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Leopoldi, Hermann#

eigentlich Hermann "Hersch" Kohn


* 15. 8. 1888, Wien

† 28. 6. 1959, Wien

Komponist, Schauspieler und Klavierhumorist


Hermann Leopoldi
Hermann Leopoldi. Foto
© Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU

Hermann Leopoldi wurde als Hermann Kohn (die offizielle Änderung des Familiennamens erfolgte erst 1921) am 15. August 1888 als Sohn des Musikers Leopold Kohn geboren.


Der Vater brachte seinen beiden Söhnen Ferdinand und Hermann das Klavierspielen bei; bereits 1904 hatte Hermann sein erstes Engagement als Klavierbegleiter, später wurde er Kapellmeister, Barpianist und bald "Klavierhumorist" und Komponist.


Sein erster großer Auftritt fand 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, im Ronacher statt. Kurz vor dem endgültigen Durchbruch Anfang der 1920er Jahre änderte er seinen Nachnamen von Kohn auf den Künstlernamen seines Vaters ("Leopoldi").


Leopoldi vertonte Texte von Fritz Löhner-Beda, Peter Herz, Rudolf Skutajan, Karl Farkas, Fritz Grünbaum u.v.a.


In den Jahren nach dem Krieg boomten die Kabaretts und Unterhaltungslokale; so tat sich Hermann Leopoldi mit seinem Bruder Ferdinand und dem Conferencier Fritz Wiesenthal zusammen, um zu dritt 1922 das Kabarett "LW" (Leopoldi - Wiesenthal) zu gründen, das zum populärsten und bestbesuchten Unterhaltungslokal der Nachkriegszeit wurde.


Im Lokal traten Stars wie Karl Valentin, Armin Berg, Hans Moser, Fritz Grünbaum, Otto Dressler und Max Hansen sowie Leopoldis Vater und Bruder Ferdinand regelmäßig auf. Allerdings musste das erfolgreichste Kabarett Wiens 1925 aus wirtschaftlichen Gründen schließen. Leopoldi unternahm daraufhin ausgedehnte Tourneen und gastierte in Prag und Karlsbad, Budapest, Paris und Bukarest.


Er wurde ein gefeierter Star und erhielt noch 1937 das Silberne Verdienstzeichen der Republik; im April 1938 wurde er als Jude zuerst nach Dachau und dann nach Buchenwald deportiert (hier entstand u.a. der "Buchenwald-Marsch", Text von Löhner-Beda; Musik von Leopoldi).


Nach neun Monaten KZ-Haft konnte er von seiner Frau Eugenie (geb. Kraus) und deren Eltern, die bereits in die USA geflohen waren, freigekauft werden und konnte 1939 ebenfalls in die USA emigrieren, wo er ein Lokal eröffnete und mit Helly Möslein als Partnerin auftrat. 1947 kehrte er nach Wien zurück, und es gelang ihm, mit zahlreichen neuen Liedern, die er später auch im Fernsehen präsentierte, an seine Vorkriegserfolge anzuknüpfen.


In den USA gelang Leopoldi in erstaunlichem Ausmaß die Fortsetzung seiner Karriere. Gemeinsam mit seiner neuen Partnerin und zukünftigen Lebensgefährtin Helly Möslein feierte er Erfolge in der großen deutschsprachigen Exil-Community New Yorks.


1947 kamen Leopoldi und Helly Möslein zurück nach Wien; sie wurden von Bürgermeister Theodor Körner eingeladen und bei Konzerten von Publikum und Presse stürmisch gefeiert.


Hermann Leopoldi war einer der begabtesten und meist gefeierten Komponisten, Pianisten und – wie er sich selbst nannte – "Klavierhumoristen" des Wiener Liedes und des deutschsprachigen Schlagers der 1920er, 1930er, 1940er und 1950er Jahre.


Er starb am 28. Juni 1959 in Wien und liegt am Wiener Zentralfriedhof begraben.


Er schuf so bekannte Lieder wie "Schön is so ein Ringelspiel", "I bin a stiller Zecher", "„In einem kleinen Cafe in Hernals", "Überlandpartie", "Schnucki, ach Schnucki", aber auch den im KZ geschriebenen "Buchenwald-Marsch" und politische Lieder wie "Die Novaks aus Prag" (über ExilantInnen-Schicksale) oder "An der schönen roten Donau" (über die sowjetische Besatzung und den politischen Opportunismus der ÖsterreicherInnen).


Diese Lieder wurden - angesichts der Ereignisse des 20. Jahrhunderts - zugleich zum Spiegel seiner eigenen Biografie: er musizierte und komponierte unter allen Verhältnissen - im Ersten Weltkrieg für die Truppenbetreuung und später in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald; er überlebte, emigrierte, kam zurück und feierte wieder (oder weiterhin) große Erfolge. Vieles vom Wiener Kabarett nach 1950 wäre ohne ihn nicht denkbar.


Das Bezirksmuseum Meidling besitzt im Leopoldi-Archiv die umfangreichste und einzigartige Sammlung zu Hermann Leopoldi.


Die Familie Leopoldi hat in den letzten Jahren über den Nachlass hinaus alle Noten und Schallplattenaufnahmen Leopoldis gesammelt und im Druck nicht vorhandene Lieder großteils nachschreiben lassen. Nun liegt sein Werk gesammelt vor: "Leopoldiana" - 237 Lieder, die Präziseres über Österreich und den österreichischen Menschen erzählen als ganze Bibliotheken von Sozialstudien.


--> Historische Bilder zu Hermann Leopoldi (IMAGNO)

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Silbernes Verdienstzeichen Österreichs, 1937
  • Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich, 1958

Werke (Auswahl)#

  • In einem kleinen Café in Hernals
  • Schön ist so ein Ringelspiel
  • I bin a stiller Zecher
  • Powidltaschkerln
  • Schinkenfleckerl
  • Wien, sterbende Märchenstadt
  • Der Krankenkassenpatient
  • In den kleinen Seitengassen
  • Die Novaks aus Prag
  • Am besten hat's ein Fixangestellter
  • Beim Hauer in der A´nschicht
  • Schnucki, ach Schnucki
  • A guater Tropfen, so dreimal täglich
  • I bin a unverbesserlicher Optimist
  • Heute spielt der Uridil

Literatur#

  • H. Weiss (Hg.), "In einem kleinen Café in Hernals", 1992 (mit Werkverzeichnis)
  • R. Leopoldi, Leopoldiana Gesammelte Werke von Hermann Leopoldi und 11 Lieder von Ferdinand Leopoldi (2 Bände), 2011
  • G. Traska, Ch Lind, Hermann Leopoldi, Hersch Kohn Eine Biographie, 2012


Hörprobe#


Österreichische Mediathek Hörprobe


Die Überlandpartie.
1931

Vorlesen

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl