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Bis 28. Mai 2012
Museum für Völkerkunde

Wald - Baum - Mensch#

Der heilige Stall (Shinkyusha) mit dem heiligen Baum (Schirmtanne) im Ieyasu-Tempel, Japan, Nikko, um 1890 © KHM mit MVK und ÖTM

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2011 zum „Internationalen Jahr des Waldes“ erklärt. Für das Museum für Völkerkunde ein passender Anlass, seine Depots zu öffnen und aus mehr als 600 Objekte für eine repräsentative Schau auszuwählen. Auf 900 m² haben die Kuratoren Gerard van Bussel und Axel Steinmann eine überwältigende Fülle von Exponaten zusammengestellt. Zu den Highlights zählen die Ahnenfiguren der Asmat, ein Tempeltor aus Myanmar, eine ägyptische Ölpresse, eine Schlitztrommel aus Neuguinea, Frauengewänder der Maya mit bestickten Lebensbaummotiven, Bilder Heiliger Bäume, monumentale Gemälde österreichischer Jagdszenerien und Darstellungen mongolischer Waldgeister.

Das Konzept sieht eine Dreiteilung in die Themen "Der phantastische Wald“, „Der entzauberte Wald“ und „Der geschundene Wald“ vor. Die Ausstellung beleuchtet aus kulturanthropologischer Sicht das Beziehungsgeflecht zwischen Menschen, Bäumen und Wäldern über die Zeiten und Kulturen hinweg. Einseits sicherte der Wald die Lebensgrundlagen, andererseits war er aber auch ein geheimnisvolles und gefährliches Gebiet.

Fensterflügel aus Holz der Himalaya-Zeder, Ostafghanistan, um 1930 © KHM mit MVK und ÖTM

Landwirtschaft und Waldnutzung waren eng verknüpft: Der Wald lieferte nicht nur Brennstoff und Baumaterial Siedlungen und Schiffsbau, praktisch alle Gebrauchsgegenstände konnten aus Holz gefertigt werden. Der Wald diente als Weidefläche und lieferte den Sammlern Nahrung. Viele Berufe lebten direkt oder indirekt vom Wald: Köhler versorgten Salinen, Bergwerke, Eisen- und Glashütten mit Holzkohle. Den Holzbedarf waldarmer Gebiete an den Rändern Europas deckten seit dem Mittelalter auf dem Wasserweg Trift und Flößerei. Neben Holz und Rinde liefern Bäume unentbehrliche Produkte wie Honig, Ahornzucker, Kakao, Palmwein, Kautschuk, Kokosnüsse sowie pflanzliche Heilmittel. Hingegen nützen die Adeligen den Wald als Revier ihres Privilegs, der Jagd. Die Bedeutung des Waldes als notwendiger Rückzugsort für den Menschen spiegelt sich in der Anlage von Parks und Gärten wider. Als Vorgeschmack des Paradieses waren Gartenidyllen ein beliebtes Thema auf Darstellungen in der indischen Moghul-Zeit ebenso wie in der christlichen Kunst.

Krishna und Radha,Indien, 19. Jh. © KHM mit MVK und ÖTM
Bekanntlich nimmt die globale Waldfläche dramatisch ab, worunter auch die Artenvielfalt leidet. Doch ist dies kein modernes Phänomen: Vermutlich entzogen sich die Nasca-Indianer in der Wüste Perus im 7./8. Jahrhundert durch unkontrollierte Rodung und folgende Bodenerosion selbst ihre Lebensgrundlage. Gleiches geschah später durch die massive Abholzung der Palmbaumwälder durch die Bewohner der Osterinsel. 2010 konnte der Abbau riesiger Bauxit-Vorkommen zur Aluminiumerzeugung im ostindischen Bundesstaat Orissa zumindest gestoppt werden. "Eine langfristige Erhaltung der Wälder wird wohl nur gelingen, wenn die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse dieser und kommender Generationen in Einklang gebracht werden. Das Abenteuer der Menschen nimmt mit den Wäldern seinen Anfang und findet wohl ohne sie auch sein Ende," heißt es im Text zur Ausstellung. Dazu ist ein informativer, reich bebilderter Katalog erschienen. .