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Wien 6 - Mariahilf #

Das Theater an der Wien. Kolorierter Kupferstich. Blatt No. 14 aus dem Ansichtenwerk 'Wiens vorzüglichste Gebäude und Monumente. Les principaux batiments et monuments de Vienne'. Verlag: Tranquillo Mollo: Wien. 1825
Das Theater an der Wien. Kolorierter Kupferstich. Blatt No. 14 aus dem Ansichtenwerk "Wiens vorzüglichste Gebäude und Monumente. Les principaux batiments et monuments de Vienne". Verlag: Tranquillo Mollo: Wien. 1825
© IMAGNO/Austrian Archives

Bei der Eingemeindung 1850 umfasste der Bezirk die Vorstädte Gumpendorf, Magdalenengrund und Windmühle, sowie Laimgrube und Mariahilf. Die nördlichen Teile der beiden letzteren kamen 1861 zum 7. Bezirk. Außerdem grenzt der 6. an den 1., 4., 5., 12. und 15. Bezirk. 2015 hat Mariahilf eine Fläche von 145,5 ha und 31.000 BewohnerInnen.

Der (seit 1861) 6. Bezirk erstreckt sich zwischen Wienfluss und Gürtelstraße. Das erste Haus Mariahilfs entstand nach 1570 in der heutigen Windmühlgasse. Erst 90 Jahre später folgten weitere Gebäude, doch hemmten Pest (1679) und Krieg (1683) die Entwicklung. Die Mariahilfer Straße - in ihrem mittleren Bereich die Hauptstraße der Vorstadt - wurde bei der Eingemeindung zur Bezirksgrenze. Die Römer hatten sie als hochwassersichere Verbindung auf dem Höhenrücken zwischen Wienfluss und Ottakringer Bach benützt. Als Zufahrt zum Schloss Schönbrunn erhielt sie - als erste Vorstadtstraße Wiens - öffentliche Beleuchtung. Dem 21. Jahrhundert blieb es vorbehalten, den historischen Verkehrsweg zu unterbinden. Die Mariahilfer Kirche (Mariahilfer Straße 55) war die Klosterkirche der Barnabiten. Diese kauften 1660 ein Grundstück, das sie als Friedhof widmeten, und bauten eine hölzerne Kapelle. Sie enthielt eine Kopie des Passauer Gnadenbildes "Maria Hilf", das viele Pilger verehrten. Einer Steinkapelle folgte die 1730 vollendete heutige Kirche. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in der Mariahilfer Straße Warenhäuser. Lange Zeit galt sie als Hauptgeschäftsstraße und "Nebencity".

Ein kulturelles und gesellschaftliches Zentrum bildete das Theater an der Wien. Emanuel Schikaneder ließ es kurz vor 1800 in der Linken Wienzeile 6 errichten. Trotz zahlreicher Umbauten blieb das ehemalige "Papagenotor" in der Millöckergasse erhalten. Eine ulinarische Spezialität war der Weichselwein, den man in Mariahilf genießen konnte. Neben dem Fokanedisteg (beim Theater an der Wien) befand sich um 1770 ein ummauerter Weichselgarten mit Ausschank. Ein Dichter des nahe gelegenen Theaters reimte: "Geht mit mir alle zum Weichselwein, dort wollen wir singen und fröhlich sein."

Quellen:
Wien in Zahlen, 2015
Helga Maria Wolf: Sehnsucht nach dem Alten Wien. Wien 2014
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien