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Erzberg#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

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Erzberg mit Schnee
Erzberg im Winter
© Fritz Bayerl

Entstehung des Erzbergs#

Vor etwa 450 Mill. Jahren (Ordovizium) begann in einem weit ausgedehnten Meeresbecken eine Zeit großer geologischer Unruhe. Es kam zu vulkanischer Tätigkeit, wodurch sich eine ca. 1000 m starke Lavaschicht bildete (Porphyroid). Während langer geologischer Ruhe wurden die Meeresbecken durch kalkige Ablagerungen aufgefüllt. Vor etwa 350 - 400 Mill. Jahren erfolgte eine neuerliche vulkanische Tätigkeit und vermutlich dadurch die Eisenspatvererzung. Die nachfolgenden Gebirgsbildungsphasen und Temperaturerhöhungen führten dazu, dass Siderit, Ankerit und Kalk miteinander reagierten und die vielfältigen Vererzungsbilder hervorbrachten.

Die Wassermannsage#

Vor langer Zeit wohnte in einer Felsengrotte beim Leopoldsteinersee ein Wassermann. Die Menschen waren überzeugt, dass dieses seltsame Wesen unermessliche Reichtümer besaß. Deshalb beschlossen sie, es zu fangen. Da der Wassermann jedoch glitschig wie ein Fisch war, entkam er ihnen immer wieder. Nur eine List konnte den Menschen helfen. Sie brachten Wein, einen Braten und Kleider, die sie innen mit Pech bestrichen hatten. Dann warteten sie gespannt. Neugierig, wie der Wassermann war, stieg er aus seiner Grotte, aß, trank den Wein und zog die Kleider an. Dann tanzte er, bis er vor Müdigkeit in den Schlaf sank. Auf diesen Augenblick hatten die Leute gewartet. Sie packten den Wassermann und zerrten ihn mit sich fort. Als sie an die Stelle kamen, wo der Erzberg zum ersten Mal zu sehen ist, weigerte sich der Wassermann weiterzugehen. Er tobte und klagte. Letztendlich entschied er sich, den Menschen für seine Freilassung einen Schatz anzubieten. Er stellte die Menschen vor die Wahl, Gold für zehn Jahre, Silber für hundert Jahre oder Eisen für immerdar zu besitzen. Nachdem sich die Leute für das Eisen entschieden hatten, zeigte der Wassermann auf den Berg, der heute als Erzberg weithin bekannt ist. Nun hielten auch die Menschen ihr Wort und ließen das seltsame Geschöpf frei. Es verlor keine Zeit und beeilte sich, so schnell wie möglich wieder in die dunklen Fluten der tiefen Quelle hinabzutauchen.

Bergbau seit einem Jahrtausend#

Seit über 1000 Jahren wird auf dem Steirischen Erzberg Eisenerz abgebaut. Bis 1986 gab es parallel zum Tagbau auch einen Untertagbau. Der Grubenbau war aus klimatischen Gründen nötig (strenge, schneereiche Winter), mit dem Abbau unter Tag konnte man aber auch Lagerstätten erreichen, die im Tagbau nicht zugänglich waren. Zuletzt stammten etwa 17 Prozent der gesamten Erzgewinnung aus dem Untertagabbau. Insgesamt gab es fünf Gruben am Erzberg. In einem kleinen Teil der letzten Grube "Etage I" wurde in ein Schaubergwerk errichtet, das über einen 1800 m langen Stollen erreicht wird.

Sowohl im Grubenbetrieb wie auch heute noch im Tagbau wird am Erzberg der Spateisenstein (Siderit FeCo3) mit 32% Eisen-Gehalt in vorwiegend basischer Gangart abgebaut. Jahrhunderte lang - von 1564 bis 1810 - wurde das Erz in Säcken auf handgezogenen Wägelchen ("Sackzug") abgefördert, bis die Gleisförderung eingeführt wurde. Im Jahre 1820 legte Joseph Fortunat Sybold am Steirischen Erzberg eine der ersten Eisenbahnen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie an. Von der ehemaligen Erzbergbahn gibt es nur mehr traurige Reste - so den Kopfbahnhof am Südwesthang des Erzberges.

In der Zwischenkriegszeit gab es am Erzberg insgesamt 240 km Gleisstrecke - davon 40 km unter Tag (Spurweite 900 mm). Heute erfolgt eine vollkommen gleislose Förderung. In Betrieb ist derzeit nur noch die Strecke in das Schaubergwerk, in welches die Besucher mit dem ehemaligen Mannschaftszug "Katl" mit je einer 100 PS-Gleichstromlok vorne und hinten und 4 Waggons mit 90 Sitzplätzen ein- und ausfahren.

Tagbau#

Der Abbau am Erzberg erfolgt durch Sprengung des Gesteins. Um 1720 wurde am Erzberg erstmals mit Pulver gesprengt. 1870 erfolgte die erste Sprengung mit Dynamit. Im Tagbau wird seit 1978 eine Emulsion (Slurry) eingesetzt. Der Sprengstoffverbrauch für eine Tonne Haufwerk beträgt ca. 100-120 g.

Nach Sprengung an den "Etagen" (den Terrassen des Erzbergs) wird das eisenhältige Gestein mit Lastwagen abtransportiert. Etwa 2/3 der Erzerzeugung kommt als "Fertigerz" von der Etage und muss nur noch zerkleinert werden. Das geschieht in der Großbrechanlage III. Der Rest, etwa 1/3, ist das Anreicherungskonzentrat, das nach dem Zerkleinern noch in die Schwereflüssigkeits-Aufbereitungsanlage gelangt. Dieses Anreicherungskonzentrat oder "Zwischengut" wird im Großbrecher II auf 100 mm vorgebrochen. Der Großkreiselbrecher hat eine Durchsatzleistung von 400 - 800 Tonnen je Stunde und wird von einem 258 PS starken Elektromotor angetrieben.

Untertagbau#

Bis zur Einführung der Sprengarbeit um 1720 waren für die Gewinnung des Erzes SCHLÄGEL und EISEN (das Emblem des Bergmannstandes) die wichtigsten Vortriebs- und Gewinnungswerkzeuge. Die traditionelle Arbeitskleidung des Bergmanns bestand aus "Kittl" und "Arschleder".

Die ältesten Geräte zur Wegfüllarbeit waren "Fülltrog und Kratze", die im Grubenbetrieb bis weit in das 20. Jahrhundert hinein in Verwendung standen. Der Fülltrog hatte ein Fassungsvermögen von ca. 30 kg Zum Abbau wurde des eisenhältigen Gesteins die Schwerkraft ausgenützt: Nach dem Sprengen rutschte der gesamte Verhau auf schiefen Ebenen von der "Kopfstrecke auf die "Fußstrecke" und konnte von dort zum nächsten Schacht gebracht werden.

Der gleisgebundene Abtransport erfolgte zuletzt mit Hilfe von 3 Zugsgarnituren bestehend aus je einer Drehstromlok mit 320 PS und acht Kastenselbstkippern (Kaseki, Füllvermügen 12 Kubikmeter). Die Förderstollen haben einen Durchmesser von 16 qm.

Zum späteren gleislosen Abbau mit Hilfe von mit Pressluft- und mit Dieselmotoren getriebenen Geräten und Fahrzeugen wurde untertag eine "Serpentinenstraße", die sogenannte "Wendl" angelegt. Die Wendl ist eine Strecke, welche die einzelnen Abbau-Horizonte von der Etage I spiralförmig miteinander verbindet. In einer Steigung von durchschnittlich 10% führt diese Straße bis in den Obertag hinaus.

Ein Grubenfahrlader (Scooptram) , der über die Wendl eingefahren ist, hatte 20 t Eigengewicht und einen Schaufelinhalt von 3,8 m3. Er wurde von einem 174 PS/8 Zylinder Dieselmotor mit eigener Abgaswaschanlage angetrieben.

Erzberg mit Pfaffenstein
Erzberg mit Pfaffenstein
Foto: P. Diem
Erzberg-Farben
Prächtige Farben am Erzberg
Foto: P. Diem
Erzberg
Riesige Lastautos
Foto: P. Diem
Erzberg Transporter
Erzberg Hauly
Foto: P. Diem
Erzberg mit dem Augen des Adlers
Terassen am Erzberg
©: A. Havlicek

Weiterführendes#


Redaktion: P. Diem 2. September 2011