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Ströhberne Bruck'n (Essay)#

Text und Bilder von

Hasso Hohmann

Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von

ISG Magazin Heft 1 / 2000 (Internationales Städteforum Graz)


Das Dach ist über die gesamte Länge der Brücke in der Firstzone eingefallen; eine Notabdeckung für die Bestandsicherung bis zur eigentlichen Sanierung sollte kein Problem sein., © Hasso Hohmann
Das Dach ist über die gesamte Länge der Brücke in der Firstzone eingefallen; eine Notabdeckung für die Bestandsicherung bis zur eigentlichen Sanierung sollte kein Problem sein.
© Hasso Hohmann

In Edelschrott auf der steirischen Seite der Pack, etwas abseits der alten Bundesstrasse an der Einmündung des Guggibachl's in den Hierzmannsee, steht die Ströhberne Bruck'n. Sie war früher die Verbindung zur Herzogberg-Gemeindestrasse über den Teigitschbach. An dieser Stelle stand schon seit über 300 Jahren eine strohgedeckte Brücke. Schon der steirische Barock-Kartograph G.M. Fischer verzeichnete die Brücke über die Teigitsch in seiner Steiermarkkarte und nannte sie die „Ströhebruck".

Die Jahreszahl '1816' an der Innenseite von zwei Balken der ursprünglichen Abhängung belegt das Alter der heutigen Konstruktion., © Hasso Hohmann
Die Jahreszahl "1816" an der Innenseite von zwei Balken der ursprünglichen Abhängung belegt das Alter der heutigen Konstruktion.
© Hasso Hohmann

Die heutige Ströhberne Bruck'n ist eine Holzbrücke mit Überdachung und einem Alter von fast 200 Jahren. Sie ist ausserdem wohl die einzige strohgedeckte Brücke in der Steiermark. Zwei der originalen Lärchenholzbalken tragen auf der Seite zur Fahrbahn die Jahreszahl 1816. Ursprünglich war die Brücke 14 m lang und von der Konstruktion her ein einfaches Sprengwerk mit einer Hängekonstruktion zur Unterstützung der Fahrbahn in den Drittelpunkten. Um 1950, als der Teigitschbach zum Hierzmannsee aufgestaut wurde, musste auch die Brücke verlegt werden. Dabei verkürzte man die Brücke um 2,50 m auf 11,50 m. Weiters verstärkte man die alte Konstruktion durch ein untergestelltes zweites Sprengwerk, so dass sich ihre Tragfähigkeit von 3 t auf 6 t erhöhte. Ausserdem wurde die Brücke nun über den Guggibach gespannt. Später war sie dem motorisierten Verkehr nicht mehr gewachsen; insbesondere für moderne Landmaschinen war die Dachkonstruktion zu niedrig. Eine neue Brücke unmittelbar daneben dient nun für die Zufahrt zu einem Bauernhof und zu einer Feriensiedlung.

Leider ist die alte Brücke heute in einem sehr traurigem Zustand. Sie wird optisch durch die neue Brücke beeinträchtigt, weil sie niedriger liegt als die neue dahinter. Das Strohdach ist an vielen Stellen eingefallen. Damit fehlt der Witterungsschutz für die hölzerne Konstruktion. Vermorschung der tragenden Hölzer ist die Folge. Eine Sanierung ist dringend nötig, will man die interessante Brücke als Original erhalten. Als erste Massnahme wäre zumindest ein provisorisches Dach notwendig. Der Gemeinde sind aber die aufzubringenden Mittel zu hoch, obwohl der Revitalisie-rungsfonds des Landes Steiermark und auch das Bundesdenkmalamt bereits namhafte Beträge zugesagt haben.

Die Ströhberne Bruckn vom See aus gesehen; man sieht gut auch das untere hölzerne Sprengwerk., © Hasso Hohmann
Die Ströhberne Bruckn vom See aus gesehen; man sieht gut auch das untere hölzerne Sprengwerk.
© Hasso Hohmann
Die Brücke längs gesehen., © Hasso Hohmann
Die Brücke längs gesehen.
© Hasso Hohmann