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Wien 3 - Landstraße #

Wien vom Belvedere aus gesehen. Gemälde von Bernardo Bellotto, gen. Canaletto. Öl auf Leinwand. 1758/61.
Wien vom Belvedere aus gesehen. Gemälde von Bernardo Bellotto, gen. Canaletto. Öl auf Leinwand. 1758/61.
© IMAGNO/Austrian Archives

Im Zuge der Stadterweiterung 1850 wurden die Vorstädte Erdberg, Landstraße und Weißgerber zum 3. Wiener Gemeindebezirk zusammengefasst. Der 3. Bezirk, der am Donaukanal liegt, grenzt an den 1., 2., 4. 10. und 11. Bezirk. Als europäisches Schlüsselprojekt gilt das 109 ha große Stadtviertel rund um den neuen Hauptbahnhof. 2015 hat die Landstraße eine Fläche von 739,8 ha und 88.125 BewohnerInnen.

Im 11. Jahrhundert entstand die Niklasvorstadt im Bereich Landstraßer Hauptstraße, Erdbergstraße. Seit der Römerzeit verlief hier eine stark frequentierte Heeres- und Landstraße. Im 17. Jahrhundert begann die Verbauung nächst der Rochuskirche an der Kreuzung Landstraßer Hauptstraße, Erdbergstraße. Die durch die Zweite Türkenbelagerung (1683) verödete Agrarsiedlung wurde im 18. und 19. Jahrhundert zum bevorzugten Areal für Gartenpalais, von denen Prinz Eugens Belvedere das berühmteste ist. Johann Lukas von Hildebrandt baute 1714-16 das Untere Belvedere als Sommerwohnsitz. Von hier erstreckt sich der Park zu dem 1720-23 vom selben Architekten geschaffenen Fest- und Repräsentationsbau des Oberen Belvedere. Bis heute ist der 3. Bezirk für die größte Zahl ausländischer Niederlassungen ("Botschaftsviertel") bekannt. Auf der Landstraße waren viele öffentliche Einrichtungen angesiedelt, wie der Hafen des Wiener Neustädter Kanals, das Hauptmünzamt, die Tierärztliche Hochschule oder das Arsenal. In St. Marx bestand seit dem 13. Jahrhundert ein Spital. 1846 bis Ende des 20. Jahrhunderts war St. Marx vor allem für sein Schlachthaus und den Viehmarkt bekannt.

Zwischen 1382 und 1534 fand zur Zeit der Jahrmärkte um Christi Himmelfahrt und Katharina (25. November) ein Pferderennen auf der Landstraße statt. Vorbilder, wie den Pallio in Siena, gab es in italienischen Städten. Das Scharlachrennen war nach dem Hauptpreis, einem kostbaren, scharlachroten Tuch, benannt. Der zweite Preis war eine Armbrust, der dritte ein Spanferkel. Meist nahmen sechs bis 13 Reiter teil, die einen Gulden Nenngeld, aber für ihre Pferde keine Maut bezahlen mussten. Zuschauer waren neben dem Landesfürsten die Stadtregierung und die Spitzen des Bürgertums. Am Vorabend kündigten Trompeter und Ausrufer das Rennen bei der Schranne am Hohen Markt an. Der Auszug, bei dem die Preise mitgetragen wurden, erfolgte feierlich: Trompeter, Teilnehmer, Bürger, Armbrust- und Büchsenschützen mit ihren Fahnen, Bürgermeister und Ratsherren. Von Sankt Marx führte die Strecke über den (möglicherweise danach benannten) Rennweg zum Wienfluss und zurück. Nach dem Pferderennen fand jeweils ein Wettlauf junger Männer und Frauen statt, dabei war ein Stück Barchent der erste Preis. Nach der Preisverteilung lud der Bürgermeister auf Kosten der Stadt zum Festmahl ein. Im Biedermeier erlebte die Ballkultur im früheren Einkehrgasthof "Zur goldenen Birne" (Landstraße Hauptstraße 31) eine Glanzzeit. Beim Neubau 1833 wurden ein Gartensalon und ein Tanzsaal errichtet. Er erhielt, weil hier das Namensfest der Wiener Annen besonders gefeiert wurde, bald den Namen „Wiener Annentempel".

Quellen:
Wien in Zahlen, 2015
Helga Maria Wolf: Sehnsucht nach dem Alten Wien. Wien 2014
Felix Czeike: Historisches Leikon Wien