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Thaliwood – als Graz Filmmetropole war #

17 Spielfilme wurden zwischen 1947 und 1954 in Graz-Thalerhof gedreht. Dann platzte der große Traum.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Arnold Schwarzenegger vor seinem Elternhaus
Arnold Schwarzenegger mit Familie Anderwald vor seinem Elternhaus.
Foto: © LEODOLTER

Mit dem Arnold Schwarzenegger-Museum in Thal weht ein Hauch von Hollywood durchs Land und es werden Erinnerungen wach an die Zeit, als Graz noch im großen Filmgeschäft eine Rolle gespielt hat.

Auch wenn es heute ganz unglaublich klingt – in Graz gab es kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Flughafen Thalerhof eine Filmstadt, die sich wirklich sehen lassen konnte – „Thaliwood“. 1947 errichteten der Industrielle Anton Sternig und der Regisseur Hans Schott-Schöbinger in einem Flugzeughangar ihr Filmstudio, berichtet Franz Suppan ausführlich im Historischen Jahrbuch der Stadt Graz (Band 34/35).

„Kleine Zeitung“ berichtete über Dreharbeiten
Am 20. November 1948 berichtete die „Kleine Zeitung“ über die Dreharbeiten von „Hexen“.
Foto: © ORF

Curd Jürgens, der das Kriegsende in der Steiermark erlebt hatte, fand hier ideale Produktionsbedingungen vor. In seinen Erinnerungen „ ...und kein bisschen weise“ schreibt er: „Ein Ofenfabrikant aus Graz, der in einer leer stehenden Flugzeughalle die obskursten Filme produziert, hat einen Narren an mir gefressen. Er lässt mir freie Hand, wenn ich nach eigenen Ideen einen künstlerisch wertvollen Film herstellen will...“

Hexen#

Der erste „obskure“ Film war im September 1948 „Hexen“. Der Stoff lehnte sich an die historische Geschichte der Riegersburger Blumenhexe an. Neben Curd Jürgens spielten Margrit Aust und Edith Mill.

Etwas ungeschickt wurden bei den Dreharbeiten im Thalerhof- Studio echte Antiquitäten als Deko verwendet. Und es kam, wie es kommen musste, ein Bühnenmaler stahl einen Teppich und zwei wertvolle Ölbilder, die ein Grazer Antiquitätenhändler zur Verfügung gestellt hatte. „Zu seinem Pech versuchte der Dieb die Gegenstände ausgerechnet an diesen Händler zu verkaufen, der sein Eigentum natürlich sofort wieder erkannte“, schreibt Suppan.

„Die Vier im Jeep“
Zahlreiche Szenen für „Die Vier im Jeep“ wurden in Thaliwood gedreht. Graz diente als Kulisse für Wien.
Foto: © ORF

Die Welturaufführung des ersten in der Steiermark produzierten und gedrehten Films „Hexen“ fand am 7. April 1949 im Annenhofkino statt. Das Urteil der Presse war vernichtend. Vor allem der damals für die Kleine Zeitung schreibende Hans Dichand zerriss den Film: „Während wir hartnäckig das Gähnen bekämpfen, packt uns erhebliches Mitleid – mit dem Drehbuchautor... Alles in allem ein Film, den wir lieber nicht steirisch nennen, ein geistloser, langweiliger Zelluloidstreifen.“

Mutig wurde aber weiter produziert. 1949 führte Curd Jürgens beim psychologischen Krimi „Prämien auf den Tod“ erstmals auch die Regie, die Grazer Innenstadt war Schauplatz zahlreicher Filmszenen. Dann folgte 1949 „Erzherzog Johanns große Liebe“ mit O. W. Fischer, Marthe Harell, Josef Meinrad und Alma Seidler.

Herz und Schmerz#

Ungeachtet finanzieller Probleme entstanden am Thalerhof die größten Studiobauten, die es je in Österreich gegeben hatte. Am 5. Jänner 1951 erlebte „Erzherzog Johanns große Liebe“ im Annenhofkino seine Premiere. In der Kleinen Zeitung rezensierte der Volkskundler Viktor von Geramb den Film – und kanzelte ihn als Stumpfsinn ab. Beim breiten Publikum kam die Schnulze aber gut an. 1950 wurden in „Thaliwood“ Szenen für „Die Vier im Jeep“ gedreht. Das Grazer Landhaus übernahm die Rolle des Wiener Palais Auersperg, in dem die internationale Militärpolizei untergebracht war. Abend für Abend verwandelten sich Stempfergasse und Glockenspielplatz in die Wiener Innenstadt – und die Grazer drängten sich, um den schwedischen Star Viveca Lindfors bestaunen zu können.

Franz Antel drehte hier, Helmut Käutner machte Probeaufnahmen für „Die letzte Brücke“, zahlreiche Kulturfilme entstanden. Denn ein Ateliertag am Thalerhof war mit 12.000 Schilling recht preiswert, in den Wiener Studios verlangte man 17.000 Schilling, in München um die 25.000. Scheinbar blühte das Geschäft – seit 1948 waren 17 größere Filme gedreht worden. Doch 1954 war die Schließung nicht mehr zu verhindern und die Arbeit am Thalerhof wurde eingestellt. Der Film war gerissen.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele