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„Das Theater brennt!“ #

In der Weihnachtsnacht des Jahres 1823 brannte das Grazer Stadttheater völlig nieder – nachdem es soeben total erneuert worden war.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Das brennende Theater
Das brennende Theater, links davon das Vizedomhaus, heute befindet sich hier der Freiheitsplatz, Temperagemälde von Johann Madl.
© KK

Der Heilige Abend 1823 war bitterkalt. Über Graz lag feucht der Murnebel und kroch eisig in alle Häuser. Da, um zwei Uhr morgens, flammte roter Feuerschein aus den dichten Nebelschwaden. Die Feuerwache im Uhrturm gab Alarmschüsse ab und von überall erschallte der Ruf: „Das Theater brennt!“

Schnell war die Rauchfangkehrerinnung zur Stelle, auch die Lohnfuhrwerker erschienen, um Wasser zu transportieren, Militär rückte aus. In langen Ketten wurden Wassereimer weitergereicht, die Fuhrwerke karrten Wasserfässer von Mur und Kroisbach heran. Alles strömte herbei, um das Theater, das kurz vor Weihnachten erneuert worden war, zu retten. Doch die Mühe war umsonst, die Flammen hatten das ganze Haus ergriffen, einzig die Nachbargebäude konnten gerettet werden. Nur die völlige Windstille dieser Nacht vom 24. auf den 25. Dezember verhinderte weiteren Schaden, berichtet Robert Baravalle 1925 in „100 Jahre Grazer Schauspielhaus“.

Als der sonnige Morgen des Christtages anbrach, war zwar der Brand gelöscht, vom Theater standen jedoch nur noch rußgeschwärzte Mauerteile. Die Brandursache wurde nie geklärt. Der riesige Schaden hatte jedoch auch seine gute Seite – plötzlich interessierte sich das Grazer Publikum wieder fürs Theater, alle wollten am Wiederaufbau mithelfen. Das war neu, denn die letzten 15 Jahre waren eine Zeit des künstlerischen Niedergangs gewesen, der die Theaterbesucher vergrault hatte.

Wo das Kommodhaus war#

Dabei hatte alles so schön begonnen: Weil das beliebte Opernhaus auf dem Tummelplatz (dessen letzter Rest das so unrühmlich abgerissene Kommodhaus war) sehr baufällig war, einigten sich Stadt und Land 1774, im Garten des Vizedomhauses ein neues Theater zu errichten. Glücklicherweise hatte die Herrscherin Maria Theresia kurz zuvor einige Theateraufführungen in Graz gesehen und sehr genossen, denn sie stellte den Vizedomgarten kostenlos zur Verfügung. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit konnte bereits am 9. September 1776 das „Grazer Nationaltheater“ eröffnet werden. Die Baukosten hatten 42.000 Gulden betragen, und das Ergebnis konnte sich sehen lassen – ein geschmackvolles Gebäude im klassizistischen Stil, für dessen Beleuchtung Wachs- und Talgkerzen sowie Öllampen sorgten. Sechs Öfen erzeugten die durch hölzerne Heizröhren verteilte warme Luft. Und die Freude der Grazer war riesig, da einer der großen Theaterleiter der Zeit, Joseph Bellomo, 1791 von Weimar nach Graz kam und hier vor allem Mozart aufführte.

Gebäude vor dem Brand
So sah das Gebäude vor dem Brand aus.
© KK

Von nun an ging’s bergab#

16 Jahre lang florierte sein Geschäft prächtig. Doch nach ihm kam die Zeit des Niedergangs. Es wurden nur noch billige Ritterstücke gespielt, das Gebäude verfiel. Da übernahm im März 1823 Johann August Stöger die Theaterführung, stellte auf anspruchsvolle Stücke um, hatte aber keinen leichten Stand, da das Publikum ja regelrecht vertrieben worden war. Aber er ließ das Gebäude wieder instand setzen. Und wirklich, am Abend des 24. Dezember 1823 erstrahlte das Haus in neuem Glanz, auch die Bühneneinrichtung war erneuert worden. Um Mitternacht verließen die letzten Arbeiter das Theater. Dann brannte alles ab. Der Freiheitsplatz entsteht Aber die Grazer hatten wieder Freude an ihrer neuen Theaterleitung. Jetzt griffen alle zusammen, um das Gebäude neu aufzubauen. Die letzten ständischen Kanonen wurden an Neapel verkauft, die Einnahmen des Kurbads Rohitsch-Sauerbrunn zur Verfügung gestellt und zahlreiche private Spenden gesammelt.

Der Wiener Baumeister Peter von Nobile entwarf mit Stöger Pläne für ein neues, für damalige Verhältnisse modernes Theater. Und wirklich, trotz der wirtschaftlich sehr schwierigen Zeit war im Oktober 1825 das neue Haus an derselben Stelle fertig. Die Glanzleistung war aber, dass bei dieser Gelegenheit das Vizedomhaus und andere Gebäude abgebrochen wurden – und dadurch der schöne Franzensplatz (heute Freiheitsplatz) entstand.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele