unbekannter Gast
Geben Sie diesem Artikel Ihre Stimme:
6

Die Prato schreibt einen Bestseller #

Die Grazerin Katharina Prato gilt als erfolgreichste Kochbuchautorin des „süddeutschen“ Raumes. Der Grund: das Magenleiden ihres Mannes, für den sie immer neue Rezepte kreieren wollte.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Prato - Die Süddeutsche Küche, © Pichler Verlag
Prato - Die Süddeutsche Küche
© Pichler Verlag

Das hatte ja gut angefangen: Schon die Flitterwochen der bereits 40-jährigen Katharina Polt aus dem Grazer Grabenviertel waren von ganz schweren Diätproblemen ihres Mannes überschattet.

Der 46-jährige Hauptmann Eduard Pratobevera war in Wien Professor für Weltgeschichte an der Technischen Militärakademie gewesen, aber krankheitshalber 1850 in den Ruhestand versetzt worden. Seither betreute er im Grazer Joanneum das Münz- und Antikenkabinett und heiratete 1857 die am 26. Februar 1818 geborene Katharina Polt.

Wie die Rezepte entstanden#

Das Magenleiden ihres Mannes war auch der Entstehungsgrund für ihr berühmtes Kochbuch. Denn sie musste sich immer neue Speisen ausdenken, die er vertragen konnte. Doch weder ihre Betreuung noch die besondere Diät konnten den schwerkranken Hauptmann, den seine Freunde stets „Prato“ riefen, retten. Nach kaum einjähriger Ehe starb er im gemeinsamen Haus Graben 13. 1861 heiratete Katharina dann den Jugendfreund ihres verstorbenen Gatten, Johann von Scheiger, Postdirektor und später Konservator von Steiermark und Kärnten, der 1872 vom Kaiser mit dem Titel „Edler von“ ausgezeichnet wurde. Da Scheiger häufig Dienstreisen unternahm, begleitete seine Frau ihn öfter.

In jedem Gasthof, wo sie besonders gut gegessen hatten, schrieb Katharina die Kochrezepte auf. Wie ihre zwei Ehemänner sammelte, ordnete und katalogisierte auch sie – allerdings nicht antike Statuen, alte Münzen oder Denkmäler, sondern eben Kochrezepte. Da sie ihre Rezepte an Freunde und Bekannte weitergab, wurde sie bald von allen Seiten ermuntert, daraus ein Kochbuch zu machen. Sie griff die Idee wirklich auf und schrieb unter dem Pseudonym Katharina Prato, dem Spitznamen ihres ersten Mannes: „Mein Hauptzweck war, diese Arbeit als ,Leitfaden für Anfängerinnen’, vorzüglich für angehende Hausfrauen brauchbar zu machen.“ Ihr Motto: Bei den damaligen Teuerungen müssten die Hausfrauen selbst zum Kochlöffel greifen, weil man sich oft eine Köchin nicht mehr leisten konnte.

Das praktische Handbuch#

Damit war der Grundstein zum gewaltigen Erfolg der Prato gelegt, denn die damals verfügbaren Kochbücher orientierten sich nur selten an den Notwendigkeiten eines normalen, kleinen Haushaltes. Die „Süddeutsche Küche“ wurde zum Bestseller. Die erste Auflage erschien 1858 noch bei Leykamin Graz und hatte einen Umfang von 348 Seiten.

DAS BUCH #

Die „Prato“, der Klassiker der Kulinarik, ist längst zum Sammlerobjekt und zur Fundgrube für all jene geworden, die gerne authentisch nach alten Rezepten kochen wollen.

In der Neuauflage wurdeder Originaltext mit Erläuterungen und Kommentaren von Christoph Wagner versehen. 688 Seiten, Lesebändchen, geb., 34,90 Euro, Pichler Verlag

Weiterführendes#



zur Übersicht
© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele