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Briefmarke, 75. Geburtstag von Ioan Holender
© Österreichische Post

75. Geburtstag von Ioan Holender#

Sonderpostmarke

„Ich sehe meine Aufgabe darin, das Publikum neugierig zu machen, Interesse zu wecken und auch Dinge zu zeigen, bei denen man sich ein bisschen anstrengen muss, um sie zu verstehen. Ich will nicht nur gewohnte Pfade gehen, sondern das Wiener Publikum auch mit einer unbekannten Optik und unbekannten Klängen bekannt machen.“ – Pointierte Aussagen von Ioan Holender, des längstdienenden Direktors in der Geschichte der Wiener Staatsoper, dessen Vertrag im Juni dieses Jahres endet und dem nun eine eigene Sondermarke gewidmet ist.

Zur Person: Ioan Holender, geboren am 18. Juli 1935, entstammt einer jüdischen Familie aus Temesvar (Rumänien), wo sein Vater eine Marmeladen- und Essigfabrik besaß, die 1948 enteignet wurde. Um einen Zugang zum Studium zu erhalten, arbeitete Holender zunächst ein Jahr lang bei der Straßenbahn. 1956 wurde er aufgrund der Teilnahme an der Studentenbewegung aus politischen Gründen von allen Hochschulen des Landes verwiesen. Danach war er unter anderem als Tennistrainer und Regieassistent beschäftigt, bis er durch die Möglichkeit der Familienzusammenführung nach Wien, wo seine Mutter bereits lebte, ausreisen durfte. Ursprünglich wollte Holender sein angefangenes Technikstudium fortsetzen, letztlich begann er aber dann doch ein Gesangsstudium in Wien. Nach dem Abschluss war er zunächst als Opernbariton und Konzertsänger tätig, ehe er 1966 in einer Theateragentur zu arbeiten begann; einige Jahre danach übernahm er diese und machte sie unter seinem eigenen Namen zu einer bekannten Opernagentur.

Im Jahre 1988 wurde Holender vom seinerzeit designierten Direktor Eberhard Waechter zum Generalsekretär der Wiener Staatsoper berufen – der Beginn einer langen Karriere im „Haus am Ring“ – und nach Waechters unerwartetem Ableben im März 1992 wurde Holender am 1. April desselben Jahres zum Direktor der Staatsoper bestellt. Innerhalb kürzester Zeit bewirkte er zahlreiche Veränderungen; so ließ er zum Beispiel die Titel der gespielten Opern wieder in der Originalsprache plakatieren und weichte das Ensembleprinzip durch eine Verstärkung kurzfristiger Abendverträge auf.

Das von Holender gespielte Repertoire stützte sich im Wesentlichen auf die Neuinszenierungen seiner eigenen Direktionszeit, ergänzt von bekannten Schlüsselwerken und einigen älteren Produktionen, wodurch er die Organisation des umfangreichen Spielplanes maßgeblich erleichtern konnte. Darüber hinaus setzte der umtriebige Operndirektor vermehrt auf Koproduktionen, etwa mit den Salzburger Festspielen, der Mailänder Scala und der Pariser Oper. Besondere Erwähnung verdient freilich auch der Verkauf erfolgreicher Inszenierungen an andere renommierte Opernhäuser wie beispielsweise an die Metropolitan Opera in New York.