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Wie das Eisen vom Erzberg in den Süden kam#

Seit mehr als 1000 Jahren wird auf dem Steirischen Erzberg Eisenerz abgebaut. Dabei handelte es sich um den größten Eisenerztagbau Mitteleuropas. #


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Eisenerz, Erzberg 1906
Eisenerz, Erzberg 1906

Bereits im 14. Jahrhundert wurde der Abbau, die Erzeugung von Roheisen und dessen Weiterverarbeitung durch Verfügung des Landesfürsten ganz klar geordnet und in zwei Bereiche getrennt: Die obere Berghälfte wurde vom südlich gelegenen Vordernberg (vor dem Berg) aus erschlossen, weil die Abbauprodukte leichter über den Präbichl transportiert werden konnten. Der untere Teil des Erzberges wurde von Innerberg, dem heutigen Eisenerz, ausgebeutet. Eine waagrechte Linie in 1186 Meter Seehöhe, die sogenannte Ebenhöhe, bildete die Trennlinie.

Eine 1448 bzw. 1453 erlassene Eisenordnung regelte sehr streng die Teilung der Absatzgebiete. Der Norden des Habsburgerreiches wurde von Innerberg aus beliefert , während der Mittelmeerraum Eisen aus Vordernberg erhielt. Der zentrale Handelsplatz im Norden war seit 1287 Steyr. Am 14. März 1314 verlieh dann Herzog Friedrich der Schöne Leoben das „Verlagsrecht für Eisen“ für den Süden. Das bedeutete, dass alles Roheisen aus der Region südlich des Präbichls (Vordernberg) nach Leoben abgeliefert bzw. verkauft werden musste. Die Leobener wiederum verkauften dieses Eisen an die Hammergewerken weiter, die in den obersteirischen Schmieden und Hammerwerken aus dem Roheisen Sensen, Nägel, Blech, Draht und Werkzeuge machten.

Wie aber kam das so veredelte Eisen zu seinen Endverbrauchern in den Süden? Ganz einfach: Es wurde auf dem Wasserweg transportiert. Das war günstig, weil der Antrieb kostenlos war, und außerdem war die Transportfähigkeit der Flöße und Kähne viel größer als die der Zugwagen, die auf den äußerst schlechten Straßen im Morast fahren mussten und dort viel zu oft stecken blieben. Der große Nachteil der Floßfahrten war aber, dass es immer nur in eine Richtung ging, nämlich flußabwärts. In diesem Fall störte das aber nicht, da die Zielrichtung der obersteirischen Eisenwarentransporte ohnehin die Flüsse hinab hing. Für das Gebiet um den Erzberg waren vier Flüsse für den Eisentransport wichtig - die Enns, die Mur, die Salza und die Ybbs. Auf Salza und Ybbs konnte nur bei Hochwasser bzw. nach Wasserstau geflößt werden, Enns und Mur hatten genügend Wasserführung.

So wurde beispielsweise die Mur mit flachen Plätten, Flößen und sogar Schiffen befahren. Letztere waren langgestreckte Kähne mit einem Verdeck auf der Heckseite, auf dem ein Steuermann stand. Diese Kähne transportierten Roheisen und fertige Eisenwaren wie Sensen und Sicheln, nebenbei wurden auch Salz, Schmalz und Gips, später sogar Steinkohle sowie Fahrgäste befördert. Die Talfahrt dauerte zwei bis drei Tage, die Bergfahrt zurück nach Leoben zwölf bis 14 Tage - je nach Wasserstand.

Mit Hilfe von bis zu 16 Pferden wurden die Schiffe auf so genannten Treppelwegen am rechten Murufer flussaufwärts gezogen und brachten hauptsächlich Wein und Getreide ins Oberland. Die Flöße hingegen waren sozusagen Einwegware und lieferten meist Brenn- und Bauholz aus der Obersteiermark.

Flösser
Flösser

Graz war der Eisenumschlagplatz für die südlichen und südöstlichen Gebiete, von hier wurden die steirischen Eisenerzeugnisse nach Ungarn, auf den Balkan und bis ins Osmanische Reich geliefert. Und der Mittelpunkt des Grazer Eisenhandels war wiederum die Vorstadt Gries, ganz besonders der „obere Gries“, wie die heutige Griesgasse einst genannt wurde. Die Nähe zur Mur und damit zum Anlegeplatz der Flöße (Lend), aber auch die Lage an der uralten Durchzugsstraße von Wien ans Meer bei Triest, verlieh der Griesgasse ihre große Bedeutung. Hier gab es lange Zeit drei Eisenhandlungen in unmittelbarer Nachbarschaft – die Leitenkammerische, die Herzogische und die des Jacob von Miskay. Dazu gab es in nächster Umgebung noch mehrere „Gschmeidler“, wie kleinere Eisenhändler einst bezeichnet wurden.

Größere Bedeutung erlangten diese Eisenhändler in Graz aber erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Vor allem ein gewisser Peter Höschl, eingetragen im Jahr 1694, und sein Nachfolger Johann Caspar Höschl (1694-1727) scheinen als Eigentümer des Hauses Griesgasse 24 auf. Vor allem Letzterer war ein sehr rühriger Mann, der es aber mit den Vorschriften nicht ganz so genau nahm. 1713 schmuggelte er 500 „polnische verschwiegene Sengsen als richtige Contrabande“ ein. Wobei Contrabande soviel wie Schmuggelei, Schmuggelware bedeutet. Die Sensen wurden in drei oder vier Fässern des Florianiwirts in die Stadt gebracht, berichtet die „Chronik der Firma Christof Odörfer Eisenhandlung zur goldenen Schaufel in Graz Griesgasse 14-16“. Dafür wurden Höschl aber 70 Gulden Strafe auferlegt. Der clevere Eisenhändler war überhaupt sehr geschäftstüchtig und hatte schon im Jahr 1700 die Regierung um die „Passierung“ von „200 Paar Pistollen“ über die Steiermark nach Wien zur „Montierung der Kays. Soldatesca“ gebeten. Die seit 1674 bestehende Eisenhandelsgerechtsame (Konzession) für das Geschäft dieses Johann Höschl ging über mehrere Eisenhändler, darunter Jacob von Miskays „Eisenhandlung zur goldenen Schaufel“, in den Besitz der Frma Odörfer über, die heuer bereits ihr 210-jähriges Jubiläum feiert.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele