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„Träume sind nicht verboten“#

Sie spielten Hausmusik und träumten von der großen Karriere – jetzt feiern die White Stars ihren 50. Geburtstag. #


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


White Stars
White Stars
© KK

Alles begann 1963 – während in England vier junge Burschen als „The Beatles“ die Musikszene der Welt veränderten, gründeten vier junge Grazer eine Tanzband und wurden zu Fixsternen am Schlagerhimmel der Steiermark: die White Stars.

Tausende Konzerte, fast eine Million verkaufte Tonträger und 50 Jahre später blickt Walter Reischl – mit seiner schmelzenden Romantikstimme Sänger der legendären Band – zurück auf die Anfänge. „Eine fantastische Geschichte liegt hinter uns“, schwärmt der Bandleader, „die sich wie ein Märchen anhört.“

Als Start die Hausmusik #

Trotz der schwierigen Nachkriegsverhältnisse hatten Elisabeth und Hermann Reischl aus Liebenau den sieben Söhnen das Erlernen von Musikinstrumenten ermöglicht. Ihre einzige Bedingung war, dass alle auch einen „normalen Beruf“ ausüben mussten. Bald schon spielten die Brüder Peter, Günther und Walter zur Freude der Eltern volkstümliche Hausmusik mit Gitarre, Zither und Harmonika. Aber insgeheim träumten sie davon, einmal mit Schlager- und Tanzmusik ihr Publikum begeistern zu können.

„Wenn unsere Eltern nicht zu Hause waren, haben wir die Schlager der damaligen Zeit gespielt“, schmunzelt Walter. „Das waren Cliff Richards ,Rote Lippen soll man küssen‘ und ,Marina‘ von Rocco Granata.“ Und da kam ihnen der Zufall zu Hilfe. Die jungen Musiker wollten nämlich einmal eine Band live erleben. Daher gingen sie zu einer Jugendveranstaltung im Josefsheim der Grazer St.-Josef-Kirche.

„Dort war zum 5-Uhr-Tee eine Band angekündigt, die wollten wir unbedingt sehen. Alle Instrumente standen bereits auf der Bühne – aber die Gruppe kam nicht“, erzählt Reischl. Das jugendliche Publikum war auch schon da, doch die Musiker fehlten, bloß der Schlagzeuger war anwesend. Was tun? Einige Anwesende wussten von der Hausmusik der drei Brüder und riefen: „Die Reischl-Buam soll’n spielen.“ Bis die „echten“ Musiker kämen, wurden sie zu den Instrumenten gebeten. Überglücklich, aber mit weichen Knien standen sie zum ersten Mal auf einer Bühne. Begleitet vom Schlagzeuger Joschi Scheucher, der noch am selben Abend zum „Ehrenbruder“ ernannt wurde.

„Die Leute waren begeistert und so sagten die Veranstalter, dass wir am nächsten Sonntag wieder kommen sollten“, berichtet Walter. „Unser Glück war, dass sich die ursprünglich eingeladene Band heillos zerstritten hat und der Schlagzeuger ohnehin die Musikgruppe wechseln wollte.“ Jetzt hatten die Brüder ihr erstes Fixengagement – aber sie brauchten eine richtige Bühnengarderobe. Da sie Lehrlinge ohne viel Geld waren, kauften sie sich billige weiße Ärztehosen für 78 Schilling das Stück (Euro 5,60). Weiße Hemden hatten sie ohnehin – fertig war das erste Bühnenoutfit, nachdem ihre über alles geliebte Mutter die viel zu weiten Hosen enger genäht hatte.

Die weißen Sterne gehen auf #

Beim ersten Auftritt rief das Publikum: „Das sind ja weiße Sterne“ – ihr Bandname war geboren. „Damals musste man aber einen englischen Namen haben, also nannten wir uns White Stars.“

Bereits im Juni 1964 engagierte Wolfgang Reinprecht, der Chef des damals größten Tanzlokals der Steiermark – des Hotels Fischerwirt in Gratwein – die junge Tanzband fix. Elf Jahre lang spielten die inzwischen weithin bekannten „White Stars“ vor stets ausverkauftem Haus beim „Fischerwirt“ – und wer weiß, wie viele Herzen bei ihrer Musik zueinanderfanden?

1964 hat Peter das legendäre Café „White Star“ in Graz eröffnet. 1974 stieg der jüngere Bruder Michael als Verstärkung in die Band ein. Kurz zuvor gründeten auch die „kleinen“ Brüder Werner und Bernd ihre Band „Regenbogen“.

Radio, Fernsehen, Presse und vor allem die Plattenfirma Ariola wurden auf die Musiker mit Herz aufmerksam. Tourneen, Schallplatten, Ehrungen, Hunderte Radiosendungen und mehr als 50 TV-Auftritte folgten. Fast alle Schlager und Hits wie „Ich war nie ein Casanova“ oder „Träume sind nicht verboten“ haben die Reischl-Brüder selbst geschrieben.„ Was wir spüren, spielen wir auch.“ Am wichtigsten war für sie aber immer ihr Publikum, das die geliebten „Schnulzenkaiser“ stets treu begleitete. 1994 nahmen die White Stars schweren Herzens ihren Bühnenabschied und traten nur noch in TV-Shows auf. Aber jetzt sind sie wieder da.


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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele