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Kirchliche Heraldik #

von Peter Diem

An die Stelle von Helm und Helmzier treten in der Heraldik der katholischen Kirche der breitkrempige Pilgerhut, der Hirtenstab ("Pedum" - oft auch mit daran befestigtem Schweißtuch) und das Vortragekreuz. Nur dem Papst steht eine Krone zu, die auch "Triregnum" genannte Tiara.

Der Rang des Wappeninhabers innerhalb der kirchlichen Hierarchie wird durch Farbe und Zahl der aus dem Pilgerhut fallenden Quasten ("fiocchi") ausgedrückt (ein Brauch wohl nicht ganz im Sinne der Ausführungen Jesu über "auffällig breite Gebetsriemen und besonders lange Quasten" - vgl. Matthäus 23,5).

Kardinal: roter Pilgerhut, 30 rote Quasten

Patriarch: grüner Pilgerhut, 30 grüne Quasten

Erzbischof: grüner Pilgerhut, 20 grüne Quasten

Bischof: grüner Pilgerhut, 12 grüne Quasten

Pfarrer: schwarzer Pilgerhut, 2 schwarze Quasten.
Bild '30_Quasten'

Kardinalswappen

Die Symbole des Vatikans#

In der Heraldik ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass "Metall" nicht an "Metall" stoßen darf. Dennoch vereinigen sich Gold und Silber zur der einzigen privilegierten Farbkombination zweier Metalle, nämlich zu den Farben des Papstes bzw. des Vatikans. 

Bild 'vatican_200'
Die Geschichte der Farben der katholischen Kirche ist die Geschichte der Farben des Vatikans und des seit den Lateranverträgen 1929 souveränen Vatikanstaates. Pius VII.(1742-1823) tauschte 1808 das bis dahin gebräuchliche Rot gegen die imperialen Ursymbole Gold/Silber (= Gelb/Weiß) aus. Das päpstliche Wappenzeigt die unter der Tiara gekreuzten Schlüssel Petri durch eine rote Kordel verbunden.

Seit dem 13. Jahrhundert gelten die beiden Schlüssel als Symbole des Papsttums - sie stehen für die Binde- und Lösegewalt des Papstes gemäß Matthäus 16, 17-19. Seit dem 15. Jahrhundert wird der eine Schlüssel in Silber, der andere in Gold dargestellt. Die Schlüssel Petri galten als Gegenstück zum kaiserlichen Reichsadler - unter diesen Machtsymbolen wurde ja bis in die Neuzeit um den geistlich-weltlichen Supremat gerungen.

Anmerkung: Die päpstlichen Symbole in ihrer traditionellen Form sind keineswegs urchristliche Sinnbilder für Brüderlichkeit, sondern ausgesprochene Machtsymbole, die natürlich theologisch aus der Funktion des Papstes als Stellvertreter Gottes auf Erden abgeleitet werden können: Die Tiara ist seit der Bulle „Unam Sanctam" (1302) Sinnbild beider „Gewalten" (beider „Schwerter") und damit ein doppeltes Herrschaftssymbol; die „Sonnenfarbe" Gold ist die imperiale Farbe schlechthin. Beides hat die Reformbestrebungen des Zweiten Vatikanums, das ja auf eine brüderlichere Ausrichtung der Kirche abzielte, überlebt. Durch die zahlreichen Besuche und Flugreisen Johannes Pauls II. ist das vatikanische Wappen und sein eigenes (in Blau ein goldenes „M" für Maria) weltweit bekannt gemacht worden.

Päpstliche Wappen#

Wappen Johannes Paul II.
Wappen Johannes Paul II.
Wappen Benedikt XVI.
Wappen Benedikt XVI.
Unter einer traditionellen Tiara enthielt das Wappen des verstorbenen polnischen Papstes Johannes Paul II. einen einfachen Schild mit abstrakter Mariensymbolik (in Blau eingoldenes Kreuz, links unten der Buchstabe "M" für "Maria").

Dagegen steht über dem Wappen von Benedikt XVI. eine Mitra, die nur mehr andeutungsweise auf die Jahrhunderte lang verwendete Tiara hinweist. Eine genaue Beschreibung der drei Symbole Muschel, Mohrenkopf und "beladener Bär" findet sich hier.





Die "Wappenbesserung" von Kardinal Bergolio#


Das Kardinalswappen
Das Kardinalswappen

Jorge Mario Bergoglio, der am 13. März 2013 gewählte Papst , verfügt über kein historisches Wappen, das seiner Familie verliehen wurde. Sein Wappen entstand als Neuschöpfung mit seiner Erhebung zum Bischof. Es zeigt auf blauem Schild zentral das Siegel des Jesuitenordens, dem Papst Franziskus angehört: in einem goldenen, die Sonne darstellenden Strahlenkranz ein rotes Christusmonogramm IHS mit dem Kreuz über dem H.

Das Nomen sacrum IHS leitet sich von der Transkription der ersten beiden und des letzten Buchstaben des Griechischen Namens Jesu, Iota-Eta-Sigma-Omikron-Ypsilon-Sigma oder ΙΗΣΟΥΣ, also JESUS, ab. Das I ist das griechische Iota, das H das Eta und das S das Sigma. Bei den Jesuiten wird das Symbol als Kurzform von Iesum Habemus Socium („Wir haben Jesus als Gefährten“) gedeutet. Unter dem Monogramm drei schwarze Nägel, die auf die Kreuzigung Jesu Christi hinweisen. Diese Nägel stehen für die allen Orden gemeinsamen Gelübde der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit. Die Jesuiten haben noch ein viertes Gelübde, das sie ausdrücklich zur Papsttreue verpflichtet.

Die Herkunft des silbernen fünfzackigen Sterns und der silbernen Weintraube im unteren Teil ist nicht bekannt. Sie sind weder dem Stadtwappen von Buenos Aires (dem ehemaligen Bistum von Bergoglio) entlehnt, das zwei vor Anker liegende Segelschiffe unter einer von einer weißen Taube belegten Sonne zeigt, noch den Wappen der Provinz Buenos Aires oder des Staates Argentinien, die in ihrer Symbolik auf die Französische Revolution hinweisen.

Der Stern ist im Gegensatz zu Sonne und Mond ein brüderliches Symbol, legt nach Ansicht kirchlicher Heraldiker aber auch eine marianische Symbolik nahe. Der silberne fünfzackige Stern entspricht dem silbernen Freiheitsstern, unter dem die USA zusammen mit dem roten Sowjetstern das Hakenkreuz und die rote Sonne Japans niederrangen.

Das Papstwappen
Das Papstwappen
Papst Franziskus behält als erster Papst auch den Wappenspruch seines Bischofs- und seit 2003 Kardinalswappens bei. Der Wappenspruch lautet Miserando atque eligendo (Aus Erbarmen erwählt). Die Stelle ist einer Predigt von Beda Venerabilis (672-735) entnommen. Die Gesamtstelle lautet: Vidit ergo Iesus publicanum, et quia miserando atque eligendo vidit, ait illi, Sequere me. Sequere autem dixit imitare. Sequere dixit non tam incessu pedum, quam executione morum.

Wie das Presseamt des Heiligen Stuhls am 18. März 2013 bekanntgab, wird das modifizierte Bischofs- und Kardinalswappen mit den päpstlichen Insignien ergänzt, wie sie Papst Benedikt XVI. in seinem Wappen führte. Die Schlüssel des Petrus, aber keine Tiara, sondern eine silberne Bischofsmitra mit goldenen Querstreifen, welche in stilisierter Form an die drei Kronen der Tiara und damit an die drei Gewalten des Papstes erinnern. Es gibt aber höchst interessante Unterschiede.

Der untere Teil des päpstlichen Wappens zeigt nicht einen fünfzackigen silbernen, sondern einen achtstrahligen goldenen Stern. Er wird als Symbol der Jungfrau Maria interpretiert. An die Stelle der silbernen Weintraube tritt eine goldene Nardenblüte. Die duftende Nardenblüte symbolisiert den heiligen Josef, den Patron der Weltkirche. In der traditionellen hispanischen Ikonographie wird der heilige Joseph mit einer Nardenblüte in der Hand dargestellt. Die beiden Symbole drücken die besondere Verehrung des Heiligen Vaters für die Gottesmutter und den heiligen Josef aus. Die "erdnahe" klare und kräftige Schrift der Kardinals-Devise musste einer dünneren, leicht verschlungenen Schrift im Papstwappen weichen.

--> Unter Hinweis auf angebliche „Irritationen“ in der Kirche haben die vatikanischen Heraldiker nicht nur das für ein päpstliches Wappen angemessene Gold an die Stelle des Silbers gesetzt, sondern auch Stern, Frucht und Schrift „entproletarisiert“, „feudalisiert“ und „sakralisiert“. So sollen die acht Strahlen des goldenen Sternes nicht nur die Jungfrau Maria, sondern auch die "acht Haupttugenden" symbolisieren (im Katechismus gibt es aber nur deren sieben). Mit solchen Praktiken sollte offenbar der Kardinal "vom anderen Ende der Welt" "domestiziert werden und es sollte einer möglichen auch nur symbolischen Nähe des argentinischen Papstes zur „Befreiungstheologie“ entgegengewirkt werden.