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Mit der Tram aufs Land#

Am 29. Jänner 1898 – vor fast exakt 111 Jahren – nahm die Mariatrosterbahn als erste „Elektrische“ im ganzen Land ihren Betrieb bis 1941 auf.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Mariatrosterbahn
Foto: © TRAMWAYMUSEUM GRAZ

Kaum hatte die Mariatrosterbahn am 29. Jänner 1898 ihren elektrischen Betrieb aufgenommen, kam es bereits zu den ersten Zwischenfällen, die heute eher skurril anmuten:

Am 31. Jänner scheute in der Zinzendorfgasse das Pferd eines Kehrrichtwagens und sprang vor die Tramway, wobei deren Scheinwerfer zertrümmert und das Pferd am Huf verletzt wurde. Am nächsten Abend vergaß man beim Schließen des Mautschrankens beim Linienamt Hilmteich, diesen auch vorschriftsmäßig zu beleuchten und prompt fuhr der Tramwayführer ungebremst dagegen – es war eben alles ein bisschen neu und ungewohnt.

Diese erste elektrische Bahn in der Steiermark (ein Jahr vor der GTG, der Grazer Tramway-Gesellschaft) war eine Publikumsattraktion ersten Ranges: Am zweiten Tag der Betriebnahme wurden schon rund 6000 Fahrgäste befördert. Jeder wollte die technische Neuheit kennenlernen, die auf 5,247 Kilometer Länge die Strecke Zinzendorfgasse, Schubertstraße, Hilmteich, Hilmteichstraße,Mariagrün, Mariatrost in der Schmalspurbreite von einem Meter bewältigte. Geplant war sogar eine Verlängerung bis zum Schöckl, aber daraus wurde nie etwas. Kurios, aber bald wird sich hier die Geschichte teilweise wiederholen denn auch die neue Streckenführung der Linie 1 soll über Glacis, Zinzendorfgasse, Leechgasse bis zur Hartenaugasse den Stadtteil der Uni erschließen.

Der Wagenpark der alten Mariatrosterbahn umfasste acht Trieb- und acht Beiwägen. Durch ihre rote Farbe bürgerte sich im Volksmund der Name „die rote Tram“ ein. 1939 übernahm die GTG die Bahn, die bis 1941 Schritt für Schritt auf Normalspur (1435 mm) umgestellt wurde – ab jetzt fuhr hier nur noch die Line 1.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele