Augustinbrunnen

Der Augustinbrunnen in Wien

Der Augustinbrunnen ist ein Brunnen am Augustinplatz im 7. Wiener Gemeindebezirk Neubau.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am Standort des heutigen Augustinbrunnens befand sich im 17. Jahrhundert eine Pestgrube, in die der Bänkelsänger und Sackpfeifer Marx Augustin („Der liebe Augustin“) versehentlich geworfen wurde, aber aufgrund seines Dudelsackspiels schließlich gerettet werden konnte. 1861 wollte der Volkssänger Johann Fürst aus den Einnahmen eines geplanten „Unterhaltungsabends“ ein Standbild zu Ehren Marx Augustins errichten lassen, wozu es jedoch nicht kam. Am Strohplatzl, wie der heutige Augustinplatz früher genannt wurde, befand sich offenbar bereits im 19. Jahrhundert ein Brunnen.

Der Augustinbrunnen wurde vom Bildhauer Hans Scherpe geschaffen und am 4. September 1908 vom Wiener Bürgermeister Karl Lueger enthüllt. Angeblich wurde der Brunnen zu besonderen Anlässen mit Wein betrieben. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die aus Bronze gefertigte Skulptur eingeschmolzen, ein Schicksal, das der Augustinbrunnen zu dieser Zeit mit anderen Wiener Brunnen und Skulpturen teilen musste. Kurz nachdem das Standbild abmontiert wurde, soll jemand auf den Sockel geschrieben haben: „Der schwarzen Pest bin ich entronnen, die braune hat mich mitgenommen“.

Nach Kriegsende regte der Verein Alt-Wiener Bund die Errichtung einer neuen Statue an. Die heutige Augustin-Figur aus Sandstein wurde von Josef Humplik geschaffen und am 18. Oktober 1952 von Stadtrat Johann Mandl feierlich enthüllt.[1][2] Nachdem der kleine Platz, auf dem sich der denkmalgeschützte[3] Brunnen befindet, umgangssprachlich Augustinlplatzl genannt wurde, erhielt er 2009 offiziell den Namen Augustinplatz, als Namensgeber diente neben Marx Augustin die Sängerin Liane Augustin.[4]

Gestaltung

In der Mitte der flachen Brunnenschale befindet sich ein vierkantiger Sockel mit der Inschrift „Augustin-Brunnen. Von der Gemeinde Wien errichtet unter Bürgermeister Dr. Karl Lueger im Jahre 1908“. Die Inschrift an der Rückseite lautet „Ich war hin, nun habt's mich wieder und nun hört's auf meine Lieder“. Die Wasserauslässe an der vorderen, linken und rechten Seite des Sockels sind mit Ornamenten geschmückt, die Weinreben darstellen. Auf dem Sockel thront die Figur des lieben Augustin, der mit überkreuzten Beinen steht und seinen Dudelsack hält. Die Bronzeskulptur von 1908 stellte ebenfalls den lieben Augustin mit seinem Dudelsack dar, hatte mit der heutigen Statue aber wenig Ähnlichkeit und war größer und detaillierter ausgeführt.

Einzelnachweise

  1. Der neue Liebe Augustin. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 19. Oktober 1952, S. 4.
  2. Wien im Rückblick, Oktober 1952 – Der neue Liebe Augustin
  3. Verordnung des Bundesdenkmalamtes betreffend den 7. Wiener Gemeindebezirk Neubau (PDF-Datei, 19 kB)
  4. wien.at – Feier zur Benennung des Augustinplatzes

Literatur

  • DEHIO Wien – II. bis IX. und XX. Bezirk. Schroll, Wien 1996, ISBN 3-7031-0680-8.
  • Josef Donner: Auf springt der Quell – Wasser im Stadtbild – Ein Wiener Brunnenlexikon (II. – IX. und XXII. Bezirk), 2. Band, Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach ÖVGW, Wien 2002

Weblinks

48.20538888888916.351319444444Koordinaten: 48° 12′ 19″ N, 16° 21′ 5″ O