unbekannter Gast
Geben Sie diesem Artikel Ihre Stimme:
7

Als die großen Plagen übers Land kamen#

Wanderheuschrecken, Pest und Türken – gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Steiermark von den sogenannten „Landplagen“ entsetzlich heimgesucht.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Die gefräßigen Wanderheuschrecken fallen in Graz ein
Ausschnitt aus dem „Landplagenbild“ (linke untere Seite), das auf dem Dom, der früheren Ägydikirche, zu sehen ist: Die gefräßigen Wanderheuschrecken fallen in Graz ein.
© GERY WOLF

Die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts brachte der Steiermark schwere Belastungen auf allen Ebenen – und die Not der Bevölkerung war enorm.

Die Geldschulden von Herzog Friedrich, dem späteren Kaiser Friedrich III., drohten ins Unermessliche zu explodieren. Er musste sogar das Münzwesen an seine Gläubiger, darunter der Grazer Bürger Balthasar Eggenberger und der steirische Söldnerführer Andreas Baumkircher, verpachten.

Aber damit nicht genug: Im Frühjahr 1459 froren die Weinreben ab und die Getreideernte blieb weit hinter allen Erwartungen. Die verzweifelte Regierung versuchte die Lebensmittelverluste mit Höchstpreisverordnungen in den Griff zu bekommen und erließ 1460 einen Lebensmitteltarif für Graz – den ältesten seiner Art, der erhalten geblieben ist. 1469 kam es zur Baumkircher- Fehde mit dem Kaiser, die das ganze Land in Mitleidenschaft zog und – wie wir schon gehört haben – mit der Hinrichtung des Söldnerführers endete.

Im Krieg gegen die Türken#

Zu allem Überfluss war nun auch die Südgrenze des Landes von türkischen Rennern und Brennern bedroht, und der Grazer Landtag begann mit der Befestigung der Hauptstadt. Keinen Moment zu früh, denn 1480 fiel ein türkisches Heer mit 16.000 Mann in die Steiermark ein. Von Kärnten kommend drangen sie in die Obersteiermark vor, verheerten von Bruck aus das Mürztal und das Umland von Graz. Am15. August zogen die Türken an der Residenzstadt vorbei, griffen aber die starken Befestigungsanlagen nicht an. Dafür verwüsteten sie die Murvorstadt. Sie brannten die Herrensitze und Bauernhöfe vom Rosenberg bis Mariatrost, St. Peter und Harmsdorf nieder. Frauen und Alte wurden getötet, Männer und Buben in die Gefangenschaft geführt. Einzig die Leechkirche vor der Stadt konnte erfolgreich verteidigt werden.

Als wäre das nicht schon genug, bedrohten auch noch die Ungarn das Land. 1477 hatten sie bereits Deutschlandsberg erobert. Dem bedrohten Fürstenfeld wurden Truppen aus Graz und Marburg zur Verstärkung geschickt, die rasteten aber zu oft in den Weinkellern und wurden völlig betrunken von den Ungarn aufgerieben. In diesem Kleinkrieg fiel ein Großteil der Steiermark an den ungarischen König Matthias Corvinus.

Kunigunde wird gerettet#

Aus dieser Zeit stammt die Sage vom „Steinernen Hund“: Kunigunde, die 16-jährige Tochter von Friedrich III., war ursprünglich mit Matthias Corvinus verlobt. Als aber die Streitigkeiten der zwei Herrscher begannen, wollte Friedrich nichts mehr davon wissen und versteckte sie auf dem Grazer Schloßberg. Matthias wollte seine Verlobte entführen und schickte 2000 Ungarn nach Graz, die sich in den Wäldern vor der Stadt versteckten. Der Sage nach fanden sie zwei Verräter, die ihnen für viel Geld das Burgtor öffneten – die Burgknechte Grasel und Himmelfeind. Schlosshauptmann Ulrich von Graben aber machte in dieser Nacht einen Rundgang und hörte heftiges Hundegebell. Er ging der Sache nach und entdeckte den Verrat, rasch weckte er die Soldaten und konnte die Ungarn vertreiben. Die beiden Verräter wurden zum Tode verurteilt und gevierteilt.

Zahlreiche Naturkatastrophen verstärkten die Not der Bevölkerung. 1480 fielen die Wanderheuschrecken in die Steiermark ein und vernichteten blitzschnell die gesamte Ernte samt der Wurzel. Überschwemmungen und Hagel erledigten den Rest. Im selben Jahr breitete sich auch die Pest aus. In größter Not stifteten 1485 die Grazer Bürger ein Votivbild an der Ägydikirche – das „Gottesplagenbild“ des Thomas von Villach. Doch die Natur blieb unerbittlich, 1486 trat die Mur über, 1489 zerstörten heftige Unwetter 80 Prozent der Ernte – und der Kaiser erhöhte in seiner Not die Steuern, um gegen die Ungarn weiter Krieg führen zu können.



zur Übersicht
© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele