Burschenschafterturm

Burschenschafterturm (2008)

Der Burschenschafterturm (auch Anschlussturm) ist ein Teil der im frühen 19. Jahrhundert errichteten Maximilianischen Turmlinie in Linz. Er stellte als Teil der Klause Adelgunde den rechten Anschluss der Befestigungsanlage an die Donau dar. Heute dient er als Erinnerungsstätte und Museum der Deutschen Burschenschaft.[1][2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte als Klause Adelgunde

Lageplan der Turmbefestigung Linz

Erbaut wurde die Klause Adelgunde im frühen 19. Jahrhundert aufgrund der Napoleonischen Kriege als Teil einer Wehranlage, die Linz mit ihren 32 Wehrtürmen zu einer befestigten Stadt machte. Links und rechts der Donau lagen die sogenannten Anschlüsse: Direkt am Ufer lag jeweils eine Klause, daran schloss sich eine Mauer an, die den Abhang hinaufführte und an einer Warte endete. An den Klausen waren Eisenringe eingemauert, in die eine Kette zum Absperren der Donau eingehängt werden konnte. Die Klause Adelgunde war mit der heute nicht mehr erhaltenen Warte Walpurga durch eine Anschlussmauer verbunden, woher auch die seit jeher bekannte Bezeichnung Anschlussturm bzw. Anschlussmauer kommt.[3]

1858 war die Befestigungsanlage strategisch überholt und wurde aufgegeben.

Geschichte als Burschenschafterturm

Die verfallene Klause wurde 1917 durch Karl Beurle[4] für die Burschenschaft der Ostmark erworben, um als Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges ausgestaltet zu werden; außerdem wurde ein Gedenkraum für die nach 1918 verlorengegangenen deutschen Hochschulstandorte eingerichtet. 1928 erklärte die Deutsche Burschenschaft, dass „der Turm in Linz […] zu einem Anschlußdenkmal ausgebaut werde“.

1932 wurde für eine Weihe die Inschrift „Ein Volk, ein Reich angebracht. Die Inschrift wurde nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich von den Nationalsozialisten zum „Führergeburtstag“ 1939 zu „Ein Volk, ein Reich, ein Führer erweitert. Nach 1945 wurde sie entfernt.

Nach 1945 wurde das Gedenken um die Toten des Zweiten Weltkrieges erweitert. Der Gedenkspruch lautet: „Gefallen – vermißt – an Wunden gestorben – vertrieben – erschlagen – in Lagern verdorben – für Heimat und Volk – weil sie Deutsche waren – so haben ihr Leben vieltausend gegeben“. Von 1989 bis 1990 und von 2001 bis 2002 wurde der Turm restauriert.[5]

Bedeutung

Museumsbereich im Inneren des Turmes

Für die Deutsche Burschenschaft „stellt sich heute der Turm als Mahnmal für die Gefallenen beider Weltkriege dar, als Museum burschenschaftlicher Geschichte und burschenschaftlichen Gedankengutes und als Erinnerungsstätte daran, dass es über Grenzen und die Einzelstaatlichkeit hinaus ein geistiges Band gibt, welches den gesamten deutschen Volks- und Kulturraum umfaßt.“[6]

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes bezeichnet den Turm als „steinerne Anschlusspropaganda“ und damit als „permanenten Verstoß gegen den Staatsvertrag“, der Österreich verpflichte, großdeutsche Propaganda zu unterbinden.[7] Er diene „dem völkischen (deutschnationalen bis rechtsextremen) Milieu bis heute als Wallfahrtsstätte und Ort großdeutscher Propaganda“.[8]

Galerie

Siehe auch

Literatur

  • Gernot Pippan: Der Burschenschafterturm in Linz. Gedenkstätte und Museum der Deutschen Burschenschaft. In: Die Vorträge der 11. Österreichischen Studentenhistorikertagung Linz 1994. Wien 1994, S. 89–91 (Beiträge zur österreichischen Studentengeschichte. Band 23, 1994) und auch in: Burschenschaftliche Blätter 1990, S. 36–38.
  • Harald Lönnecker: "Wuchs riesengross das Wort: Ein Volk! Ein Reich!" Der Linzer Anschlussturm zwischen nationalem Bewußtsein, Heldenkult und Friedensmahnung. In: Jahrbuch für Deutsche und osteuropäische Volkskunde. Band 48, Marburg 2006.
  • Günter Cerwinka, Peter Kaupp, Harald Lönnecker, Klaus Oldenhage (Hrsg.): 200 Jahre burschenschaftliche Geschichte: Von Friedrich Ludwig Jahn zum Linzer Burschenschafterturm. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2008. ISBN 3825355071

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Gernot Pippan: Der Burschenschafterturm in Linz. Gedenkstätte und Museum der Deutschen Burschenschaft. In: Burschenschaftliche Blätter 1990, S. 36–38.
  2. Maria Dawid und Erich Egg: Der österreichische Museumsführer in Farbe. Museen und Sammlungen in Österreich. Frankfurt am Main 1991, S. 195.
  3. Erich Hillbrand: Die Türme von Linz. Ein Festungssystem aus dem 19. Jahrhundert. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz. 1984, ISSN 0440-9736, S. 11–213 (Als Sonderabdruck: Die Türme von Linz. Erzherzog Maximilians Festungssystem für die Monarchie. Archiv der Stadt Linz, Linz 1985).
  4. Klaus Oldenhage: Der Burschenschafterturm in Linz a. d. Donau. In: Burschenschaftliche Blätter. 2007, S 139.
  5. Handbuch der Deutschen Burschenschaft. Ausgabe 2005, S. 35.
  6. Deutsche Burschenschaft: Der Burschenschafterturm in Linz an der Donau, 1. Juli 2012.
  7. DÖW: Nein zum ewiggestrigen Burschenschafter-Kommers in Linz!, 1. Juli 2012.
  8. DÖW: Gegen völkische Feierstunde für „Anschlussdenkmal“, 1. Juli 2012.

48.30805555555614.245555555556Koordinaten: 48° 18′ 29″ N, 14° 14′ 44″ O