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Eisenerz#

Eisenerz
Wappen von Eisenerz

Bundesland: Steiermark Eisenerz, Steiermark
Bezirk: Leoben
Einwohner: 4.291 (Stand 2016)
Bevölkerungsentwicklung: Statistik Austria
Höhe: 730 m
Fläche: 124,53 km²
Postleitzahl: 8790
Website: www.eisenerz.at


Eisenerz.png
Eisenerzer Stadtturm 2007. Im Hintergrund der Pfaffenstein
© http://www.picturedesk.com
Foto: Wilfried Gredler-Oxenbauer

Eisenerz, ein alter Bergbauort, liegt im Bezirk Leoben, am Erzbach am Fuße des Steirischen Erzberges, inmitten der aufragenden Felsen der Eisenerzer Alpen im Südwesten und des Hochschwab im Nordosten.


Die Gegend war bereits in früher Zeit besiedelt – es ist belegt, dass schon 1200 v. Chr. in der Ramsau in acht Öfen Kupfer geschmolzen wurde. Im späten ersten Jahrtausend nahmen in der Gegend des Erzberges die ersten slawischen Siedler mit Keilhauen, Schlägel und Eisen ihre Arbeit auf und gewannen anfänglich nur von der Erdoberfläche die weichen Brauneisensteine.

Eisenerz ist eine historisch gewachsene Stadt, deren Ursprung auf die Zeit um das Jahr 700 zurückgeht. Die wirtschaftliche, politische und kulturelle Geschichte der Region und der Stadt ist bis heute untrennbar mit dem Erzberg verbunden.
Um 1230 scheint in einer päpstlichen Urkunde der Name "Aerze" das erste Mal auf; 1294 erhielt Eisenerz bereits das Marktrecht und bis fast Ende des 15. Jahrhunderts war Eisenerz ein stets aufstrebender Ort. Die Abbaurechte am Erzberg gehörten ab dem Mittelalter den Eisenerzer und Vordernberger Radmeistern. Ab dem frühen 16. Jahrhundert standen in Eisenerz (damals "Innerberg") bereits 19 Radwerke, d.h. von Radmeistern geführte Eisenunternehmen, die vielen Arbeitern Beschäftigung boten.

1625 übernahm der Landesfürst den Bergbau im Innerberger Teil des Erzberges einschließlich Verarbeitung und Handel. Die Radwerke und Abbaurechte wurden zwangsvergesellschaftet und die "Innerberger Hauptgewerkschaft" gegründet, die den Eisenerzer Teil des Erzberges verwaltete und bewirtschaftete. Der 30-jährige Krieg und die Kämpfe der Gegenreformation brachten das Eisenwesen fast zum Erliegen. Im 19. Jahrhundert war Eisenerz – wie viele andere Orte auch – mehrmals von französischen Truppen besetzt.

Mit der industriellen Revolution kamen erste technische Neuerungen - flüssiges Eisen konnte erzeugt werden. 1840 wurde eine Montan-Lehranstalt in Vordernberg eröffnet, die später aufgelassen und 1849 als k. k. Montan-Lehranstalt in Leoben (heute Montanuniversität Leoben) wiedereröffnet wurde. Die fortschreitende Industrialisierung erforderte immer mehr Arbeitskräfte; viele Arbeiter wanderten zu. 1873 wurde die Eisenbahnlinie Hieflau-Eisenerz eröffnet und Eisenerz damit an das österreichische Eisenbahnnetz angeschlossen. 1881 wurde die Oesterreichisch-Alpine Montangesellschaft gegründet, die nach und nach alle Abbaurechte für den Erzberg erwarb und den Etagenabbau am Erzberg begann, der dem Berg die charakteristische Form gegeben hat.

Der wirtschaftliche Aufschwung auf dem Steirischen Erzberg schlug sich um die Jahrhundertwende auch auf das Ortsbild in Eisenerz nieder: Wohnsiedlungen für die vielen zugezogenen Arbeiter, ein Werksspital, Schulen etc. wurden errichtet; 1908 wurde der Markt Eisenerz erstmals mit elektrischem Licht beleuchtet.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrach die Entwicklung, nach dem Zusammenbruch der Monarchie folgten wirtschaftlich schwierige Zeiten.
(1919 befand sich die "Österreiche Alpine Montangesellschaft" in Auslandsbesitz, 1921 kam sie zur Stinnes-Gruppe und 1926 gingen ca. 56% der Aktien an die "Vereinigte Stahlwerke AG" mit Sitz in Düsseldorf. 1938 wurde sie als wichtiger Teil für die Kriegsindustrie in die "Reichswerke Hermann Göring" integriert.)
Aufrüstung und Krieg führten zu einer vorübergehenden neuen Blüte des Eisenwesens; Eisenerz entwickelte sich zu einem Industrieort – neue Arbeiter wurden angestellt (später auch Zwangsarbeiter eingesetzt).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von der russischen Besatzung viele Einrichtungen und Maschinen (als "deutsches Eigentum") beschlagnahmt und großteils demontiert. Trotzdem gelang es, die steirische Eisenindustrie wieder in die Höhe zu bringen. Eisenerz blieb wichtiges Zentrum der Eisenwirtschaft und bekam 1948 das Stadtrecht verliehen.

Ab den 1950er Jahren begann sich der Fremdenverkehr (Leopoldsteinersee, Ramsau, Präbichl) zu entwickeln; es folgten Jahrzehnte des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Durch technische Neuerungen im Abbaubereich, aber auch durch die weltweite Krise in der Eisen- und Stahlindustrie in den 1980er-Jahren schrumpfte die Bevölkerung im Verlauf eines halben Jahrhunderts auf weniger als die Hälfte. (Die Stadt zählt wie viele andere zu den europäischen "shrinking cities".)

Heute haben sich zahlreiche Klein- bis Mittelbetriebe in Eisenerz angesiedelt, die wie auch der Tourismus – mit vielen Veranstaltungen rund um den Erzberg – die Region beleben. Seit etlichen Jahren bildet das "Nordische Ausbildungszentrum Eisenerz" Spitzenportler im den nordischen Bereich aus.

2007 schlossen sich die Gemeinden Vordernberg, Eisenerz und Radmer zu einem gemeinsamen Tourismusverband unter dem Namen "Erlebnisregion Erzberg" zusammen.


Sehenswert in der Stadt und der Gemeinde sind u.a.

  • Gotische Pfarrkirche (15.-16. Jahrhundert) St. Oswald als größte Kirchenburg (Befestigungen 1532-34) der Steiermark mit markanter Westempore (1513-17), 1890-99 regotisiert
  • Marktkirche, 1435 erbaut, barockisiert, Renaissanceschichtturm von 1581 mit Glocke
  • Stadtmuseum im Kammerhof (Darstellung der Entwicklung des Erzbergbaus)
  • Schwarzer Hof: eines der letzten, annähernd original erhaltenen, mittelalterlichen Radmeisterhäuser der Steiermark

  • Erzbergbahn: Museumsbahn, die von Vordernberg über den Präbichl bis zur Station Erzberg führt
  • Schlösser Geyeregg (1621-22)
  • Schloss Leopoldstein (1680 erbaut, 1890-94 erneuert): beherbert heute Jugendsporthaus des Landes Steiermark
  • Frauenmauerhöhle (nordöstlich von Eisenerz): Tropfsteinhöhle mit sehenswerten Steingebilden und einer Eiskammer; 644 m Länge
  • Leopoldsteiner See (4 km nördlich von Eisenerz): Der Bergsee liegt auf etwa 600 Meter Seehöhe;1400 m lang und 370 m breit, tiefste Stelle 31 m
  • Wassermannsloch oder "Schwarze Lacke": zwischen Hieflau und Eisenerz gelegen, ist die bedeutendste Karstquelle im Südwesten des Hochschwabmassivs; zentraler Schauplatz der Wassermannsage (Hier soll der Sage nach ein Wassermann gefangen worden sein. Um seine Freilassung zu erkaufen, bot er seinen Fängern "Gold für zehn Jahr, Silber für 100 Jahr oder Eisen auf immerdar": Da sich die Menschen für das Eisen entschieden zeigte er ihnen ein Eisenerzvorkommen, den nur wenige Kilometer entfernten Erzberg.)


Der Präbichl ist im Sommer idealer Ausgangspunkt für sportliche Aktivitäten wie wandern, klettern, paragleiten und biken, aber auch die höchst gelegene Tauchbasis in Österreich, das "Alpenaquarium Grüblsee". Im Winter bietet die Skiarena Präbichl 20 Kilometer beste Abfahrten bei größter Schneesicherheit.

Weiterführendes#

Literatur#

  • O. Rainer, Eine Stadt und ihr Berg, 1984
  • M.Moser, Die Krise des Erzbergbaus. Das Beispiel Eisenerz (Diplomarbeit, 2011)