Kraus, Karl - Austria-Forum : AEIOU

Kraus,Karl #


* 28. 4. 1874, Gitschin (Jicín), Tschechische Republik

† 12. 6. 1936, Wien

Essayist, Lyriker, Dramatiker, Aphoristiker


Kraus, Karl
Karl Kraus, Foto von d'Ora, 1908.
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Karl Kraus wurde am 28. April 1874 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns und Fabrikanten in Jicín geboren. 1877 übersiedete die Familie nach Wien, wo er Volksschule und Gymnasium besuchte.


Er studierte an der juristischen und philosophischen Fakultät der Universität Wien. Sein Interesse galt vor allem der zeitgenössischen Literatur und dem Theater, er versuchte sich erfolgslos als Schauspieler, seine Lesungen aber fanden großen Anklang.


Schon mit seiner ersten satirischen Publikation "Die demolirte Literatur" (1897) - eine Anspielung auf den Abbruch jenes Hauses, in dem das Café Griensteidl untergebracht war, wo sich die Schriftsteller des "Jung Wien " trafen - stellte Kraus seine spitze Feder und seinen treffenden Witz unter Beweis. 1898 griff er mit "Eine Krone für Zion" nicht nur Theodor Herzl, den Begründer des Zionismus, an, sondern auch den Zionismus selbst. Nach Abbruch seines Studiums gründete Karl Kraus 1899 die Zeitschrift "Die Fackel", die er bis 1936 herausgab; ab 1911 erschien die Zeitschrift ausschließlich mit seinen eigenen Texten.


"Die Fackel" sollte sich zu einer der bedeutendsten kritischen und satirischen Zeitschriften des 20. Jahrhunderts entwickeln. Die Gesamtausgabe umfasst etwa 21.000 Seiten. In den ersten Jahren deckte K. in seiner Zeitschrift immer wieder Skandale auf.


Seine engagierte Kultur-, Ideologie- und Sprachkritik richtete sich vor allem gegen einen verlogenen, sensationsheischenden Journalismus, gegen bürgerliche Doppelmoral ("Sittlichkeit und Kriminalität", 1908) und skrupellose Kriegstreiberei, aber auch gegen jedwede ethisch und ästhetisch fragwürdige Literatur ("Literatur und Lüge", 1929).


In seinem Drama "Die letzten Tage der Menschheit" (1918/1919) zeigt Karl Kraus den 1. Weltkrieg als Panoptikum menschlicher Dummheit und Gemeinheit, er zeichnet ein umfassendes Bild des Krieges im Hinterland und an der Front. Ausschnitte daraus hat Kraus während der zwanziger Jahre immer wieder bei Lesungen vorgetragen.


Nach dem Ersten Weltkrieg beeinflusste Kraus maßgeblich das literarische Leben im deutschsprachigen Raum


"Mir fällt zu Hitler nichts ein." Dieser erste Satz in "Die dritte Walpurgisnacht" wird häufig zitiert, um Kraus‘. Schweigen gegenüber dem Nationalsozialismus zu belegen, wobei unterschlagen wird, dass sich er sich schon in den 1920er Jahren kritisch zum Nationalsozialismus äußerte. Die Ermordung von Dollfuß im Juli 1934 im Zuge eines nationalsozialistischen Putschversuches traf den kranken Kraus dementsprechend schwer. Die „Fackel" erschien über einen längeren Zeitraum nicht. Seine Vorlesungen, die von Gegnern gestört wurden, verlegte Kraus in den privaten Bereich, im April 1936 fand die 700. Vorlesung statt.


Am 12. Juni 1936 starb K. an einem Herz- und Gehirnschlag.


--> Historische Bilder zu Kraus Karl (IMAGNO.at)


Werke (Auswahl):

Essays:

  • Die Chinesische Mauer, 1910
  • Nestroy und die Nachwelt, 1912
  • Weltgericht, 2 Bände, 1919
  • Untergang der Welt durch schwarze Magie, 1922
  • Dritte Walpurgisnacht, 1934

Aphorismen:

  • Sprüche und Widersprüche, 1909
  • Pro domo et mundo, 1912
  • Nachts, 1919.

Dramen:

  • Wolkenkuckucksheim, 1923
  • Traumtheater, 1924.

Lyrik:

  • Worte in Versen, 9 Bände, 1916-30

Ausgaben:

  • Werke, herausgegeben von H. Fischer, 14 Bände, 2 Supplementbände, 1954 bzw. 1970
  • Die Fackel, 39 Bände, 1 Supplementband, 1968-77 (Nachdruck)
  • Schriften, herausgegeben von C. Wagenknecht, 20 Bände, 1986-91.


Leseprobe#

aus Karl Kraus - "Vor dem Schlaf"

So spät ist es, so späte,
Was werden wird, das weiß ich nicht.
Es dauert nicht mehr lange.
Mir wird so bange,
Und seh in der Tapete
Ein klagendes Gesicht.

Allein bin ich, alleine,
Was außerhalb, ich weiß es nicht.
Ach, daß mir’s noch gelänge,
Mit wird so enge,
Und seh in jedem Scheine
Ein fragendes Gesicht.

Nun bin ich schon entrissen,
Was da und dann, ich weiß es nicht.
Ich kann sie nicht behalten,
Die Wahngestalten;

Und fühl in Finsternissen
Das sagende Gesicht.


Artikel aus dem Buch "Große Österreicher"#

Selbst wenn er nur »Die letzten Tage der Menschheit« geschrieben hätte, wäre Karl Kraus zum Mythos geworden. Selbst wenn er nur der große Sprachkünstler gewesen wäre, jener Mann, der aus vollster Überzeugung die Meinung vertrat, die Verlotterung vor allem des geschriebenen Worts sei ein Zeichen des Verfalls - »Der wahre Feind der Zeit ist die Sprache«, hat er einmal formuliert -, wäre er seines Nachruhms würdig gewesen. Selbst wenn er nichts anderes gewesen wäre als der große Journalistenhasser oder der geistreiche Satiriker oder der politische Philosoph - Karl Kraus hätte in einer Welt, die in jeder Beziehung klein geworden war, als Genie gegolten. Er aber ist alles gleichzeitig gewesen. Er war, wie es Karel Capek ausdrückte, ein »Moralphilologe«. Er ist - laut Oskar Kokoschka - »abgestiegen zur Hölle, zu richten die Lebendigen und die Toten«. Er war ein strenger, gewiss auch ein selbstgerechter Richter. Viele meinen, Karl Kraus habe sich überlebt. Andere glauben, was unserer Zeit fehle, seien gerade Geister wie dieser. Sie sind die Mehrheit.

Der Mann, den die Nachwelt vor allem als Autor der »Fackel« kennt, dieser Zeitschrift, die Karl Kraus geschaffen, zumeist ganz allein geschrieben und jedenfalls als Instrument, als Waffe verwendet hat - dieser Mann ist bis zu einem gewissen Grad der Widerspruch in sich selbst gewesen. Kontraste und Konfrontationen ziehen sich durch sein ganzes Leben. Schon dass er, der überzeugte Pazifist, im böhmischen Jicin zur Welt kam, jener Stadt, in der Wallenstein vorzugsweise lebte und wo der große kaiserliche Feldherr auch begraben ist, mutet als Kontrast an. Im Elternhaus war Bismarck, der eiserne Kanzler, abgestiegen. In Wien, wohin die Familie - Jakob Kraus, der Vater, war ein wohlhabender jüdischer Papierfabrikant - 1877 übersiedelte, besuchte Karl neben der Oberstufe des Gymnasiums auch eine Schauspielschule. Er brauchte Publikum. Solange er lebte, musste er, der Einzelgänger, ein Visavis haben, je umfangreicher, desto besser. Karl Kraus maturierte am selben Tag wie Hugo von Hofmannsthal. Im Beethovenpark trafen sie einander nach der Prüfung und feierten die neugewonnene Freiheit. Wie Hofmannsthal war auch Kraus schon damals Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften, zumeist mit kleinen Kritiken und literarischen Beiträgen. Die Entscheidung, ob er Schauspieler oder Journalist werden sollte, nahm ihm das Schicksal ab: bei einer »Räuber«-Aufführung in einem Vorstadttheater wurde er als Franz Moor ausgelacht und ausgepfiffen. Seine Vortragskunst hat Karl Kraus trotzdem produziert: er wurde nicht nur ein Meister des geschriebenen, sondern auch des gesprochenen Wortes, ein nahezu perfekter Vorleser. Stundenlang hat er eine vielköpfige Menschenmenge in Bann halten können. Die dänische Schriftstellerin Karin Michaelis beschrieb eine Kraus-Vorlesung im Jahr 1911: »Der Saal ist bis zum letzten Platz voll. ... Alle Lichter sind verlöscht. Nur da oben auf dem grün bekleideten Tisch leuchten zwei vereinzelte Kerzen. … Nun kommt Karl Kraus. Jung, mit langen unbeherrschten Gliedern, scheu wie eine Fledermaus eilt er an den Tisch, verschanzt sich bang hinter ihm, kreuzt die Beine, streicht sich über die Stirn, putzt sich die Nase, sammelt sich wie ein Raubtier zum Sprung, lauscht, wartet. ... Seine nervösen Hände fahren über die mitgebrachten Arbeiten. Er fängt an, hart, nachdrücklich, energisch, bezwingend, durch Überzeugung bezwingend. Hätte er chinesisch oder persisch gesprochen, man wäre mit der gleichen Spannung gefolgt.« Insgesamt hat Karl Kraus 700 Vorlesungen gehalten - nicht nur aus eigenen Werken las er, sondern auch Liliencron, Wedekind, Shakespeare. Immer wieder suchte er, brauchte er das, was der Journalismus nicht bieten kann: den persönlichen Kontakt mit dem Gegenüber, das man adressiert.

Den Journalismus selbst, den kämpferischen, aggressiven, führte er in der »Fackel« zur Perfektion. Vorher hatte er zeitweilig auch, als freier Mitarbeiter, für die »Neue Freie Presse« geschrieben. Die Zeitung bot ihm schließlich den Posten des verstorbenen Literaturkritikers Daniel Spitzer an. Kraus lehnte ab. Zwar riet ihm ein Freund, Maximilian Harden, der Herausgeber der »Zukunft«, die Kraus sehr schätzte, dazu: Die Neue Freie Presse sei »als Sprungbrett nicht zu verachten. Man kann sich auch bücken, um besser und weiter springen zu können.« Doch Kraus, der zu dieser Zeit bereits Hassgefühle gegen das Weltblatt der Monarchie und dessen vermeintlichen Meinungsterror aufgebaut hatte, war anderer Auffassung: »Es gibt zwei schöne Dinge auf der Welt: der >Neuen Freien Presse< anzugehören oder sie zu verachten. Ich habe nicht einen Augenblick geschwankt, wie ich zu wählen hätte..«

Erwählte die »Fackel«. Schon im ersten Heft, das 1899 erschien, veröffentlichte Karl Kraus sein Motto: »Das politische Programm dieser Zeitschrift scheint somit dürftig; kein tönendes >Was wir bringen<, aber ein ehrliches >Was wir umbringen< hat sie sich als Leitwort gewählt.« Kraus wollte die Lüge, vor allem die journalistische, umbringen, die Phrasendrescherei, die Hohlheit des Zeitgeistes. Er befand sich in permanentem Rundumkampf, auch frühere Freunde - so den erwähnten Maximilian Harden - griff er an, den Journalisten Alfred Kerr, den er bezichtigte, die Privatsphäre unzulässigerweise verletzt zu haben, und am meisten Imre Bekessy, den Herausgeber und Chefredakteur der »Stunde«. Die Auseinandersetzung der beiden gilt als ein Höhepunkt der neueren österreichischen Pressegeschichte. Zum geflügelten Wort wurde der Titel, den Bekessy über eine Sammlung von seiner Meinung nach unverständlichen, weil langatmigen Sätzen aus Kraus-Artikeln setzte: »Wos will er?« Prompt replizierte Karl Kraus in der »Fackel«: »Hinaus aus Wien mit dem Schuft! Dos will er.«

Polemik ist der Inhalt des journalistischen Lebens von Karl Kraus gewesen. Er meinte, Gift nur durch Gegengift bekämpfen zu können. Er war erbarmungslos, wenn es darum ging, die Sprache und damit die Wahrheit zu verteidigen. Privat war er ein introvertierter, zeitweilig überaus charmanter Mensch, aber er hat nie eine Familie gegründet: das Wort Familienbande, meinte er, habe einen fatalen Beigeschmack von Wahrheit. Seine Beziehungen zu Frauen endeten zumeist unglücklich, nur mit Sidonie Nadherny von Borutin, Schlossherrin in Janovice, verband ihn eine fast lebenslange Liebe. Er ist 1911 - im selben Jahr, da er begann, die Fackel ganz allein zu schreiben – zum katholischen Glauben übergetreten, der Architekt und Kunstkritiker Adolf [Loos|AEIOU/Loos,_Adolf] war sein Taufpate. Mit dem Bemerken »Ich mische mich nicht in meine Privatangelegenheiten« verzichtete Karl Kraus darauf, seinen Religionswechsel zu publizieren - den er nach dem Ersten Weltkrieg wieder rückgängig machte. Die Gründe dafür werfen ein bezeichnendes Licht auf den kritischen Geist des »Fackel«-Herausgebers: Er trat wieder aus der Kirche aus, weil in Italien der Gottesmutter offiziell die Tapferkeitsmedaille verliehen worden war und in Salzburg der Erzbischof die Kollegienkirche zur Aufführung von Hofmannsthals »Großem Welttheater« zur Verfügung gestellt hatte, aus Fremdenverkehrsgründen, wie es hieß.

Karl Kraus hasste den Krieg - sein monumentales Werk »Die letzten Tage der Menschheit« ist der eindrucksvollste Beweis dafür - und er hasste jede Art von doppelbödiger Moral. Er war im Schwarzweißdenken verhaftet, auch in politischen Belangen. So verehrte er -was heute häufig vergessen wird - Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, nannte ihn den »kleinen Retter aus der großen Gefahr«, nämlich des Nationalsozialismus, und meinte, gegen ihn »keiner satirischen Anwandlung fähig« zu sein. Und im Mai 1933 schrieb er in Janovice, was seither gleichfalls zu einem der geflügelten Kraus-Worte geworden ist: »Mir fällt zu Hitler nichts ein. Ich bin mir bewusst, dass ich mit diesem Resultat längeren Nachdenkens und vielfacher Versuche, das Ereignis und die bewegende Kraft zu erfassen, beträchtlich hinter den Erwartungen zurückbleibe.« Es gehört zu den Schicksalhaftigkeiten des Menschenlebens, dass die Krankheit häufig dort zuschlägt, wo sie auch psychisch am meisten verwundet. Karl Kraus, der große literarische Denker, starb an Gehirnschlag. Der Tod befreite ihn von der Sorge, sich 1938 zu Hitler doch noch etwas einfallen lassen zu müssen.


Literatur:

  • N. Wagner, Geist und Geschlecht, K. Kraus und die Erotik der Wiener Moderne, 1982
  • S. P. Scheichl und E. Timms, K. Kraus in neuer Sicht, 1986
  • K. Krolop, Sprachsatire als Zeitsatire bei K. Kraus, 1987
  • P. Schick, K. Kraus, 1999
  • W. Welzig (Hg.), Wörterbuch der Redensarten zu der von K. Kraus 1899 bis 1936 herausgegeben Zeitschrift Die Fackel, 1999
  • Neue Deutsche Biographie


Essay#

Licht aus der Fackel #

Er wurde zur Legende, sein Werk zum Steinbruch, aus dem sich Ghostwriter, Zwergpolemiker und Stadtmarketing so schamlos wie ungestraft bedienen. Zum 75. Todestag von Karl Kraus.#


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus: DIE FURCHE (26. Mai 2011)


Von

Reinhard Deutsch


Karl Kraus
„Er liebte die Menschen, aber er ließ es sie nicht wissen. Er suchte nach Freunden, aber die meisten fürchteten ihn.“
Foto: © Trude Fleischmann/Wien Museum

In wenigen Jahren, wenn die Jubiläumstage des Ersten Weltkrieges für eine entsprechende Publikationsflut sorgen, die jetzt schon aus den editorischen Startlöchern quillt, wird allenthalben auf den Spielplänen „Die letzten Tage der Menschheit“ auftauchen. Das überdimensionale Theaterstück von Karl Kraus, eigentlich „einem Marstheater zugedacht“, hat seine fulminante Bühnenwirksamkeit hinlänglich bewiesen. Nun, da sich am 12. Juni der Todestag von Karl Kraus zum 75. Male jährt, findet sich nichts. Doch vielleicht ist diese Kalenderdramaturgie auch nicht notwendig, denn Karl Kraus ist nicht vergessen, wichtiger noch – er ist lebendig geblieben in seinen Texten und in seiner Wirkung.

Zwischen seiner Geburt am 28. April 1874 in Gitschin/Böhmen und seinem Herztod 1936 in Wien liegt das Leben dieses vom Kampf um Wort und Wahrheit Besessenen. Er war Jude, aber aus der Kultusgemeinde ausgetreten. Er liebte die Menschen, aber er ließ es sie nicht wissen. Er suchte nach Freunden, aber die meisten fürchteten ihn. Karl Kraus war immer parteiisch, und gewiss hat er sich auch oft verrannt. In seinem riesenhaften Gesamtwerk waren manche Übergänge fließend. Zwischen dem 1. April 1899 und Februar 1936 erschienen die 922 Nummern der Fackel, Tausende Seiten, zum größten Teil (ab 1911 ausschließlich) von ihm selbst geschrieben.

Früher Aufklärungsjournalismus#

Die Sekundärliteratur über ihn füllt eine Bibliothek, und doch muss jede Generation wieder ihren eigenen Zugang zu seinem Werk suchen – ein Werk, das auf dem Buchmarkt noch lange nicht durchgesetzt ist (auch wenn es erfreulicherweise in einer umfassenden und erschwinglichen Ausgabe erwerbbar ist). Dankenswert: Die Akademie der Wissenschaften hat in einer großartigen Arbeitsleistung den „Fackel-Server“ eingerichtet. Damit ist nicht nur die gesamte Fackel online für jeden und kostenfrei greifbar und zugänglich, sondern auch in nie dagewesener Weise erschlossen. Die bisherigen Register der Ausgaben waren zwar herkulische Einzelleistungen, aber doch unvollständig. Nun ist das Werk wirklich da, in seiner unendlichen Vielschichtigkeit. Ausreden gelten nicht. Ein Werk, das neben der Fackel Essaybände, Gedichte, Briefe, Dramen, Kritiken, Übersetzungen und Bearbeitungen umfasst. Und Vorlesungen. 700 waren es insgesamt, in denen er leidenschaftlich für andere (Nestroy, Offenbach, Shakespeare) eintrat oder sich gegen sie wandte (Harden, Heine). Wie kein zweiter wetterte Kraus gegen die Käuflichkeit der Presse, unerschrocken nahm er eine Form des Aufklärungsjournalismus vorweg, die hierzulande erst spät Nachfolger gefunden hat.

Eigener Zugang zu Karl Kraus
Jede Generation entdeckt ihn neu, findet einen eigenen Zugang. So entstehen Bilderwelten, die dem Theaterdichter Karl Kraus ebenso gerecht werden wie dem Satiriker, dem Lyriker wie dem Verzweifelten.
Foto: © EPA

In den zwanziger Jahren, als die Wiener Zeitungslandschaft von Imre Békessy dominiert war, in einer heute unvorstellbaren Art und Weise, gegen die heutige Boulevardauswüchse nahezu harmlos erscheinen mögen (allerdings auch nur innerhalb dieses Vergleichs …), führte Kraus beinahe einen Alleinfeldzug gegen die Käuflichkeit der Medien, gegen das Schweigen der Kartelle, gegen die Ablehnung, die auch weite bürgerliche Kreise gegen den Unruhestifter zeigten. Die Wirkung der kleinen roten Fackel-Hefte war groß – doch gleichzeitig erscheint sie aus heutiger Sicht überhöht. In den Erinnerungen so vieler Intellektueller, Dichter, Künstler spielt Die Fackel eine große Rolle, sie hatten sie im Ohr, wie etwa Canetti es nannte. Die Schilderungen der Lesungen erzählen von ungeheuren Abenden, oft im Konzerthaus, von dem Einmann-Theater am Lesepult, häufig mit kongenialer Klavierbegleitung wie etwa von Georg Knepler. Natürlich gab es nicht nur Bewunderer und Freunde. Kraus pflegte Feindschaften mit großer Sorgfalt, und die Polemiken mit Franz Werfel oder Anton Kuh („Der Affe Zarathustras“) sorgten für Tagesgespräch und literarischen Niederschlag.

Aufschrei über den moralischen Niedergang#

Es gibt Tonaufnahmen, ja es gibt sogar einen Film aus dem Jahr 1934 (ach welches Kino zeigt ihn, zu schweigen: welcher Sender …), an denen sich die Faszination erahnen lässt, der verbale Sturm, das Donnerwetter, mit dem Karl Kraus über seine Zuhörer hergefallen ist, wenn er ihnen Nestroy – den wir ohne ihn vielleicht immer noch für einen lustigen Vorstadtdichter halten würden – mit allen Rollen, in vielen Zungen vorlas, vorspielte, vorschrie, vorflehte. Seltsame Fügung, dass ein anderes Außenseitergenie der österreichischen Kultur, Helmut Qualtinger, als Einmannensemble „Die letzten Tage“ über viele Jahre der Vergessenheit hinweggerettet hat: dieses Stück, das ja wahrhaftig kein Text über den „Krieg der Großväter“ ist, sondern ein allgemeingültiger Aufschrei über den moralischen Niedergang der Menschen wie der Menschheit. Die Verrohung, die wachsende Gleichgültigkeit über gemordetes Menschenmaterial sind uns allen nicht fremd. Karl Kraus beschränkte sich bewusst auf den österreichisch- deutschen Aspekt, schließlich saß er mitten in Wien und hatte keine anderen Informationsmittel als die anderen auch, die Zeitungen und offiziellen Berichte, die Proklamationen und öffentlichen Auftritte, die Unsäglichkeiten und das Ungesagte.

Die Fackel
Die Fackel
Foto: © Die Furche

Zwischen Polemik und Liebeslyrik#

So schrieb dieser „Phonograph der Melodien seiner Zeit“ bis in den kleinsten Tonfall hinein alles auf, was ihm wichtig erschien – und da konnte auch das Geringste Anlass bieten zur streitbaren Auseinandersetzung. Im Bild der Mit- und Nachwelt dominiert die Wahrnehmung des Sich-Einmischers, der den Polizeipräsidenten zum Rücktritt auffordert, des Polemikers, des einsamen Wolfes der nächtlichen Kaffeehausarbeit, der sich aufopfert in der jahrzehntelangen Erfüllung des selbst gewählten Sisyphus-Programmes. Dahinter ist der liebende, der zärtliche Mann ebenso verschwunden wie der Lyriker, dessen Shakespeare-Sonette Übertragungen von seltsamer Sprödigkeit sind. Kraus’ Briefe an Sidonie Nádherný, ein Liebesroman über 23 Jahre hinweg, lassen erkennen, zu welchen Gefühlen er wirklich fähig war.

Karl Kraus wirkt nach, sein Wort wird nicht verklingen. Mag auch die eine oder andere Polemik an Frische verloren haben, ein Werk wie „Die Dritte Walpurgisnacht“ wird in alle Ewigkeit Zeugnis ablegen von dem Mut, von der Klarsicht des Mannes, dem „zu Hitler nichts einfiel“ (wie gerne zitiert wird) und der diesem Satz einen tränenerstickten Aufschrei von einigen Hundert Seiten folgen ließ (wie gerne übersehen wird).

Kraus dient vielen als Steinbruch für Zitate, als gutsortierter Spenderautomat für billige Polemik, als Sammelstrand für Bildungsstrandgüter. O über die, die ihn zitieren, ohne wenigsten nachzusehen, was da wirklich steht, was da wirklich gemeint sein mag. Aber Kraus wird es aushalten.

Annäherung an einen Nahelosen #

„Weltgericht“, „Untergang der Welt durch schwarze Magie“, „Die letzten Tage der Menschheit“, „Sittlichkeit und Kriminalität“ – es geht in den Kraus’schen Büchern immer um das Ganze, das sich im Kleinsten wiederfi nden mag. Der unscheinbarsten Zeitungsnotiz lauscht er ein Drama ab, das scheinbar größte Drama vermag er auf einen Nebensatz zu reduzieren, indem er ihm die heiße Luft auslässt. Vor hundert Jahren beklagte er schon Engstirnigkeit, Lieblosigkeit, fehlende Zivilcourage als die Elemente des Niedergangs. Es ist bestürzend und faszinierend zugleich, festzustellen, dass sich nicht nur die Menschen nicht geändert haben. Auch der Wortlaut der Brutalität, der Verachtung, der Vernichtung ist gleich geblieben. Das „blutgemütliche Etwas“ nistet in der sinnleeren Sprachhülse von mancher Politik, Werbung, Publizität.

Kraus-Lektüre stärkt das seelische Immunsystem. Und das ist gar nicht wenig für einen Dichter, der vor 75 Jahren gestorben ist.

DIE FURCHE, 26. Mai 2011



Essay#

Nicht alles Gute kommt von Kraus#

„Der Österreicher unterscheidet sich vom Deutschen durch die gleiche Sprache" - ein bekanntes Bonmot, aber wer hat es geprägt? Eine Recherche.#


Von der Wiener Zeitung (Sa./So., 23./24. Juli 2011) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Von

Robert Sedlaczek


Österreich und Deutschland
Österreich und Deutschland - nahe beieinander, und doch voneinander getrennt.
Foto: © Erwin Wodicka

Es muss Anfang der achtziger Jahre gewesen sein, da habe ich mir die Reprintgesamtausgabe der "Fackel" gekauft. Seither steht sie beleidigt im obersten Bücherregal. Ich habe selten Zeit gefunden, in dem voluminösen Werk zu schmökern. Nur einzelne Bände werden hin und wieder aus den lichten Höhen heruntergeholt - immer dann, wenn ich ein bestimmtes Zitat suche. In dem zwölfbändigen Werk, das einen knappen Meter in Anspruch nimmt, stecken inzwischen viele gelbe Zettel als Suchhilfe.

Seit Kurzem ist alles anders. Karl Kraus ist mehr als 70 Jahre tot, seine Werke sind frei und die Österreichische Akademie der Wissenschaften konnte ihre gründlich aufbereiteten EDV-Daten der "Fackel" ins Netz stellen. Wenn Sie also ein Kraus-Zitat zur Schuldebatte suchen, geben Sie "Schule" oder "Noten" ein, und schon werden Sie fündig! "Die Schule ohne Noten muss einer ausgeheckt haben, der von alkoholfreiem Wein besoffen war." Das ist ja das Schöne an Karl Kraus: Seine Aphorismen passen immer irgendwie.

Allerdings ist nicht alles, was in Zitatensammlungen Kraus zugeordnet wird, auch wirklich von ihm. Wer Kraus-Zitate auf ihre Echtheit überprüft, erlebt seine Überraschungen. "Der Österreicher unterscheidet sich vom Deutschen durch die gleiche Sprache." Das ist ein Beispiel für einen falschen Kraus.

Entstellte Zitate#

Manche Zitate werden entstellt. In mehreren Sammlungen habe ich den Aphorismus gefunden: "Kleine Nationen sind stolz darauf, dass die Schnellzüge an ihnen vorbeifahren müssen." Unter "Nation" lässt sich auf der "Fackel"-Website nichts finden. Nur "Schnellzüge" bringt ein Ergebnis. Das Originalzitat lautet nämlich: "Die kleinen Stationen sind sehr stolz darauf, dass die Schnellzüge an ihnen vorbei müssen."

"Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken." Auch das wird gern zitiert. Wolf Schneider stellt den Satz an den Beginn seines Buches "Deutsch für Profis". In der "Fackel" klingt er anders: "Es genügt nicht, keinen Gedanken zu haben: man muss ihn auch ausdrücken können."

Den wahren Urheber ausfindig zu machen, gestaltet sich bei den meisten der falschen Kraus-Zitate als schwierig. Beim Aphorismus "Der Österreicher unterscheidet sich vom Deutschen durch die gleiche Sprache" kann ich eine jahrelange Suche, die von der Zeitschrift "Österreich in Geschichte und Literatur" in Form einer Umfrage initiiert worden war, für beendet erklären.

Dass Karl Kraus nicht der Urheber sein kann, bestätigte die Akademie der Wissenschaften - der Aphorismus ist im gesamten Kraus-Corpus nicht zu finden, weder in der "Fackel" noch in den anderen Schriften. Außerdem hat der Kraus-Experte Professor Sigurd Paul Scheichl darauf hingewiesen, dass der Inhalt nicht zu den Vorstellungen der Zwischenkriegszeit passt, auch nicht zum Kraus’schen Sprachverständnis.

Es lag der Verdacht nahe, dass es sich um eine Lehnübersetzung aus dem Englischen handelt, wo ähnliche Vergleiche zwischen dem amerikanischen und dem britischen Englisch gemacht werden. Experten haben auf George Bernhard Shaw getippt: "England and America are two countries divided by a common language."

Im Werk von Shaw ist dieser Satz allerdings nicht zu finden. Shaw und Kraus erleiden also posthum das gleiche Schicksal: Ihnen werden Aphorismen unbekannter Herkunft unterschoben - weil man sie ihnen zutraut.

Der wahre Urheber des englischen Aphorismus ist Oscar Wilde. In "The Canterville Ghost", bei uns seit langem eine Schullektüre, findet sich der Satz: "We have really everything in common with America nowadays, except, of course, language." Das klingt holpriger als jene Version, die Shaw zugeschrieben wird. Vermutlich hängt dies damit zusammen, dass Bonmots mit unklarer Urheberschaft ungeniert verbessert werden.

Wie ist das Zitat in Österreich populär geworden? Die Zeitschrift "Österreich in Geschichte und Literatur" hat eruiert, dass der älteste nachgewiesene Beleg von Alexander Lernet-Holenia stammt. Der Satz stand im Februar 1957 in der Zeitschrift "Der Monat": "Der Österreicher, der die gleiche Sprache spricht wie der Deutsche, unterscheidet sich vom Deutschen vor allem durch die Sprache."

Ohne Lernet-Holenias Bedeutung für die österreichische Literatur schmälern zu wollen - dass diese nicht gerade brillante Formulierung von einem Beitrag im "Monat" einen Siegeszug in die Feuilletons angetreten hat, ist unwahrscheinlich.

Zeitlich passt die Geschichte aber schon, fällt sie doch in eine Phase eines gesteigerten Selbstbewusstseins der Österreicher. Auch Ingeborg Bachmann hat sich in dieser Gedankenwelt bewegt. In ihrem nachgelassenen Fragment "Requiem für Fanny Goldmann" finden sich die Worte: ". . . dass man wirklich mit den Deutschen einiges gemeinsam hatte, (. . .) in vieler Hinsicht alles, natürlich mit Ausnahme der Sprache."

Wie ist also die Lehnübersetzung nach Österreich gelangt? Die Vermutung liegt nahe, dass es österreichische Emigranten waren, die diese Wendung aus den USA oder aus England in ihre Heimat brachten. Zunächst kamen die üblichen Verdächtigen ins Spiel: Alfred Polgar zum Beispiel. Oder Friedrich Torberg. Oder Hans Weigel. Der war allerdings in der Schweiz im Exil. Er dementierte die Urheberschaft mit den Worten: "Ich kenne die Wendung, sie gefällt mir so gut, dass es mir leid tut, sie nicht erfunden zu haben."

Tatsächlich nach Amerika emigriert ist Karl Farkas. Im August 1946 kehrte er von New York nach Wien zurück. "Freitags trage ich noch für die russische Kulturstelle vor und Samstag für die Briten (. . .) Allwöchentlich arbeite ich im amerikanischen Radio eine halbe Stunde", schrieb Farkas in einem Brief über seine Tätigkeit in der Viermächtestadt. Berühmt wurde er mit seiner im Sender "Rot-Weiß-Rot" ausgestrahlten Improvisationssendung "Aktualitätlichkeiten". Nach dem Staatsvertrag hatte er im ORF-Radio die Livesendung "Was meinen Sie, Herr Farkas?"

Des Rätsels Lösung#

Als am 1. August 1955 erstmals ein Fernsehtestprogramm ausgestrahlt wurde, war einer der Höhepunkte das erste Fernsehkabarett Österreichs: "Televisio-närrisches" von und mit Karl Farkas. Am 30. September 1957 flimmerte dann die erste "Bilanz des Monats" über die Schirme. Alle diese Beiträge, besonders die aus dem Radiozeitalter, sind schlecht oder gar nicht dokumentiert. Vielleicht würde niemals Licht ins Dunkel kommen?

Durch Zufall bin ich doch noch fündig geworden: auf einer CD der "Wiener Städtischen" mit dem Titel "Kabarett aus Österreich". Ich hatte das Werbegeschenk aus den achtziger Jahren ganz hinten im Regal deponiert gehabt und dann vergessen.

Eines Tages fällt mir die CD in die Hände und ich lege sie in das Abspielgerät. Der erste Beitrag heißt "Karl Farkas conferiert über die Kunst". Er beginnt mit den Worten: "Ich mache mir ernstliche Sorgen um die Zukunft der österreichischen Literatur. Schauen Sie, Grillparzer ist tot, Nestroy ist tot - und ich bin auch nicht mehr der Jüngste ... Mit der deutschen Literatur ist es etwas anderes. Aber wir Österreicher unterscheiden uns doch von den Deutschen durch so mancherlei, besonders durch die gleiche Sprache."

Das ist besser formuliert als beim falschen Shaw oder beim richtigen Wilde. Das Subjekt des Satzes sind nicht die Länder Österreich und Deutschland, sondern deren Einwohner. Leider ist auf dem Begleitheft der CD die Conference nicht datiert. In der Conference selbst gibt es einen Hinweis. Farkas sagt, dass im Louvre "die Mona Lisa jetzt wieder an der Wand hängt und lächelt". Im Jahr 1956 hatte das Bild zwei Attacken zu überstehen, es wurde beschädigt und musste restauriert werden.

In einer gezielten Suche habe ich mir dann in der Nationalbibliothek Bücher über Farkas ausheben lassen. In einem ist der Beitrag abgedruckt: gleich auf der ersten Seite des 1988 erschienenen Buches: "Ins eigene Nest. Also sprach Karl Farkas". Herausgeber Hans Veigl konnte die Conference sogar datieren: Es war die "Bilanz des Jahres 1957", ausgestrahlt am 30. Dezember 1957. Außerdem findet sich die Conference in der "Bilanz des Monats" vom April 1961, in jener vom Feber 1963 und in der "Bilanz der Saison" vom Winter 1963. Wie im Kabarett üblich, hat Farkas Bonmots, Sketches und Szenen vielfach verwendet. Der infrage stehende Satz ist also mindestens vier Mal im ORF-Fernsehen gefallen. Ob Farkas das Bonmot schon vorher im Radio gebracht hat? Kann sein. Es wird sich wohl nicht eruieren lassen.

Vielleicht geht es aber gar nicht darum, wer erstmals den Gedanken Oscar Wildes auf die deutsche Sprache übertragen hat. Er lag damals in der Luft. Entscheidend ist, wer den Aphorismus auf Deutsch so prägnant formuliert hat, dass er populär werden konnte. Dieses Rennen gewinnt Karl Farkas um Meilen vor Lernet-Holenia.

Wie funktioniert dieser Aphorismus? Im Hintergrund steht die Annahme: "Österreicher und Deutsche sprechen verschiedene Sprachen." Daraus folgt: "Die Österreicher und die Deutschen unterscheiden sich durch die Sprache." Der Witz entsteht in der endgültigen Version dadurch, dass sich zwei Nationen durch das Gleiche unterscheiden.

Allerdings können das österreichische Deutsch und das deutsche Deutsch nicht als zwei Sprachen gelten. Es handelt sich um verschiedene Ausformungen der gleichen Sprache. So wie das amerikanische Englisch und das britische Englisch Varietäten des Englischen sind.

Und wer kann genau definieren, was eine Sprache ist? Der Sprachwissenschafter Max Weinreich, spezialisiert auf das Jiddische und Professor am City College in New York, hat 1945 einen Satz publiziert, der auf diese schwierige Grenzziehung anspielt: "Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee und einer Marine." Weinreich will den Satz nicht selbst geprägt haben, er legt ihn einem seiner Schüler in den Mund.

Wahrscheinlich funktioniert der von Farkas popularisierte Aphorismus deshalb so gut, weil wir die Bedingungen Weinreichs beinahe erfüllen.

Aber nur beinahe. Wir haben keine Marine.

Robert Sedlaczek

Robert Sedlaczek, geboren 1952 in Wien, ist seit 2005 Kolumnist der "Wiener Zeitung". Zahlreiche Bücher über die Sprache.

Die Alltagssprache Österreichs#

Das „Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs“, das Robert Sedlaczek zusammen mit Melitta Sedlaczek erarbeitet hat, verzeichnet mehr als 2500 Wörter und Wendungen, die im Österreichischen heimisch sind. Die Bedeutungen der Wörter werden erklärt – und zugleich wird ihre Herkunft dargelegt. So erfährt man beispielsweise, dass sich das Verb „kiefeln“ aus dem mittelhochdeutschen „kifelen“ herleitet, und eigentlich „nagen“ bedeutet. In übertragenem Sinn drückt es aus, dass jemand intensiv mit einem Problem beschäftigt ist.

Robert Sedlaczek: Wörterbuch der Alltagssprache Österreichs. Haymon Verlag, Innsbruck 2011, 335 Seiten, 12,95 Euro.


Wiener Zeitung, Sa./So., 23./24. Juli 2011



Hörprobe#


Österreichische Mediathek Hörprobe


Die letzten Tagen der Menscheit.
Ausschnitt: Die Raben

Vorlesen



Quellen:


Redaktion: I. Schinnerl






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