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Die Symbole Tirols#

Landespatron(e) und Landesfeiertag(e)#

von Peter Diem

Der Ausdruck „heiliges Land Tirol" findet sich in der Literatur schon vor der Abfassung des Andreas-Hofer-Liedes (1832), wurde aber vor allem durch seine Aufnahme in die zweite Strophe der heutigen Tiroler Landeshymne, die sich bald nach ihrer Abfassung als Volkslied verbreitet hatte, populär. Wenn auch der christliche Volksglaube in Tirol seit langem tief verwurzelt war, so scheint es doch, dass die Verehrung eines einzigen, alle anderen Heiligengestalten dominierenden Schutzheiligen dem Glaubensverständnis der Tiroler nicht entsprach. Dem Tiroler Jungbürgerbuch (Seite 306) ist zu entnehmen, dass ursprünglich der hl. Georg Schutzpatron Tirols war. Jedenfalls ist noch die Kapelle im alten Tiroler Landhaus (erbaut 1724/28) dem hl. Georg geweiht, während wenige Jahrzehnte später der habsburgische Hauspatron, der hl. Josef, von Maria Theresia am 11. Jänner 1772 zum Landespatron auch von Tirol (neben Steiermark und Kärnten) dekretiert wurde.

Die so forcierte Verehrung des hl. Josef sollte offenbar dessen Schutz für das Erzhaus verstärkt bewirken. Der 19. März ist als Patronatsfest des hl. Josef ein kirchlicher Feiertag.

Bekanntheit des Tiroler Landespatrons (1993)

.........hl. Josef....andere.....weiß nicht
bis 29.......34 .......48 .......17
bis 49.......69 .......15....... 15
ab 50........74.........7....... 19
Total ........59........24.......17
Mit dem Alter steigend hatte der hl. Josef in Tirol damals eine außergewöhnlich hohe Bekanntheit.
Quelle: Integral-Telephonumfrage Jänner 1993, n = 82

1796 hat ein Ausschuss der Tiroler Landstände angesichts der französischen Einfälle bei einer Session in Bozen das Land unter den Schutz des heiligsten Herzens Jesu gestellt, welches Gelübde auch Andreas Hofer vor einer Berg-Isel-Schlacht erneuert hat. Noch heutigentags wird das Herz-Jesu-Fest am zweiten Sonntag nach dem Fronleichnamsfest in Tirol besonders feierlich begangen.

Anlässlich der 150-Jahr-Feier der Tiroler Freiheitskämpfe beschloss der Tiroler Landtag am 11. September 1957 aufgrund eines ellenlangen, alle patriotischen Register ziehenden Berichtes einstimmig und ohne jede Debatte die Errichtung einer „Landesgedächtnisstiftung zur Erinnerung an die Erhebung von 1809" (LGVB1. 43/1957). Die Stiftung bezweckte die Errichtung und Erhaltung einer Kapelle zu Ehren „Unserer Hohen Frau von Tirol" sowie einer Gedächtnisstätte, in welcher dem „Tiroler Ehrenbuch" ein in Beziehung zur Landesgeschichte stehender, allgemein zugänglicher Ehrenplatz geschaffen werden sollte. Daneben wurde ein Jugendhilfswerk zur Vergabe von Begabtenstipendien eingerichtet. Die Ehrenstätte bzw. Kapelle befindet sich auf dem Berg Isel. Schließlich sollte nach dem Willen des Landtages der „Hohe Frauentag" (15. August) fortan als „Gedächtnistag dieser Landesstiftung" im ganzen Land begangen werden.

Bild 'Notburga'
Neben den beschriebenen „offiziellen" bzw. „inoffiziellen" „Landesheiligen" sollen noch zwei bekannte, offenbar im Volksglauben tief verwurzelte, weil einheimische, Heiligengestalten Erwähnung finden. Die "hl." Notburga lebte nach einer Überlieferung im Rattenberg des 9. oder 10. Jahrhunderts. Der Tiroler Polyhistor, Hygieniker und Arzt Hippolyt Guarinoni versetzte ihre Geburt allerdings in das Jahr 1265. Sie soll 1313 in Eben/Tirol gestorben sein.

Notburga war zunächst Bediente des Landeshofmeisters Heinrich von Rottenburg, mit dessen Frau sie sich wegen ihrer Mildtätigkeit überwarf. Als sie wieder einmal Wein und Brot an die Armen verschenkte und dabei vom Schlossherrn ertappt wurde, soll sich der Wein in Lauge und das Brot in Hobelspäne verwandelt haben, was als willkommener Entlassungsgrund diente. Darauf brach ein Unglück nach dem anderen über den Besitz herein. Die Schlossherrin starb. Nach der Legende musste ihr Geist als Schwein weiterleben, da sie zu Lebzeiten die Speisereste den Schweinen eher vergönnt hatte als den Armen.

Und noch eine zweite - bekanntere - Legende rankt sich um diese Volksheilige: Notburga ging als Magd zu einem Bauern in Eben in der Nähe des Achensees. Sie hatte sich ausbedungen, nach dem Aveläuten nicht mehr arbeiten zu müssen, um ins Rupertikirchlein zum Gebet gehen zu können. Die Bitte wurde gewährt. Als der Bauer einmal aber dennoch verlangte, dass Notburga nach Feierabend noch den Weizen fertigschneide, erwiderte sie, dies möge Gott entscheiden. Sie warf darauf ihre Sichel in die Luft, und siehe da: Die Sichel blieb an einem Sonnenstrahl am Himmel hängen, und alle staunten und eilten zum Beten. Dieses Sichelwunder ist in der Pfarrkirche von Eben bildlich dargestellt. Notburga wurde nie formell heiliggesprochen, ihre Verehrung im Volke wurde aber 1862 von der kirchlichen Ritenkongregation anerkannt. Sie gilt als Patronin der Dienstboten und der Armen. Wie der spanische Heilige Isidor, ebenfalls ein Landarbeiter, ist sie eine Heilige ganz nach dem Herzen des Landvolks, in Tiroler Tracht und mit bäuerlichen Gebrauchsgegenständen dargestellt. Ihre Attribute sind eine schwebende Sichel, eine Getreidegarbe und eine Trinkflasche mit Schraubverschluss. Ihr Fest ist der 14. September. Notburgas Gebeine ruhen in einem Glasschrein auf dem Hauptaltar der neuen Pfarrkirche von Eben, die zum beliebten Wallfahrtsziel wurde. Die Verehrung Notburgas reicht über Tirol hinaus in den gesamten Ostalpenraum bis nach Slowenien.

Sowohl in Nord- als auch in Südtirol lebt auch der heilige Romedius in der Erinnerung des gläubigen Volkes weiter. Nach der Legende soll er ein Zeitgenosse des hl. Vigilius gewesen sein, muss also im 4. Jahrhundert gelebt haben. Er soll aus gräflichem Geblüt aus der Burg Thaur bei Innsbruck stammen. Dort gibt es bei den Burgruinen heute noch ein „Romedikirchlein". Romedius entschloss sich, begleitet von zwei seiner Gefährten, nach Rom zu pilgern, nachdem er all seinen Besitz verschenkt hatte. Von dort zurückgekehrt, zog er mit seinen Freunden David und Abraham auf den Nonsberg im Trentino, wo er als Einsiedlerviele Jahre ein heiligmäßiges Leben führte. Die Einsiedelei, das „Santuario San Romedio", liegt in einer schluchtartigen Landschaft. Aus mehreren  übereinander geschichteten Kapellen bestehend, ist das Bauwerk bis auf den heutigen Tag ein Wallfahrtsort. Als Romedius im hohen Alter noch einmal den Bischof von Trient, Sankt Vigilius, besuchen wollte, und ein Bär seinen Maulesel gefressen hatte, veranlaßte der Heilige den Bären, ihm auf dem Rest seiner Reise als Reittier zu dienen. Das Fest des heiligen Romedius wird am 15. Jänner gefeiert, sein Attribut ist, wie könnte es anders sein, der Bär.

Neuste Entwicklung: Heiliger Georg als zweiter Landespatron

Am 21. April 2006 hat das Land Tirol mit dem heiligen Georg einen zweiten offiziellen Landespatron erhalten. Nach dem 19. März wird Tirol somit am 23. April einen zweiten Landesfeiertag begehen. Der heilige Georg wurde bereits mehrere Jahrhunderte lang als Beschützer des Landes verehrt. Wie oben bereits erwähnt, gibt es im Landhaus eine Georgskapelle, und der Bereich des Alten Landhauses in Innsbruck wurde Georgentor genannt.

Im Rahmen einer Proklamationsfeier wurde in der Pfarrkirche Mariahilf von Landtagspräsident Helmut Mader (ÖVP) und Landeshauptmann Herwig van Staa (ÖVP) der heilige Georg zum 2. Landespatron von Tirol ausgerufen.     Mit dieser Proklamation solle ein Fehler des Absolutismus behoben werden, erklärte Mader in seiner Ansprache bei dem Festakt. Der heilige Georg sowie die Geschichte des Landes sollen mit diesem Akt gewürdigt werden. Nach dem 19. März wird Tirol somit am 23. April einen zweiten Landesfeiertag begehen. Die Landesbediensteten müssen allerdings an beiden Tagen arbeiten. Bis vor etwa zehn Jahren blieben Tiroler Landesbetriebe und Schulen am 19. März geschlossen. 

Sonstige Symbole Tirols

Bild 'Tirol_Wappen'
Die Integral-Umfrage „Symbole für Österreich" (1993, n= 1.000) ergab, dass die heraldischen Landessymbole (Tiroler Adler, Wappen und Flagge Tirols) mit insgesamt 37 Prozent Nennungen deutlich über dem Bundesdurchschnitt (19 Prozent) und auch über dem Wert des steirischen Panthers und seiner Wappenfarben (26 Prozent) liegen. Dazu tritt noch eine sehr hohe Identifikation mit den Tiroler Bergen (43 Prozent) und der sonstigen Landschaft (32 Prozent). Daraus und aus der Trennung von Südtirol resultiert ein besonders hohes historisches und topographisches Landesbewusstsein. Mit 4 Prozent Nennungen scheint noch das Goldene Dachl auf, der prunkvolle spätgotische Erker mit den Wappen Maximilians I. (1500 vollendet) - neben den Figuren seines Grabmals („Schwarze Mander") in der Hofkirche ein weiteres wichtiges Symbol der Stadt Innsbruck und des Landes Tirol.