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Vom Kloster zum Postbus#

Wie aus einem Karmelitinnenkloster neben der Grazer Ross-Schwemme in der Vorstadt ein Fischmarkt und schließlich der Andreas-Hofer-Platz wurde.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Kaiser Ferdinand II.
Kaiser Ferdinand II. ließ sich in Graz ein Mausoleum errichten
Foto: KK

Kaum vorstellbar, aber wahr: Wo sich heute der Andreas-Hofer-Platz befindet, stand einst ein Karmelitinnenkloster, dessen Anlage bis zur Bastei in der heutigen Kaiserfeldgasse reichte. Dort war die Stadt zu Ende, dort war das Neutor, nach dem die ganze Straße benannt ist.

Alles begann aber mit der Idee einer Klostergründung. In den 1630er-Jahren planten Kaiser Ferdinand II. und seine äußerst fromme Gemahlin Eleonore, auch in Graz ein Karmelitinnenkloster zu stiften. Aus Dankbarkeit für den Sieg der katholischen Sache in der Schlacht am Weißen Berg in Böhmen wollte man die Karmeliter fördern. Denn dieser Orden kümmerte sich ganz besonders um die Bekehrung der „Kryptoprotestanten“. Das sind Evangelische, die sich nach der Vertreibung illegal im Lande versteckt hatten oder nur äußerlich katholisch geworden waren.

Die scharfe Luft der Berge#

Doch 1637 starb der Kaiser und wurde im Grazer Mausoleum begraben. Die Klosterstiftung aber geriet in Vergessenheit. Wohl auch, weil seine Witwe die „Steyerische Bergluft“ nicht vertragen hat und wieder nach Wien gezogen war. 1641 griff Kaiser Ferdinand III. den Plan seiner Eltern wieder auf und stiftete in Graz ein Karmelitinnenkloster. 1647 fand die Grundsteinlegung im „Kälbernen Viertel“ statt und 1654 konnten die ersten Nonnen einziehen. Die Kirche Mariä Verkündigung wurde 1660 geweiht.

Andreas-Hofer-Platz
Andreas-Hofer-Platz
Foto: KLEINE ZEITUNG

Die Nonnen hatten aber keine rechte Freude mit ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Denn direkt neben dem Kloster befand sich die Ross-Schwemme. Überhaupt dürfte die Gegend recht anrüchig gewesen sein. Der Magistrat ließ nämlich seine Müllplätze hierher verlegen und den gesamten Unrat der Stadt in die Mur befördern. Die Karmelitinnen wehrten sich zwar sehr heftig dagegen, aber vergeblich – dieser Ort schien als Sturzplatz am geeignetsten zu sein.

Die Aufhebung des Klosters#

Am 21. Jänner 1782 wurde das Kloster als Erstes in Graz von Kaiser Josef II. aufgehoben, ein Jahr darauf die Kirche. Deren Innenausstattung wurde auf andere Kirchen verteilt. Bei einer Visite im Jahr 1784 verfügte der Kaiser schließlich, „dass das Kloster vom Militär, jedoch ohne die Kirche zu übernehmen, zu einer Kaserne zu richten wäre“. So wurde das schmucklose Gebäude von 1784 bis 1803 zum Militär-Knabenerziehungshaus, zum Militärspital und kurzzeitig sogar zum Quartier für französische Kriegsgefangene. Schließlich diente es als Militär-Monturdepot. Auch die Kirche ging gegen Josefs Willen in den Besitz des Militärs über und wurde in ein Magazin umgebaut.

Direkt vor der Kirche befand sich ein kleiner Platz, der 1850 durch Abbruch der Klostermauer vergrößert und 1870/71 als Fischmarkt verwendet wurde – so entstand der „Fischplatz“. 1911 kam das Gebäude in den Besitz der Handels- und Gewerbekammer, die 1912 die Kirche und einen Klosterflügel abbrechen ließ und die Liegenschaft in Bauparzellen aufteilte. Bis 1934/36 wurde der gesamte Komplex sukzessive abgerissen und im Bereich des Fischplatzes zum Andreas-Hofer-Platz vergrößert.

Hier wurde 1965/66 die erste Tiefgarage der Stadt errichtet – ansonsten fällt der Platz heute fast nur als Start- und Zielhafen der gelben Postbusflotte auf.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele