Breitenseer Kaserne

Die Breitenseer Kaserne, ursprünglich Kaiser-Franz-Joseph-Kavallerie-Kaserne, befindet sich im Stadtteil Breitensee in Penzing, seit 1938 14. Wiener Gemeindebezirk. Sie besteht aus zwei durch die Breitenseer Straße getrennten Bauteilen, die seit 1967 unterschiedliche Namen tragen. In der Kaserne konnte ein komplettes Kavallerieregiment untergebracht werden.

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Geschichte

Die Kaserne wurde im Rahmen der um die Wende vom 19. zum 20. Jh. durchgeführten Kasernentransaktion, der Verlegung von Heeresstandorten aus dem dicht verbauten Stadtgebiet, 1901–1904 als Ersatz für die dann abgebrochene Josefstädter Kaserne im 8. Bezirk errichtet. Die Bauleitung lag bei der k.u.k. Militär-Bauleitung für die Transactionsbauten in Breitensee.[1]

Bis 1918 war hier Kavallerie der k.u.k. Armee, der gemeinsamen Streitkräfte Österreichs und Ungarns, einquartiert (1904–1914 jeweils ein ungarisches Regiment[2]), in der Zwischenkriegszeit Infanterie des Bundesheers, 1938–1945 der Deutschen Wehrmacht. Während der Besatzungszeit 1945–1955 waren hier französische Soldaten stationiert, da der 14. Bezirk zum französischen Sektor Wiens zählte. 1955 wurden die Einrichtungen wieder vom Bundesheer übernommen. 2010/2011 verhandelt(e) Wohnbaustadtrat Michael Ludwig mit dem Verteidigungsministerium über den Verkauf beider Bauteile der Kaserne an die Wiener Stadtverwaltung.[3]

Biedermann-Huth-Raschke-Kaserne

Biedermann-Huth-Raschke-Kaserne

Die „Kleine Breitenseer Kaserne“ wurde 1901–1903 an der nördlichen Seite der Breitenseer Straße erbaut und beherbergte zwei Eskadronen und einen Pionierzug. Das zugehörige Offizierswohngebäude wurde an der Adresse Breitenseer Straße 82 und 82A errichtet, während das Offizierskasino (Offiziers-Schul- und Menagegebäude) außerhalb des Areals an der nächsten Straßenecke in der Maroltingergasse 2 lag. In diesem befindet sich heute das Bahai Center Austria.

1967 wurde sie „Biedermann-Huth-Raschke-Kaserne“ benannt, nach den drei österreichischen Offizieren der deutschen Wehrmacht Major Karl Biedermann, Hauptmann Alfred Huth und Oberleutnant Rudolf Raschke, die im April 1945 während des Kampfs um Wien als Widerstandskämpfer hingerichtet worden waren. Im November 2012 wurde die rund 23.000 Quadratmeter große Liegenschaft vom Verteidigungsministerium mit einem Mindestpreis von 10,7 Millionen Euro zum Verkauf ausgeschrieben.[4]

Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne

Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne

Die „Große Breitenseer Kaserne“ wurde 1904 an der südlichen Seite der Breitenseer Straße auf einem größeren Grundstück gegenüber der Kleinen Breitenseer Kaserne errichtet. Dieses Gebäude mit Haupteingang Breitenseer Straße 61 bot Platz für vier Eskadronen, Regimentsstab und Kader. Das Areal umfasste u. a. das Stabsgebäude (an der heutigen Leyserstraße), Unteroffizierswohngebäude (an der Spallartgasse, seit 1914 hier Gottfried-Alber-Gasse genannt), vier Mannschaftswohngebäude, drei gedeckte und sechs offene Reitschulen, zwölf Stallgebäude und einen großen Formierungsplatz.[5]

Den Namen Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne erhielt dieser Bauteil der Breitenseer Kaserne 1967 nach dem Ingenieur, Mathematiker und Offizier Jurij Vega und den beiden Polarforschern Julius Payer und Carl Weyprecht, den Leitern der österreichisch-ungarischen Nordpolexpedition. Hier ist die Heeres-Logistik-Schule (ehem. Heeresversorgungsschule HVS) untergebracht.

Einzelnachweise

  1. Christa Veigl: Die Moderne im Kasernenbau. Zur Architektur der um 1900 gebauten Kaiser Franz Joseph-Kavallerie-Kaserne in Wien-Breitensee, in: Wiener Geschichtsblätter, Hrsg. Verein für Geschichte der Stadt Wien, 65. Jg., Heft 4 / 2010, ISSN 0043-5317, S. 281 ff.
  2. Veigl, a. a. O., S. 286
  3. Andreas Anzenberger: Wohnen auf alten Kasernengründen, in: Tageszeitung Kurier, Wien, 7. Februar 2011, S. 18
  4. Nächste Kaserne vor Verkauf, in: Tageszeitung Salzburger Nachrichten, Salzburg, 22. November 2012, S. 11
  5. Historischer Übersichtsplan in: Veigl, a. a. O., S. 283

Literatur

  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Kremayr und Scheriau, ISBN 3-218-00543-4
  • Klaus Bachmann: Von der Kavallerie zur Militärlogistik. Standortgeschichte, Formationsgeschichte und Traditionspflege der Heeresversorgungsschule und der Breitenseer Kasernen. Heeresversorgungsschule, Wien 2006, Inhaltsverzeichnis (PDF; 43 KB).
  • Zu Besuch in Penzinggrad. Der Standard, 25. Februar 2009, 13:34, abgerufen am 13. Februar 2010 (deutsch, "Sub-Dritte-Welt-Standards" und "lebensbedrohliche Umstände" beim Bundesheer? derStandard.at machte sich in der Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne ein Bild).


48.202516.300277777778Koordinaten: 48° 12′ 9″ N, 16° 18′ 1″ O