unbekannter Gast
Geben Sie diesem Artikel Ihre Stimme:
7

Wie sich der Sack geöffnet hat #

Der Sack war ursprünglich eine echte Sackgasse und ist heute der älteste noch bestehende Straßenzug von Graz. #


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Drittes Sacktor um 1801
Drittes Sacktor um 1801, Feder laviert von Johann Wachtl.
© KK

Die heutige Sackstraße, die vom Hauptplatz nach Norden verläuft und sich an den steilen Abhang des Schloßbergs schmiegt, bis sie in den Kaiser- Franz-Josef-Kai mündet, ist nur noch der letzte Teil der lang gezogenen Straße, die aus dem ersten, dem zweiten und schließlich dem dritten Sack bestanden hat.

Der (erste) Sack erhielt seinen Namen davon, dass er im Norden direkt an die Stadtmauer stieß und ursprünglich keinen Ausgang hatte. Er war im wahrsten Sinn des Wortes eine Sackgasse.

Die älteste Straße der Stadt#

Dieser „Sack“ wurde als ältester noch heute bestehender Straßenzug der Stadt Graz bereits in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts angelegt. Der erste Sack reichte bis zum Reinerhof am Beginn des heutigen Schloßbergplatzes.

„Der mittelalterliche Charakter der Häuser zeigt sich heute noch an den Gebäuden der Ostseite der Straße, deren Hofstätten weit nach hinten bis zum Schloßberg reichen und die für Graz so charakteristische Dachlandschaft bilden“, schreiben Elke Hammer-Luza und Elisabeth Schöggl-Ernst in ihrer informativen Broschüre „Graz im Bild. Ansichten und Einsichten“.

Das erste Sacktor
Links ist vom Hauptplatz aus das erste Sacktor mit dem Reinerhof davor zu sehen. Dahinter das zweite Sacktor (Kupferstich von Matthäus Merian, 1649).
© LANDESARCHIV

Aber Graz wurde im Laufe der Jahrhunderte immer größer. Und so wurde unter Kaiser Friedrich III. (1415-1493) im Rahmen der Stadterweiterung der sogenannte zweite Sack Richtung Norden errichtet. Dabei musste die alte Stadtmauer durch ein Tor (das erste Sacktor, siehe Abbildung rechts außen) durchbrochen werden. Hier im „zweiten Sack“ siedelten sich vor allem Kleinbürger, die Lederer und Weißgerber, Kürschner und Schuster sowie ein Teil der Müller an. Dieser Teil gehörte in jener Zeit nicht gerade zu den wohlhabendsten Vierteln der Stadt und reichte bis dorthin, wo heute die Sackstraße in den Kai einmündet.

Das dritte Sacktor#

Mit der dritten Stadterweiterung zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstand auch der dritte Sack, der noch weiter gegen Norden vorgeschoben wurde und bis zu den neuen Befestigungswerken in Höhe der heutigen Keplerbrücke reichte. Hier wurde 1625 ein zwölf Meter hoher Turm errichtet mit einer sieben Meter langen Durchfahrt – das dritte Sacktor.

Die Gewerbetreibenden aus dem zweiten Sack übersiedelten nun in den dritten Sack, während sich im ersten Sack viele Adelige niederließen und hier ihre schönen Palais bauten. Im dritten Sack waren die Häuser zumeist aus Holz gebaut und standen dicht aneinandergedrängt – was ein sehr hohes Risiko bei Feuergefahr bedeutete. Und wirklich wüteten 1607 und ganz besonders 1670 große Brände im Sackviertel, denen ein Großteil der Häuser zum Opfer fiel.

Um 1840 war das Stadtviertel der drei Säcke das am dichtesten besiedelte Stadtgebiet von Graz. 1850 wurde das dritte Tor abgetragen, weil man an seiner Stelle das sogenannte Inquisitenhaus errichtete, ein Gefängnis. Das war bitter notwendig geworden, da die Arrestzellen im alten Rathaus restlos überfüllt waren. Und das neue „Kriminal“, wie der Bau im Volksmund bezeichnet wurde, schuf den nötigen Raum für die vielen Sträflinge. Bereits in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der hässliche Bau aber schon wieder abgetragen, da er sich als Verkehrshindernis ersten Ranges erwies und weil man in der Conrad-von-Hötzendorf- Straße das neue Straflandesgericht errichtete. „Millionen von Wanzen und Flöhen wurden dabei obdachlos“, heuchelte ein Chronist damals Mitleid.

Der totale Umbau#

Im 19. Jahrhundert hatte sich das Bild der Sackstraße verändert. 1835 wurde das zweite Sacktor abgetragen, 1875 wurde die Dreifaltigkeitssäule aus Verkehrsgründen vom Eingang in den ersten Sack am Hauptplatz auf den Karmeliterplatz verlegt – und um 1900 folgte der schwerste Einschnitt mit der Murregulierung, der alle westseitigen Häuser des dritten Sacks zum Opfer fielen.



zur Übersicht
© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele