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Eine Falle für Andreas Baumkircher #

Söldnerführer Andreas Baumkircher rettete Friedrich III. aus höchster Not, borgte ihm Geld und wurde in Graz enthauptet.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Die Hinrichtung Andreas Baumkirchers
Die Hinrichtung Andreas Baumkirchers vor dem Grazer Murtor – Wiedergabe eines Kupferstichs von 1689
© KK

Am 23. April 1471 läutete die Vesperglocke in Graz auf Befehl Kaiser Friedrichs III. schon vor 19 Uhr. Das äußere Murtor wurde geschlossen – und der steirische Söldnerführer Andreas Baumkircher und sein Gefährte Andreas von Greisenegg, die mit freiem Geleit zu Verhandlungen mit dem Kaiser auf den Schloßberg gekommen waren, waren gefangen. Sie wurden sogleich vor dem Murtor geköpft, schildert die Sage das Ende des steirischen Helden – oder Verräters? Was war damals geschehen?

Andreas Baumkircher, ein steirischer Söldnerführer aus der Gegend von Judenburg, der auch in Krain und Ungarn Besitzungen hatte und sehr reich war, wurde um 1420 geboren und erhielt am Hofe des späteren Kaisers Friedrich III. seine ritterliche Ausbildung. 1452 zeichnete er sich bei der Verteidigung Wiener Neustadts durch besondere Tapferkeit aus und wurde von Friedrich dafür mit Gütern belehnt.

Der verschuldete Kaiser#

Zehn Jahre später half Baumkircher dem Kaiser wieder in höchster Not, als Friedrich in seiner Wiener Burg von den Wienern belagert wurde. Vier Tage lang unternahm Baumkircher einen Gewaltritt nach Prag, um Hilfe zu holen. Zur Belohnung erhielt er die Stadt Korneuburg als Pfand – auch für die Soldschulden, die der Kaiser bei ihm hatte. Baumkircher aber wollte sein Geld zurück haben – und stellte sich auf die Seite des Ungarnkönigs Matthias Corvinus. 1469 finden wir ihn an der Spitze eines steirischen Adelsbundes gegen den Kaiser, der gerade nach Rom unterwegs war. Die nun folgenden Kämpfe gingen als „Baumkircherfehde“ in die Geschichte ein. Das war aber im Mittelalter nichts Illegales, denn die Fehde galt als das letzte, gewaltsame Rechtsmittel, wenn alle Verhandlungen versagt hatten. Es mußte nur ein ausreichender Grund (wie unbezahlte Schulden) vorhanden sein und rechtzeitig eine offene Kriegserklärung abgegeben werden. So eine Fehde war auch gegen den Kaiser möglich.

Zwei Jahre dauerte der grausame Krieg, dann kam es zu Verhandlungen. Baumkircher wurde freies Geleit zugesagt, wenn er nach Graz käme. Aber Friedrich ließ die Unterhändler festnehmen und ohne Gerichtsverhandlung nach der Vesper enthaupten.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele