Bürgerspital (Wien)

Das ab dem 16. Jahrhundert entstandene Wiener Bürgerspital am Schweinemarkt war ein großer Gebäudekomplex, der sich vom heutigen Lobkowitzplatz bis zur Kärntner Straße erstreckte.

Geschichte

Das mittelalterliche Bürgerspital vor dem Kärntner Tor, das im Laufe der Jahrhunderte durch Schenkungen und Vermächtnisse zu einem stattlichen Gebäudekomplex herangewachsen war, musste 1529 angesichts der drohenden Türkenbelagerung aus strategischen Gründen abgerissen werden. Die Insassen wurden in das praktisch leer stehende Clara-Kloster der Klarissen am Schweinemarkt verlegt, dessen Bewohnerinnen zumeist vor der drohenden Kriegsgefahr geflohen waren. 1530, nach erfolgreich überstandener Belagerung, schenkte Erzherzog Ferdinand der Stadt Wien das Nonnenkloster, die es zu Spitalszwecken und als Versorgungsheim widmete. Der Komplex wurde schrittweise erweitert und aufgestockt. Er beherbergte bis zu 3000 Personen.

Zwischen 1783 und 1790 wurde aus dem Komplex ein Zinshaus mit 10 Höfen, 20 Stiegen und 220 Wohnungen. Die früheren Insassen wurden ins Versorgungshaus Sankt Marx, die Waisenkinder in das Waisenhaus am Rennweg abgesiedelt. Die bedeutenden Erträgnisse des Bürgerspital-Zinshauses kamen dem Bürgerspitalfonds zugute.

Zwischen 1875 und 1883 wurde der gesamte Komplex samt Kirche durch die Allgemeine österreichische Baugesellschaft abgerissen und durch gründerzeitliche Neubauten wie den Kärntner Hof, den Philipphof und das Gebäude der Riunione Adriatica ersetzt.

48.20488888888916.3695Koordinaten: 48° 12′ 18″ N, 16° 22′ 10″ O

Literatur

  • Felix Czeike (Hg): Historisches Lexikon Wien, Bd. 1, S 512ff