse. Der letzte Weingarten wurde 1902 gerodet und an seiner Stelle eine Kaserne gebaut. Joseph I. ließ im waldreichen Gatterhölzl einen Jagdsitz errichten. Maria Theresia wandelte das Schlössel zu einer Wollzeugfabrik um, die wenig später nach Linz verlegt wurde. Das Gebäude, bei dem eine Schwefelquelle entsprang wurde 1773 zum "Theresienbad". Nachdem 1767 der erste Ziegelofen an der Straße nach Hetzendorf entstanden war, machte die Bezirksentwicklung Fortschritte. Auch die Erbauung von Schloss Schönbrunn wirkte sich förderlich aus.

Im 19. Jahrhundert zogen die Vergnügungslokale "Tivoli" am Grünen Berg mit seiner Rutschbahn und "Drehers Etablissement", zu dem Theater, Zirkus und Park gehörten, die unterhaltungsfreudigen Wiener an. 1884 kaufte der Bierbrauer Anton Dreher der Jüngere die Liegenschaft in der Schönbrunner Straße 307 und verpachtete sie an Johann Weigl, der hier das Schwechater Bier Drehers ausschenkte. 1886 eröffnete er mit einer Liedertafel des Männergesang-Vereins sein Vergnügungsetablissement. 1894 wurde im Park die rund 4.000 Personen fassende Katharinenhalle aufgebaut. Darin gab es Varietévorstellungen, Zirkusdarbietungen, Ringkämpfe und anderes. 1912 wurde der Antoniussaal errichtet, im ersten Stock lag der von Amateurtheatern benutzte Altdeutsche Saal. Weigls Dreherpark war Schauplatz zahlreicher Veranstaltungen geselliger Art. Hier produzierten sich populäre Volkssänger ebenso wie Gesangsvereine.

Quellen:
Wien in Zahlen, 2015
Helga Maria Wolf: Sehnsucht nach dem Alten Wien. Wien 2014
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien