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Die Symbole Wiens #

Landeswappen und Landesfarben#

von Peter Diem

--> Fotos: P. Diem

Aus dem Gesetz über die Symbole der Bundeshauptstadt Wien (12.2.1998)

§ 1. (1) Das Wappen der Bundeshauptstadt Wien zeigt in einem roten Schild ein weißes Kreuz. Diese Form des Wappens darf von jedermann - vorbehaltlich der Bestimmungen des § 5 - verwendet werden.
       (2) Das Wappen kann auch in Form eines Brustschildes in der Figur eines schwarzen, golden bewehrten Adlers verwendet werden. Diese Form des Wappens ist der Verwendung durch die Organe der Gemeinde Wien und des Landes Wien vorbehalten.
       (3) Das Wappen ist in den im Abs. 1 und 2 genannten Formen in der Anlage 1 zu diesem Gesetz abgebildet.

§ 2. (1) Das Siegel der Bundeshauptstadt Wien zeigt das Wappen im Brustschild eines Adlers. Als Umschrift des Siegels ist die Wortfolge „Bundeshauptstadt Wien" oder die Bezeichnung des Organes der Gemeinde Wien oder des Landes Wien einzufügen, welches das Siegel verwendet.
       (2) Das Siegel darf nur von den Organen der Gemeinde Wien oder des Landes Wien verwendet werden.
       (3) Das Siegel ist in der Anlage 2 zu diesem Gesetz abgebildet.

§ 3. (1) Die Farben der Bundeshauptstadt Wien sind rot-weiß.
       (2) Die Flagge der Bundeshauptstadt Wien besteht aus zwei gleich breiten, waagrechten Streifen; der obere ist rot, der untere ist weiß. Das Verhältnis der Höhe der Flagge zu ihrer Länge ist zwei zu drei.
       (3) Die Flagge darf von jedermann - vorbehaltlich der Bestimmungen des § 5 - verwendet werden...


Landeswappen
Landeswappen

Flagge mit Wappen (im Gesetz nicht vorgesehen, aber gebräuchlich)
Flagge mit Wappen (im Gesetz nicht vorgesehen, aber gebräuchlich)

Dienstwappen
Dienstwappen


Die frühesten Belege für das Wiener Stadtwappen finden sich auf den sogenannten „Wiener Pfennigen" aus den späten siebziger Jahren des 13. Jahrhunderts. Sie zeigen bereits das für Wien charakteristische Balkenkreuz, das sich aller Wahrscheinlichkeit nach von der seit Ende des 12. Jahrhunderts nachgewiesenen Reichssturmfahne herleitet. 1278 wurde Wien durch König Rudolf I. in den Besitz des Reiches genommen; ähnlich wie in anderen Grenzgebieten des Heiligen Römischen Reiches (Schweiz, Savoyen, Dänemark) mag dadurch auch in Wien die Reichsfahne heraldisches Vorbild für das lokale Wappen gewesen sein.

Im 14. Jahrhundert war das Wiener Wappen bereits geläufig - so tritt es am Südturm des Stephansdoms und im ersten Siegel der Wiener Universität auf. Die erste Farbdarstellung des Wiener Wappens findet sich in einem der Wappenbücher der 1394 gegründeten Bruderschaft von St. Christoph am Arlberg. Diese Bücher enthielten Hunderte von Wappen ihrer meist adeligen Mitglieder, und wurden bis zur Aufhebung dieser karitativen Vereinigung im Jahre 1786 weitergeführt. Einige Originale und mehrere Kopien sind davon in österreichischen und deutschen Archiven erhalten geblieben.

Als Erzherzog Albrecht VI. seinen kaiserlichen Bruder, Friedrich III., 1461 im Streit um die österreichischen Donauländer befehdete, versuchte er, das vom Kaiser nicht unterstützte Wien einzunehmen. Der Angriff wurde jedoch von den Wienern abgewehrt. Der Kaiser bedankte sich durch eine Wappenbesserung: In einem feierlichen Wappenbrief, gegeben zu Leoben am 26. September 1461, gestattete Friedrich III. der Stadt Wien, anstelle des schon bisher verwendeten goldenen, einköpfigen Adlers im schwarzen Feld den mit der Reichskrone gezierten, nimbierten goldenen Doppeladler zu führen.

Nimbierter Wiener Doppeladler 1461 (nach Ströhl)
Nimbierter Wiener Doppeladler 1461 (nach Ströhl)

Wiener Doppeladler am Alten Rathaus
Wiener Doppeladler am Alten Rathaus

Die Wappenurkunde enthält neben einer Farbzeichnung folgende Beschreibung des neuen Stadtwappens:
"... daz Sy den Schilt mit dem Guidein Adler in den swartzen Veld so Sy vorher löblich geprauhet vnd gefürt haben, nu hinfür zu ewigen zeiten denselben Adler mit zwayn haupten geziert mit Irn dyademen und zwischen denselben haupten ain Kaiserliche Kron auch von Gold in demselben Swartzen Veld des Schildes ... geprauchen mügen."

--> Karl Lind, Das Wappen der Stadt Wien. Wien 1866, 24 ff.

Schon bald nach 1461 schlug die Treue der Stadt Wien in Ungehorsam um: statt zum Kaiser zu stehen, belagerten die Bürger ihn und seine Familie in der Wiener Burg. Deshalb nahm Kaiser Friedrich III. das Wappen zurück und übertrug es am 1. April 1463 den beiden ihm treu ergebenen Schwesterstädten Krems und Stein. Seither führt Krems den mit der Reichskrone (mit hoher Mitra) und zwei flatternden Binden versehenen goldenen Doppeladler in Schwarz, allerdings ohne Nimben. Wiener Neustadt, die „allzeit Getreue", hatte schon am 10. Juli 1452 von Kaiser Friedrich III. den nimbierten und halsgekrönten schwarzen Doppeladler erhalten, den die Stadt bis heute schwarz in Gold im gevierten Wappen mit Burg und Bindenschild führt. Nach dem Tod Albrechts VI. söhnte sich Wien mit dem Kaiser aus; 1464 wurden der Stadt Wien ihre alten Rechte bestätigt. Als Ratssiegel enthält das Wappen nun wieder das Balkenkreuz im Brustschild. Als Beleg dafür dient das Typar des neuen Stadtsiegels, ebenfall aus dem Jahr 1464, das übrigens - vermutlich aufgrund eines Irrtums des Siegelstechers (so etwas soll in Österreich ja vorkommen) - statt der geschlossenen Kaiserkrone die offene Königskrone zeigte, was bis zum Ende der Monarchie immer wieder zu verschiedenen Varianten führte, je nachdem, ob man sich an den Wappenbrief oder den Siegelstock hielt.

Wappen von Krems
Wappen von Krems

Wappen von Wr. Neustadt
Wappen von Wr. Neustadt

--> Ströhl, Städte-Wappen von Österreich-Ungarn, a. a. O., 1
--> Felix Czeike, Das Rathaus. Wien - Hamburg 1972, 82

1465 wurde durch den Maler Jakob Kaschauer eine große Fahne für die Bürgerwehr angefertigt, die bis heute im Historischen Museum der Stadt Wien aufbewahrt wird. Sie trägt vier Felder, von denen jeweils zwei das weiße Kreuz in Rot und zwei, diagonal dazu angeordnet, den goldenen Doppeladler in Schwarz zeigen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Nimben verschwunden, dafür trugen die Adlerköpfe selbst Krönlein. Um die Jahrhundertwende treten uns zwei Wappenzeichnungen von hoher Autorität entgegen: Die erste stammt vom k. k. Rat und Konservator für Wien, Albert Ritter von Camesina, der für den Kreuzschild die frühgotische Dreiecksform wählte und die Krone nach der Abbildung in der Verleihungsurkunde von 1461 als heraldische Kaiserkrone gestaltete.

Frühgotischer Kreuzschild nach Camesina
Frühgotischer Kreuzschild nach Camesina

Erhabenn der Warte im Türkenschanzpark
Erhabenn der Warte im Türkenschanzpark

An der Versorgungsheimkirche
An der Versorgungsheimkirche

--> Jakob Dont (Hg.), Der heraldische Schmuck des Wiener Versorgungsheims. Wien 1910, Tafel la

Mit Lind sind wir der Ansicht, daß die ältere, „dreieckige" Schildform 1465 wohl absichtlich gewählt wurde, um darzutun, daß das Wiener Wappen schon älteren Ursprungs sei. Ströhl hingegen hat die halbrunde Form aufgrund seiner sehr strengen heraldischen Auffassung gewählt, um sie der runden Form des gesamten Wappenschildes anzugleichen. Das erscheint uns zwar möglich, im Endeffekt geht aber dabei doch etwas für die Wappen- und Siegelgeschichte Wiens sehr Typisches verloren. Hingegen muß der Kronenform Ströhls der Vorzug gegeben werden, symbolisiert diese doch viel deutlicher die Einzigartigkeit der nicht weit vom Wiener Rathaus aufbewahrten Krone des Heiligen Römischen Reiches. Interessanterweise folgt die Wappendarstellung am Giebel der Lainzer Versorgungsheimkirche trotz einer gewissen Manieriertheit und der Überladung durch eine goldene Stadtmauerkrone mit fünf sichtbaren Türmen dem oben angedeuteten Weg: die Kaiserkrone und die Bänder „ottonisch" wie bei Ströhl, der Kreuzschild „frühgotisch" wie bei Camesina, wenn auch um eine Spur gedrungenerl - eine sehr geschickte Kompromißlösung.

Beachte:


Hoch oben am neu renovierten Haus 1., Lugeck 4, erbaut 1897, steht eine Statue Friedrichs III. mit dem Wappenbrief, darüber ein Baldachin, überhöht von der ottonischen Kaiserkrone. An dieser Stelle stand früher der sogenannte Regensburger Hof, ein ansehnliches Bürgerhaus mit drei Obergeschossen, in welchem Niklas Teschler, Tuchhändler, Bankier und Bürgermeister Wiens, am 19. Februar 1470 für Kaiser Friedrich III. und Matthias Corvinus ein großes Fest mit Tanz gab.

  1. An der Wand des Museums für angewandte Kunst in der Weiskirchnerstraße befindet sich eine Marmortafel mit dem kaiserlichen Stadtwappen. Sie erinnert an die Verteidigungsstellung der Stadt Wien an der Steinernen Brücke vor dem Stubentor, wo Bürgermeister Christian Prenner an der Spitze von Bürgern und Söldnern die Truppen Albrechts VI. am 12. August 1461 zurückschlug, was der Stadt Wien das Recht eintrug, den kaiserlichen Doppeladler zu führen.

Das 20. Jahrhundert#

Nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie veränderte die Stadt Wien ihr Wappen zunächst nicht. Erst ein vollkommen unbedeutender Anlass, nämlich der Ersatz „niederösterreichischer" durch „Wiener" Dienstabzeichen für Flurhüter (!), führte zu einer tiefgreifenden Wappenreform.

Diese Reform wurde durch einen Brief des Direktors des Stadtarchivs, Univ.-Prof. Dr. Otto Stowasser, an den Magistratsdirektor vom 22. April 1924 ausgelöst. In dem Brief heißt es, daß „streng sachlich auch vom Standpunkt der neuen Zeit am Stadtwappen nichts auszusetzen ist", da weder der Doppeladler noch die Farbe schwarzgelb ursprünglich mit dem Hause Habsburg etwas zu tun hatten („Habsburgisch ist der rote Löwe im goldenen Feld"). Dennoch sei der Wunsch nach Änderung „begreiflich und berechtigt", weil das Wappenbild gemeinhin „eben falsch verstanden wird". Der Archivdirektor regt somit eine generelle Wappenänderung an und schlägt als einheitliches Wappenbild einen einköpfigen Adler vor, der im Herzschild ein weißes Kreuz im roten Feld trägt, wie er sich in einem Siegel an einer Urkunde aus dem Jahr 1346 findet.

Seit der Gemeinderatswahl vom 21. 10. 1924 verfügten die Sozialdemokraten über 78, die Christlichsozialen über 41 Mandate im Gemeinderat. Karl Seitz war Bürgermeister, das Wohnbauprogramm, der Stolz des „Roten Wien" war angelaufen. Die politische Führung der Stadt schloss sich der Meinung des Archivdirektors an. Der Motivenbericht ex 1925 versucht kaum, sein Anti-Habsburg-Sentiment zu verbergen, wenn er auch die „Überladenheit" des Doppeladler-Wappens betont: und so wurde 1925 die heraldische Uhr Wiens um fast ein halbes Jahrtausend zurückgedreht - in die gute alte Zeit vor 1461, als der Adler noch einköpfig war und nicht „überladen"...
In einem Durchführungserlass des Stadtsenats vom 29. April 1925 wurde festgelegt, daß das Wappen „entweder allein oder in der Figur des Wappenhalters" gebraucht werden könne. Die Farben des Adlers wurden nicht definiert, sodaß man ihn - seltener - golden (etwa in einem Glasfenster des Wiener Jörgerbads) oder schwarz (z. B. Das Siegel von 1346 auf dem Dach des Stephansdoms, wo der Wiener Adler sogar imstande ist, dem Bundesadler den Kopf zu verdrehen!) dargestellt findet.

Der Wiener Adler bezirzt den Bundesadler
Der Wiener Adler bezirzt den Bundesadler

Das Dienstwappen
Das Dienstwappen

Während der autoritäre Ständestaat in den westlichen Bundesländern Ende des Jahres 1934 Landesverfassungen in Kraft setzte, die in ihren Zielparagraphen großen Wert auf die Landessymbole legten (vgl. die jeweiligen Beiträge), wurde am 31. März 1934 durch den Bundeskommissär für Wien eine (einstweilige) Stadtordnung erlassen, die sich -wie die Landesverfassungen davor und danach - um „identitätsstiftende Zielparagraphen" nicht kümmerte. Schon einen Monat vorher, am 15. Februar 1934 - am dritten Tag nach seiner Einsetzung als Bundeskommissär für Wien und am letzten Tag des Bürgerkriegs - hatte Richard Schmitz das alte doppelköpfige Adlerwappen von 1461 durch Verordnung (LGB1. für Wien, Nr. 10/1934) wieder eingeführt. Es blieb in dieser Form etwas mehr als vier Jahre in Geltung, bis sich die Nacht der Hitler-Zeit über Wien senkte.

Wien-Wappen 1934 mit Zunftzeichen
Wien-Wappen 1934 mit Zunftzeichen

Wiener Wappen 1938-1945
Wiener Wappen 1938-1945

Künstlerische Version des Wiener Wappens 1938-1945
Künstlerische Version des Wiener Wappens 1938-1945

Künstlerische Version des Wiener Wappens 1938-1945
Künstlerische Version des Wiener Wappens 1938-1945

Foto: P.Diem
Foto: P.Diem


Adolf Hitler im Wiener Rathaus
Adolf Hitler im Wiener Rathaus

Das NS-Regime, das nicht müde wurde, die Funktion Wiens als eines „Bollwerks des Reiches" zu beschreiben, brachte just in der Periode, in der die Reichskleinodien aus der Wiener Schatzkammer nach Nürnberg geschafft wurden (vgl. den Beitrag über die Reichskleinodien) einige kleine Änderungen an dem seit 1934 gültigen Wappen von 1461 an: das Motiv der „heraldischen" Kaiserkrone wurde durch eine stilisierte Zeichnung der realen, ottonischen Kaiserkrone ersetzt, die Nimben wurden nicht mehr gefüllt, sondern nur konturiert, die Bänder ohne ihren bisherigen Edelsteinschmuck dargestellt. Eine Umschrift war wie 1934-1938 nicht vorgesehen. Nach Peter Csendes/Wolfgang Mayer, Wappen und Siegel der Stadt Wien, in: Wiener Geschichtsblätter, Beiheft 1/1986 erfolgten diese Änderungen, ohne dass ein eigenes Wappengesetz erlassen wurde. Wenn man will, war das ständestaatliche Wappen dadurch etwas spartanischer, vielleicht auch eine Spur kriegerischer geworden: keinesfalls war es aber eine unheraldische Lösung.

Sie sollte nicht lange Bestand haben. Wie alle anderen Spuren der Nazizeit, ist auch die nationalsozialistische Heraldik Wiens heute verschwunden, bewusst ausgetilgt. Es wäre dennoch interessant zu erfahren, wohin manches gelangte. Allerdings will man darüber weder im Historischen Museum der Stadt Wien noch im Stadtarchiv Bescheid wissen.






Gobelinsaal
Zeitgenössisches Foto des Gobelinsaales
So hing etwa im sogenannten „Gobelinsaal" (heute Steinsaal) des Rathauses in der Zeit des Ständestaates ein großer Gobelin. Offenbar gleich nach „Systemwechsel" wurde er durch einen „Prachtgobelin" des Malers Prof. Carlos Riefel (1903-1993 ) ersetzt.

„Als Erinnerung an die Wiedervereinigung der Ostmark mit dem Großdeutschen Reich" zeigte der Wandteppich die Worte Adolf Hitlers, die dieser am „Tag des Großdeutschen Reiches" zu dem ihn am 9. April 1938 im Rathaus begrüßenden Bürgermeister Ing. Dr. Hermann Neubacher sprach: "... diese Stadt ist in meinen Augen eine Perle! Ich werde sie in jene Fassung bringen, die dieser Perle würdig ist..." Diese Worte müssen im Lichte der inneren Einstellung Adolf Hitlers zu Wien als reine Propagandaphrase verstanden werden.




--> Zur genauen Darstellung der Symbole der Bundesländer vergleiche die Überblicksseite