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Volksbrauchtum und volkskundliche Kostbarkeiten: Fasslrutschen#

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Das "Fasslrutschen" ist ein Brauch, der in Klosterneuburg auf einem Fass aus dem Jahre 1704 ausgeübt wird. Das so genannte "Tausendeimerfass" mit 56.000 Liter Inhalt, fast 5 m Länge und 3,84 m Höhe steht in einem Gewölbe der stiftlichen Binderei ("Binderstadl"). Die erste gesicherte Nachricht über das Fasslrutschen stammt aus dem Jahr 1814. Ursprünglich diente das Fass vermutlich zur Aufnahme des Zehentweines der Pachtbauern des Stiftes Klosterneuburg. Seit es die Franzosen 1809 zur Gänze leerten, wurde es nicht mehr gefüllt. Jedes Jahr bei den Feiern zu Leopoldi (vom 13. bis 16.November) klettern die Besucher auf der einen Seite auf das Fass und rutschen auf der anderen Seite über die Dauben hinunter. Der Babenberger Leopold war Markgraf von Österreich und starb am 15.November 1136. 1485 wurde er durch Papst Innozenz VIII. heilig gesprochen und 1663 zum Landespatron von Österreich ernannt. Der Brauch hat seine Wurzeln im fruchtbringenden Gleiten über die "Mutter Erde" in der Hoffnung auf Kindersegen. Ähnliche Bräuche gibt es auch in der Wachau und in der Schweiz. Der Sage nach wurde entstand der Brauch natürlich anders: der Klosterwirt sei von seiner Frau übertölpelt worden. In fröhlicher Runde hatte er abgestritten, dass er sogar über das große Fass rutschen würde, wenn dies seine junge Frau von ihm verlangen würde. Als er dies verneinte, weil er sich als Herr im Haus fühlte, hörte dies seine Gattin mit. Sie bewog ihn, nachts ohne Zuseher zu rutschen. Insgeheim hatte sie aber alle Freunde im Keller versteckt. Als diese den Wirt beim Rutschen zusahen, fanden sie so großen Gefallen daran, dass alle es versuchten.