Anton Kreißl

Anton Kreißl

Anton Kreißl (* 14. Februar 1895 in Hochlibin bei Podersam; † 28. Juni 1945 in Rabstein) war ein sudetendeutscher Rechtsanwalt, Mitglied des Reichstags und SS-Führer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kreißl besuchte bis 1914 das Gymnasium in Tetschen. Schon während seiner Schulzeit war er Mitglied völkisch-orientierter Schülerorganisationen, weswegen er mehrfach von der Schulbehörde bestraft wurde. Nach Abschluss seiner Schullaufbahn studierte er bis zum Eintritt in die Armee Rechtswissenschaft an der Universität Prag, wo er 1918 der Burschenschaft Constantia (heute Münchener Burschenschaft Sudetia) beitrat, und in Innsbruck. Zwischen 1915 und 1918 nahm Kreißl als Offizier der k.u.k. Armee auf Seiten Österreich-Ungarns am Ersten Weltkrieg teil. Von Dezember 1915 bis 1918 war er an Fronteinsätzen in Russland und Italien beteiligt. Nach Kriegsende war er Angehöriger der Sudetendeutschen Volkswehr. Kreißl begründete den sudetendeutschen nationalsozialistischen Studentenbund in Prag und war dessen 1. Vorsitzender. Kreißl wurde 1919 Mitglied der DNSAP und nahm Aufgaben in deren Führungsebene wahr. Er setzte sein Studium im selben Jahr fort und promovierte 1921 in Innsbruck zum Dr. jur.. Bis 1926 war Kreißl danach Rechtsanwaltsanwärter. Zudem begründete er den sudetendeutschen nationalsozialistischen Juristenbund und war ebenfalls dessen Vorsitzender bis zum Verbot dieser Organisation im Herbst 1933. Ab 1931 war er im Stadtrat von Bodenbach. Nach dem Verbot der DNSAP 1933 verlor er sämtliche öffentlichen Ämter. Von 1926 bis Anfang Oktober 1938 war Kreißl als Rechtsanwalt in Bodenbach und Tetschen tätig. Kreißl war Mitglied der SdP, wurde aber im Mai 1936 wegen Treulosigkeit aus der Partei ausgeschlossen. Nach wenigen Monaten wurde er auf Druck des Deutschen Reichs wieder in die Partei aufgenommen und gehörte ab Oktober 1936 dem Führungsrat der Partei an. Zudem war er dort Hauptleiter für Selbstverwaltung.[1] Außerdem war Kreißl der Vertreter des NSDAP-Reichshauptstellenleiters Hans Krebs im Sudetenland. Am 23. August 1938 wurde er Bürgermeister von Bodenbach.

Kreißl wurde nach der Ergänzungswahl am 4. Dezember 1938 Mitglied des nationalsozialistischen Reichstages für die, durch das Münchener Abkommen dem Deutschen Reich zugeschlagenen, sudetendeutschen Gebiete.[2] Bis zum Frühjahr 1945 war Kreißl Reichstagsabgeordneter der NSDAP, da die SdP bereits im Herbst 1938 in die NSDAP eingegliedert wurde. Kreißl gehörte nun der NSDAP (Mitgliedsnr. 6.600.842) und auch der SS (Mitgliedsnr. 313.996) an, in der er 1942 den Rang eines Brigadeführers erreichte.[3] Kreißl wurde noch 1938 Gauamtsleiter für Kommunalpolitik, bereits 1939 Gauhauptmann im Sudetenland und ab 1940 Gauorganisationsleiter der NSDAP. Ab 1943 leitete er die Kommunalabteilung im Reichsinnenministerium.[2] Nach Kriegsende wurde Kreißl im Lager Rabstein interniert, wo er im Juni 1945 ermordet wurde.[1]

Einzelnachweise

  1. a b Joachim Lilla (Bearbeiter): Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933-1945, Düsseldorf 2004, S.592.
  2. a b Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 338
  3. Biografie von Anton Kreißl (Version vom 12. April 2003 im Internet Archive) auf Axis Biographical Research (englisch)

Literatur

  •  Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. 2. Auflage. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8.
  •  Erich Stockhorst: 5000 Köpfe. Wer war was im Dritten Reich. Arndt, Kiel 2000, ISBN 3-88741-116-1.
  •  Joachim Lilla, Martin Döring, Andreas Schulz: Statisten in Uniform: Die Mitglieder des Reichstags 1933–1945. Ein biographisches Handbuch. Unter Einbeziehung der völkischen und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten ab Mai 1924. Droste, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-5254-4.
  •  Klaus D. Patzwall: Das Goldene Parteiabzeichen und seine Verleihungen ehrenhalber 1934–1944. Patzwall, Norderstedt 2004, ISBN 3-931533-50-6.
  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 3: I–L. Heidelberg 1999, S. 170–171.

Weblinks