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In Österreich wirkende Erfinder und ihre Erfindungen#

Nähmaschine
Die erste Nähmaschine, 1815, von J. Madersperger (Technisches Museum, Wien)
© Technisches Museum, Wien, für AEIOU

Der Beitrag Österreichs zur Geschichte der Erfindungen ist bedeutend. In zahlreichen Fällen ist allerdings die Priorität einer Erfindung nicht eindeutig zu klären. Vielfach wurde an einem Problem in mehreren Ländern gleichzeitig und unabhängig voneinander gearbeitet, so dass es zu Parallelerfindungen kam. Andererseits waren zwar noch im 18. und 19. Jahrhundert Erfindungen in der Regel das Werk einzelner Personen, vielfach von Praktikern, doch wurden sie in den letzten Jahrzehnten zunehmend das Resultat wissenschaftlicher Forschung in größeren Einheiten. Die wirtschaftliche Realisierung von Erfindungen spielt sich zudem in einem Zyklus von der Invention über die Innovation bis zur Diffusion (Verbreitung) ab.

Technische Erfindungen können mit Rücksicht auf ihre Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung gesetzlich geschützt werden. In Österreich begann die systematische gesetzliche Regelung unter Franz II. mit einer Verordnung vom 24. 12. 1794 über die Vergabe von Privilegien für die Erfindung nützlicher Maschinen oder ganz neuer Fabrikate. Weitere Privilegiengesetze folgten 1810, 1820 sowie 1852 und schließlich trat 1897 das Patentgesetz in Kraft, gültig in der Fassung von 1970 (Bundesgesetzblatt 259/1970). Dieses Gesetz schützt neue Erfindungen, die eine gewerbliche Anwendung zulassen, auf die Dauer von 18 Jahren.

Österreichische Erfindungen und Erfinder können in der Regel auf jenen Gebieten verzeichnet werden, die eine ökonomisch bedeutende Rolle spielten. Dabei handelt es sich im Allgemeinen um Beiträge zur technischen Entwicklung, die entweder einem speziellen österreichischen Know-how erwuchsen oder ein spezielles österreichisches Bedürfnis befriedigten.

Erfolg und Misserfolg#

Nur wenige Erfindungen waren von internationaler Bedeutung und konnten wirtschaftlich genutzt werden.

Schreibmaschine
Erste, aus Holz gefertigte Schreibmaschine, Modell "1864 Wien", von P. Mitterhofer (Technisches Museum, Wien).
© Technisches Museum, Wien

Dazu gehören etwa die Erfindungen von Carl Auer von Welsbach (Gasglühstrumpf), Ludwig Hatschek (Asbestzement), Michael Thonet (Bugholzmöbel), Viktor Kaplan (Kaplan-Turbine) und Josef Ressel (Schiffsschraube).

Dagegen blieben Johann Kravogl (elektrisches Kraftrad), Otto Nußbaumer (Radiodetektor), Josef Madersperger (Nähmaschine), Peter Mitterhofer (Schreibmaschine) und Siegfried Marcus (Automobil) wirtschaftliche Erfolge versagt.

Bergbau und Hüttenwesen#

Zu jenen Branchen, die über Jahrhunderte die österreichische Volkswirtschaft entscheidend prägten, gehörten der Bergbau und das Hüttenwesen. Für die Erzaufbereitung entwickelte Peter von Rittinger (1811-72) ein neues Verfahren auf nassem Wege, und Hans Fleissner (1881-1928) stellte die Erz- und Kohlentrocknung auf eine neue Grundlage.

Bei der Einführung der Tiegelgussstahlerzeugung leisteten die Familie Rosthorn in Lippitzbach ab 1793, Martin Miller (1769-1833) in St. Aegyd am Neuwalde und Johann Heinrich Bleckmann (1826-91) mit seinem Phönix-Stahlwerk in Mürzzuschlag Pionierarbeit.

In Mürzzuschlag arbeitete auch Max Mauermann (1868-1929), der 1913 den rostfreien Stahl erfand. Eine Revolutionierung im Stahlbetonbau bedeutete die Erfindung des TOR-Stahls ("Torsionsstahl") 1936 durch Rudolf Schmidt (1894-1955).

Weitere bedeutende Metallurgen waren Paul Schwarzkopf (1886-1970), der Begründer der Pulvermetallurgie und der Metallwerke Plansee in Reutte 1921, und Hans Jüptner-Jonstorff (1853-1941).

Eine international bedeutende Neuerung in der Stahlerzeugung stellt das in Linz entwickelte LD-Verfahren dar.

Maschinenbau#

Von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der Industrialisierung wurde im Lauf des 19. Jahrhundert der Maschinenbau. Für die konstruktive Weiterentwicklung der lange Zeit dominanten Dampfmaschine leisteten Leo Baudiß (1861-1914) und Alfred Collmann (1851-1937)mit neuen Dampfsteuerungen wichtige Beiträge.

Hanns Hörbiger (1860-1931), der Schöpfer der Welteislehre, erfand ein neues Plattenventil für Gebläse, Pumpen und Kompressoren.

Zahlreicher sind die Erfindungen einzelner Produktionsmaschinen:

Christian_Georg Hornbostel (1778-1841) erzeugte erstmals Seidenstoffe auf Maschinenwebstühlen und Ernst Fehrer (1919-2000) erlangte seit 1948 mehrere hundert Patente für den Bau neuer Textilmaschinen.

Kaplan-Turbine
Kaplan-Turbine (Technisches Museum, Wien)
© Technisches Museum, Wien, für AEIOU

Weltweit vergleichbare Exporterfolge kann seit den 1950er Jahren das Linzer Unternehmen Plasser & Theurer mit seinen Bahnbaumaschinen verzeichnen.

Für die aufstrebende Zündholzindustrie stellte Viktor Czerweny (1877-1956) in Deutschlandsberg 1898 die erste automatische Zündholzmaschine her.

Den ersten Personenaufzug in Wien installierte 1870 Anton Freissler (1838-1916).

Aus Mürzzuschlag stammte Viktor Kaplan (1876-1934), der Erfinder jener Niederdruckwasserturbine, die aufgrund ihrer verdrehbaren, flügelartigen Laufradschaufeln zur Ausnutzung großer, stark schwankender Wassermengen bei geringem Gefälle geeignet ist. Die Kaplanturbine kommt daher weltweit vor allem in großen Flusskraftwerken zum Einsatz. Eine Weiterentwicklung ist die seit 1936 gebaute Rohrturbine. Ein Fortschritt in der maschinellen Holzbearbeitung war die 1830 von Michael Thonet (1796-1871) in Wien erfundene Methode, mittels Heißdampf Holz zu biegen.

Verkehrswesen#

Eng mit dem Maschinenbau verbunden war von Beginn an die Entwicklung des Verkehrswesens. Mit der Erfindung der Schmiedepresse 1862 in einer Wiener Lokomotivfabrik leistete hier John Haswell (1812-97) einen entscheidenden Beitrag zum Großmaschinenbau. Weitere erfolgreiche österreichische Lokomotivkonstrukteure waren Georg Sigl (1811-87), der auch eine Buchdruckschnellpresse erfand.

Karl Gölsdorf (1861-1916) und Wilhelm von Engerth (1814-84), schufen die erste Gebirgslokomotive für den Semmering.

Von Adolph Giesl-Gieslingen (1903-92), stammt die Erfindung eines Flachschornsteins für Dampflokomotiven.

Der Bau der Pferdeeisenbahn und der Semmeringbahn sicherte Österreich eine Vorreiterstellung im Eisenbahnbau. International als Eisenbahn-, Wasser- und Straßenbauingenieur war Alois Negrelli (1799-1858) engagiert, berühmt durch die Planung des später von Ferdinand de Lesseps ausgeführten Suezkanals.

Modell der Schiffsschraube
Modell der Schiffsschraube © Technisches Museum, Wien

Für die Entwicklung der Schifffahrt leistete Josef Ressel (1793-1857) mit der Erfindung der am Heck angebrachten Schiffsschraube (Privileg 1827), die das bis dahin übliche Schaufelrad ersetzte, einen entscheidenden Beitrag.

Ein Jahrhundert später erfand Ernst Leo Schneider (1894-1975) den Zykloiden-Schiffspropeller, der eine unbegrenzte Manövrierfähigkeit der Schiffe am Stand gewährleistete. Neben dem Antrieb ist für die Schifffahrt die Gestaltung der Schiffskörper zur Überwindung des Wasserwiderstands wichtig: Mit der 1905 patentierten gleitenden Form schuf Fritz Franz Maier (1844-1926) die bis heute gültige Grundlage für den Schiffsbau ("Maier-Bug").

Der österreichische Pionier des Automobilbaus ist Siegfried Marcus (1831-98), der 1853 als Mechaniker nach Wien kam. 1865 konstruierte er sein erstes Versuchsfahrzeug mit einem Benzinmotor. Das erhaltene Marcus-Automobil wurde 1875 oder 1888 gebaut und ist mit einem liegenden Einzylinder-Viertaktmotor mit magnetelektrischer Zündung und Spritzbürstenvergaser ausgestattet.

Ebenfalls in Wien baute 1898 Carl Gräf (1871-1939) seinen ersten Benzinwagen mit kardanischem Vorderradantrieb (Patent 1900); Ludwig Lohner (1858-1925) konstruierte zusammen mit dem jungen Ferdinand Porsche (1875-1951) ab 1898 ein Elektroauto mit Radnabenmotoren in den Vorderrädern. Die Urform des Porsche-Wagens entstand nach dem 1. Weltkrieg in Gmünd (Kärnten).

In Graz produzierte Johann Puch (1862-1914) ab 1891 das erste fabriksmäßig hergestellte Fahrrad in Österreich und später auch Motorräder und Automobile.

Ebenfalls in Graz gründete 1948 Hanns List (1896-1996) die AVL, ein international tätiges Forschungs- und Entwicklungszentrum für Verbrennungskraftmaschinen.

Im Bereich der Luftfahrt experimentierte Wilhelm Kreß (1836-1913) ab 1877 mit Drachenfliegermodellen. Er erfand 1900 den Steuerknüppel, sein erster Startversuch 1901 scheiterte jedoch.

Das erste Motorflugzeug in Österreich baute 1907 Igo Etrich (1879-1967), der schon 1905 ein Patent für seine Flügelform und die Luftschraube erhalten hatte. Die "Etrich-Taube" wurde von Edmund Rumpler (1872-1940) nach 1910 zur "Rumpler-Taube" weiterentwickelt. Rumpler wurde 1921 auch durch den Bau des aerodynamischen "Tropfenautos" bekannt.

David Schwarz (1850-97) baute 1895/96 das erste Ganzmetall-Lenkluftschiff aus Aluminium.

Elektrotechnik#

Zu den frühen Pionieren der Elektrotechnik zählt der Tiroler Johann Kravogl (1823-89), der für sein 1867 gebautes elektrisches Kraftrad, den Vorläufer des Elektromotors, ein Privileg erhielt.

Für die Berechnung und den Bau von Dynamos und Transformatoren schuf Gisbert Kapp (1852-1922), der Erfinder des Phasenschiebers, viele Grundlagen.

Einen entscheidenden Baustein für den Bau von Radio- und Telephonapparaten lieferte Robert von Lieben (1878-1913) 1905/06 mit der Verstärkerröhre und 1910 mit der Glühkathodenröhre. Otto Nußbaumer war 1904 in Graz die erste drahtlose Musikübertragung gelungen.

Für die Vermittlung in Telephonzentralen erfand Gottlieb Dietl (1862-1946) ein automatisches System mit dem Hebdrehwähler. Einen ersten transportablen Telegraphen konstruierte Wilhelm Julius Gintl (1804-83).

Der Gründer der "Elektra Bregenz", Friedrich Wilhelm Schindler (1856-1920), zählt mit seiner erstmals 1893 bei der Weltausstellung in Chicago präsentierten elektrischen Küche (Privileg 1891) zu den Vorreitern der Elektrifizierung des Haushalts.

Bauwesen#

Im Bauwesen sind zwar weniger österreichische Erfindungen nachweisbar, doch leistete Österreich bei der Anwendung und Verbreitung des Stahlbetons grundlegende Beiträge. Zu erwähnen sind dabei Friedrich Ignaz Emperger (1862-1942), Josef Melan (1853-1941) mit seiner Melan-Bauweise für Bogenkonstruktionen, Gustav Adolf Wayss (1851-1917) und Arthur Porr (1872-1915).

Ein vor allem für Dachdeckungen und Fassadenverkleidungen universell verwendbares Material erfand 1901 Ludwig Hatschek (1856-1914) mit dem Asbestzement (Eternit).

Chemische Industrie#

Die chemische Industrie war in Österreich lange Zeit von untergeordneter Bedeutung.

Carl Auer von Welsbach (1858-1929), der 1895 den Gasglühstrumpf, 3 Jahre später die Osmium-Metallfadenlampe und 1904 das Cer-Eisen für Feuerzeuge erfand, ist daher eine herausragende Ausnahme.

Die Zündholzerzeugung erhielt mit der Verwendung des roten, ungiftigen Phosphors durch Anton Schrötter von Kristelli (1802-75) eine neue Grundlage, und Adolf M. Pollack von Rudin (1817-84) erfand die Zündholzschiebeschachtel mit seitlichen Reibeflächen.

Wirtschaftlichen Erfolg hatte Johann Nepomuk Reithoffer (1781-1872) durch die Herstellung wasserdichter Stoffe (Privileg 1824) und die Verarbeitung von Kautschuk (1831).

Ökonomisch verwerten konnte auch Joseph Hardtmuth (1758-1816) seine Erfindung der keramischen Bleistiftmine. Sein Enkel F. von Hardtmuth schuf 1889 den "Koh-i-noor"-Stift mit 17 Härtegraden.

Fotografie#

Die Geschichte der Fotografie und des Films verzeichnet zahlreiche österreichische Erfindungen.

Bereits 1840/41 verbesserte Johann August Natterer (1821-1900) die Silberplatten Daguerres; kurz danach gelang ihm die Verflüssigung von Kohlensäure. In Wien baute 1840 Peter Wilhelm Friedrich von Voigtländer (1812-78) die erste Ganzmetallkamera, für die Josef Petzval (1807-91) das Porträtobjektiv berechnete. Von Josef Maria Eder (1855-1944)stammt eine Entwicklerlösung für verbesserte Farbwiedergabe.

Zur Frühgeschichte des Films leistete Simon Stampfer (1792-1864) mit der Erfindung des Laufbildes (Stroboskop) einen wichtigen Beitrag. 1904 erhielt August Musger (1868-1929) ein Patent auf die Erfindung der Zeitlupe.

Drucktechnik#

Die Erfindung des Steindrucks (Lithographie) durch Alois Senefelder (1771-1834) 1799 revolutionierte die drucktechnische Wiedergabe von Abbildungen. Senefelder gründete 1803 in Wien die erste lithographische Druckanstalt.

1878 erfand Karel Klíč (1841-1926) mit der Heliogravüre und dem Rakeldruck 2 neue Tiefdruckverfahren.

Jakob Degen (1760-1848), auch ein Flugpionier, baute 1819 die erste Guillochiermaschine für den fälschungssicheren Banknotendruck. Ein Privileg auf die Erfindung eines Kopierautomaten erhielt 1883 N. Schlotterhoß (1852-92).

Instrumentenbau#

Im Bereich des Instrumentenbaus ist Simon Plößl (1794-1868) zu erwähnen, der 1830 ein dialytisches Fernrohr und mehrere Mikroskope baute.

Neue Objektive, die 1911 erfundene Fluoreszenzmikroskopie und die Metallmikroskopie (Metallographie) waren das innovative Ergebnis des Wiener Unternehmens von Carl Reichert (1851-1922) und Karl Reichert(1883-1953).

Zur Vorgeschichte des wissenschaftlichen Instrumentenbaus gehört die Konstruktion von Automaten in der Barockzeit: Friedrich von Knaus (1724-89) entwickelte einen Schreibautomaten, Wolfgang von Kempelen (1734-1804) einen Schachautomaten und eine Sprechmaschine; Johann N. Mälzel (1772-1838) entwarf einen Spielzeugpuppenautomaten und erfand 1816 ein Metronom zur Tempoangabe.

Zum Instrumentenbau kann man auch die Erfindung einer Schreibmaschine durch den Südtiroler Peter Mitterhofer rechnen. Ihm selbst jedoch blieb eine wirtschaftliche Verwertung seiner Erfindung versagt. Ein vergleichbares Schicksal erlitt etwas früher Josef Madersperger (1768-1850), der Erfinder der Nähmaschine.

Rechenmaschinen / Computer#

Aus dem Instrumenten- und Automatenbau entwickelte sich der Bau von Rechenmaschinen. Ein sehr frühes Beispiel einer Sprossenradrechenmaschine (1766) stammt von A. Braun dem Jüngeren (1708-76). Für die Auswertung der Volkszählung 1890 verwendete man in Wien bereits eine von Otto Schäffler (1838-1928) erfundene Lochkartenmaschine. In der Zwischenkriegszeit setzte Gustav Tauschek (1899-1945) diese Tradition fort und erlangte 168 Patente für die Konstruktion vollautomatischer Buchungs- und Rechenmaschinen.

In Wien baute schließlich 1954-59 Heinz Zemanek (* 1920) den ersten Computer in Österreich, das "Mailüfterl".

Rüstung#

Erfordernisse der militärischen Rüstung sind oft Auslöser für technische Erfindungen.

1865 erfanden K. Holub (1830-1903) und Josef Werndl (1831-89) gemeinsam das Hinterladergewehr. Das auch bei Werndl in Steyr produzierte Repetiergewehr (Mehrladergewehr) ist eine Erfindung von Ferdinand Mannlicher (1848-1904) aus 1882. Auf Gunther Burstyn (1879-1945) geht die Konstruktion eines geländegängigen Panzerwagens mit drehbarem Geschützturm (Tank) zurück, und Johann M. Boykow (1878-1935) erfand 1914 ein selbsttätiges Bombenabwurfgerät und den Autopiloten zur automatischen Steuerung von Flugzeugen.

Franz von Uchatius (1811-81) war Leiter der Geschützgießereien des Wiener Arsenals und wurde 1874 durch die Erfindung der Stahlbronze für den Geschützguss bekannt.

Weiterführendes#