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Im Februar 1986 versank Graz im Jahrhundertschnee #

Vor exakt 24 Jahren verwandelte sich Graz innerhalb weniger Tage in einen riesigen Schneeberg – und die Herrengasse wurde zur Langlaufloipe.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Jahrhundertwinter von 1986
Impressionen des Grazer Jahrhundertwinters von 1986: Alles kam zum Erliegen, doch die Luft war sauber und die Ruhe herrlich.
© MELBINGER

Jahrhundertwinters von 1986
Impressionen des Grazer Jahrhundertwinters von 1986.
© MELBINGER

Es war katastrophal“, erinnert sich Erich Scheucher, der damals in der Magistratsdirektion die Einsatzmaßnahmen koordinierte.

„Es waren ja gerade Energieferien und der Großteil unserer Belegschaft musste erst aus dem Urlaub einberufen werden.“ Auch er selbst wurde durch das Schneechaos ins eiskalte Wasser geworfen. „Denn ich habe erst im Jänner den Katastrophenbereitschaftsdienst im Magistrat übernommen – es war meine erste Feuerprobe.“ Und die hat sich ordentlich gewaschen. Die erste Zeit war er Tag und Nacht unterwegs. „Es war eine einmalige Situation, weil der Wirtschaftshof vorhatte, Sonntag Nacht den Schnee wegzuräumen. Denn laut Wetterprognose sollte da der Schneefall bereits aufgehört haben.“ Kleiner Irrtum, weil Montagfrüh die Schneemenge auf den Straßen so hoch war, dass die Räumfahrzeuge nicht mehr eingesetzt werden konnten. Und es schneite immer weiter. Die Folge – der gesamte Verkehr brach zusammen, weder Bus noch Bim waren unterwegs, nichts ging mehr. „In der Herrengasse waren Langläufer unterwegs statt Straßenbahnen“, lächelt Scheucher. Auch der Faschingsumzug der Kleinen Zeitung musste abgesagt werden.

Jahrhundertwinters von 1986
Impressionen des Grazer Jahrhundertwinters von 1986.
© STUHLHOFER
Jahrhundertwinters von 1986
Impressionen des Grazer Jahrhundertwinters von 1986.
© STUHLHOFER

„Die ganze Stadt war still, kein Autolärm war zu hören, man hat unter den Schneebergen die parkenden Autos nicht mehr gesehen, sondern nur weiße Schneehügel“, erzählt der pensionierte Beamte. „Und die Leute sind viel freundlicher miteinander umgegangen, haben sich gegenseitig geholfen – und viel Zeit gehabt.“

Keine Zufahrt möglich#

Aber die Situation war nicht unproblematisch, schildert Scheucher: Zu den Krankenhäusern und Altersheimen war keine Zufahrt möglich, die Rotkreuzleute mussten mit den Krankentragen über die Schneewächten drüberklettern. „Wir mussten dann Schwerpunkte setzen, um die neuralgischen Punkte der öffentlichen Verkehrsmittel zu bewältigen.“ Und es hat lange gedauert, bis mit Hilfe von Frächtern und dem Bundesheer der Schnee abtransportiert werden konnte.

Die Schneemassen wurden anfangs in Parkanlagen zwischengelagert und umgehend von den begeisterten Kindern zu Schi- und Rodelpisten umfunktioniert. Ihre Freude war groß, denn in diesem Winter hatte es vorher nicht besonders viel geschneit. „Dafür ist von 9. bis 12. Februar alles auf einmal heruntergekommen“, resümiert Alexander Podesser von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik. Die gesamte auf dem Boden liegende Schneedecke erreichte in diesen Tagen 72 Zentimeter – „für eine Stadt eine Katastrophe“.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele