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Die Bier-Barone von Reininghaus #

Auf den alten Gründen der Reininghaus-Brauerei wird ein neuer Stadtteil geplant. 2005 hat die Asset One das 550.000 Quadratmeter große Areal gekauft. 2011 soll’s losgehen. Wie aber hat hier einst alles angefangen?#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Brauerei um 1897
Die Brauerei um 1897.
© BRAU UNION ÖSTERREICH

Als mit Jahresende das Braustüberl auf den Reininghausgründen zugesperrt hat, wurde wohl auch das letzte Kapitel der Geschichte der alten Grazer Bierbarone geschlossen.

Antonia Reininghaus
Schauspielerin Antonia Reininghaus.
© STUHLHOFER

Seinen Anfang genommen hatte alles im westfälischen Isenburg, wo der 1818 geborene Johann Peter Reininghaus in der väterlichen Branntweinbrennerei die Hefebereitung kennen lernte. Mit seinem Bruder Julius kam er 1848 als Hefespezialist nach Wien. Wie der Zufall so spielt, heirateten beide die Töchter des Adolf Ignaz Mautner Ritter von Markhof aus der Brauereidynastie Mautner.

Im Jahre 1853 kauften sie die Brauerei im alten Mauthaus auf dem Grazer Steinfeld. Noch im selben Jahr wurde die Firma „Brüder Reininghaus“ gegründet. Man ließ Arbeiterhäuser bauen, einen Kanal zur Mur anlegen und die Fabrik elektrisch beleuchten. 1883 zeigte sich Kaiser Franz Joseph vom Großbetrieb, dessen Bier bis Sansibar exportiert wurde, so beeindruckt, dass er das Familienoberhaupt Johann Peter Reininghaus in den erblichen Adelsstand erhob.

Aber die Reininghaus spielten auch im öffentlichen Leben eine große Rolle. So förderte Johann Peter einen armen, talentierten „Waldbauernbuben“ namens Peter Rosegger, damit dieser finanziell abgesichert war.

Brauerei Reininghaus in Steinfeld
Die Brauerei Reininghaus in Steinfeld um 1878.
© BRAU UNION ÖSTERREICH

Sein Nachfolger war Enkel Peter, ein Chemiker. Er übernahm die Firma in trister Situation nach dem Ersten Weltkrieg. In der Monarchie war Reininghaus exportorientiert gewesen, jetzt in der geschrumpften Republik konnte man kaum noch etwas in die Nachbarländer ausführen, da deren Grenzen durch Schutzzölle geschlossen waren.

Johann Peter Reininghaus
Johann Peter Reininghaus (1818–1901).
© BRAU UNION ÖSTERREICH

Ein neuer Anfang#

Im Zweiten Weltkrieg vereinigte man die Konkurrenten Reininghaus und Puntigam. Gebraut wurde nur noch in Puntigam. Durch den Zusammenschluss der Reininghaus Brauerei AG und Gösser Brauerei als Steirerbrau wurde schließlich das Lebenswerk des Johann Peter gekrönt.

Sein Sohn Peter Reininghaus (1924–1986) führte das Firmenimperium weiter. Seine Geschäftsphilosophie „Heiliger Egoismus gehört dazu“ spiegelt sich auch in der Tragödie seiner Kinder wider: Die älteren Mädchen aus erster Ehe hatten die Trennung von ihrer Mutter nie überwunden. Marina starb nach einem Asthmaanfall in Ägypten. Die hoch sensible Antonia war gefeierte Schauspielerin im Wolfi-Bauer- Stück „Memory Hotel“ und wirkte in einigen Filmen mit. Bei den Dreharbeiten zu „Soweit das Auge reicht“ lernte sie Jürgen Prochnow („Das Boot“) kennen, den Vater ihrer Tochter Johanna. 1987 tötete Antonia in tiefer Depression ihre geliebte Tochter und beging einen Selbstmordversuch. 19 Jahre später wurde sie in ihrer Grazer Wohnung tot aufgefunden.

Seit der Fusionierung mit der Brau AG (1998) gehört das Unternehmen zur Brau Union Österreich AG, deren Mutter die Heiniken CEE in Wien ist. Die Familie Reininghaus spielt heute im Konzern keine Rolle mehr.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele