Der Engel mit der Posaune

Filmdaten
Deutscher Titel Der Engel mit der Posaune
Produktionsland Österreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1948
Länge 132 Minuten
Stab
Regie Karl Hartl
Drehbuch Karl Hartl
Franz Tassié
Produktion Karl Ehrlich im Auftrag der Neuen Wiener Filmproduktions-Ges. m. b. H.
Musik Willy Schmidt-Genter
Kamera Günther Anders
Schnitt Josephine Ramerstorfer
Besetzung

Der Engel mit der Posaune ist ein österreichischer Film aus dem Jahre 1948 nach dem gleichnamigen Roman des Schriftstellers Ernst Lothar von 1946. Der Film schildert die wechselhafte Geschichte einer österreichischen großbürgerlichen Familie in der Zeit von 1888 bis 1945.

Der Film ist ein Spiegel der gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen im Verlauf dieser 60 Jahre. Er bewegt sich im Spannungsfeld Fortschritt und Tradition, Bewahrung und Vernichtung. Die Figur des Engels mit der Posaune dient dabei als mahnendes Symbol der Bewahrung dessen, was im Sinne des Films als erhaltenswert anzusehen ist: der Glaube an Gott und an die Macht der Musik, der Erhalt und die Respektierung menschlicher Werte, der Friede in politischer und gesellschaftlicher Hinsicht. Bereits im Prolog wird angedeutet, dass diese Mahnung in zunehmendem Masse missachtet wird; diese Missachtung findet in der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges ihren Höhepunkt. An allen Stellen des Films, wo auf die gesellschaftlichen und politischen Veränderung hingewiesen wird, wird zum Kommentar auch der Engel eingeblendet.

Der Film wurde im Nachkriegsösterreich zu einem großen Publikumserfolg und zum besten Film des Jahres erwählt[1]. Der Filmproduzent Alexander Korda drehte 1950 eine englische Fassung ("The Angel With the Trumpet") [2].

Inhalt

Vorgeschichte: Christoph Alt, ein Wiener Klavierbauer, gründet 1764 eine Klavierfabrik und baut ein Wohnhaus, über dessen Portal ein Engel mit einer Posaune abgebracht wird. "Er sollte ihn und alle, die nach ihm kommen würden, Gott und der himmlischen Macht der Musik für immer verpflichten."

Handlung: Wir schreiben das Jahr 1888. Ein Nachkomme Christoph Alts, Franz Alt, möchte Henriette Stein, Tochter des jüdischen Universitätsprofessors Stein, heiraten. Die Familie hat gegen die Wahl der Braut allerdings Bedenken. Sie wird nämlich zum näheren Bekanntenkreis des für seine Frauengeschichten bekannten Kronprinzen Rudolf gerechnet. Franz Alt ignoriert diese Bedenken zwar, gibt seiner Braut allerdings zu verstehen, dass ihm ihr weiterer Verkehr mit dem Kronprinzen unerwünscht ist. Henriette entschließt sich deshalb zu einem letzten Treffen mit Rudolf, um ihn von der bevorstehenden Heirat in Kenntnis zu setzen und um ihm Adieu zu sagen. Dabei wird deutlich, dass sie Rudolf liebt und die Heirat mit Franz ein Flucht ist. Rudolf, der ihren Weggang bedauert, äußert Zweifel an der Sinnhaftigkeit seines Lebens.

Kurze Zeit später findet die Heirat statt. Die Feierlichkeiten werden jäh unterbrochen durch die Nachricht vom Tod des Kronprinzen. Für Henriette ist offensichtlich, dass Rudolf sich das Leben genommen hat, und sie gibt dem Kaiser und dessen Unverständnis für seinen Sohn die Schuld daran. Auf Drängen ihres Schwagers Otto-Eberhard verschweigt sie in einer Audienz beim Kaiser diesem jedoch diesen Umstand aus Gründen der Staatsraison. Der Kaiser übergibt Henriette einen Abschiedsbrief seines Sohnes.

1906. Das Ehepaar Alt hat inzwischen drei Kinder, ein Mädel und zwei Buben. Ein anonym übersendetes Blumenarrangement führt Henriette in einen Blumenladen, wo sie den Grafen Traun, ehemals Adjutant beim Kronprinzen, trifft, der sie zu sich einlädt. Dieser Einladung folgen weitere, und Henriette spielt mit den Gedanken, ihren Gatten zu verlassen und mit dem Grafen zu entfliehen. Der Gedanke an die Kinder hält sie davon ab. Der Ehemann erfährt durch Zufall von den zahlreichen Rendezvous seiner Frau. Außer sich vor Empörung fordert er den Grafen zum Duell und tötet ihn.

1914. Die Klavierfabrik Alt feiert ihr 150-jähriges Bestehen. Eine der Söhne der Familie Alt, Hans, lernt bei diesem Anlass die Pianistin Selma Rösner kennen. Eine Romanze bahnt sich an und Henriette lädt Selma zum sonntäglichen Tee ein. Ein Extrablatt meldet an diesem Sonntag die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gattin in Sarajewo. Krieg liegt nun in der Luft. Während Henriette und Hans dem Krieg ablehnend gegenüberstehen, wollen Franz und sein zweiter Sohn Hermann sich freiwillig zum Kriegseinsatz melden.

1921. Beide Söhne haben den Krieg wohlbehalten überlebt. Jedoch muss Hans bei seiner Rückkehr feststellen, dass sein Vater während des Krieges verschüttet wurde, seitdem gelähmt ist und nicht mehr sprechen kann. Hans übernimmt die Leitung und den Wiederaufbau der Firma. Die Romanze mit Selma findet ihre Fortsetzung.

Zufällig erfährt Henriette, dass ihre Tochter Martha-Monika heimlich mit ihrem Freund nach Südamerika auswandern will. Auch sie will wie einst ihre Mutter der engen bürgerlichen Welt entfliehen. Henriette will der Tochter nicht bei der Suche nach ihrem Glück nicht im Wege stehen. Dieses Glück scheint nun Hans bereits gefunden zu haben. Er teilt Henriette mit, Selma heiraten zu wollen. Hermann hingegen scheint sich der Familie entfremdet zu haben. Er verkehrt in zwielichtigen Kreisen und macht Schulden. Als er die Mutter wieder einmal seine Schulden begleichen sool, weigert sie sich, gibt ihm schließlich auf sein Drängen hin ihren Schmuck, will aber mit ihm von nun an nichts mehr zu tun haben.

Als Henriette ihrem Mann erzählen will, dass Hans heiraten will, reicht der stumme Franz ihr zwei Zettel, auf denen er sie um Verzeihung bittet, sie geheiratet zu haben. Franz hat Henriette immer geliebt, wusste aber, dass er sie nicht glücklich machen konnte. Henriette jedoch scheint sich mit ihrem Schicksal ausgesöhnt zu haben und drückt Franz ihre Wertschätzung aus.

1938. Anlässlich einer Jedermann-Aufführung in Salzburg bemerkt Henriette, dass Hermann zum fanatischen Anhänger der Nationalsozialisten geworden ist. Er stört die Aufführung währen des Vaterunsers mit "Hitler"-Rufen und wird von der Polizei abgeführt. Als einige Monate später ein SA-Trupp in das Haus der Familie Alt eindringt, weil das Haus nicht mit Hakenkreuzfahnen beflaggt ist, ist nur Henriette im Haus. Sie erklärt, dass ihr Vater Jude war und deshalb keine Beflaggung stattfinden würde. Daraufhin wollen die SA-Männer sie abführen. Henriette zieht sich unter dem Vorwand, einige persönliche Sachen mitnehmen zu wollen, zurück. Ihr kurz darauf herbeigeeilter Sohn Hans muss feststellen, dass sie ihrem Leben durch einen Sprung aus dem Fenster ein Ende gesetzt hat. Vorher hatte sich noch den Abschiedsbrief des Kronprinzen an sich genommen. Als ein gut gelaunter Hermann eintrifft, um seiner Mutter mitzuteilen, dass der "Schönheitsfehler" in ihren Papieren beseitigt sei, wird er entsetzt mit der Leiche seiner Mutter konfrontiert.

1945. Während des Zweiten Weltkriegs wird das Haus der Familie Alt von Bomben zerstört, die Bruchstücke des Engels liegen in den Trümmern. Hans und Selma, ihre zwei Kinder und einige Mitarbeiter der Firma nehmen den Wiederaufbau der Firma in die Hände.

Literatur

  • Ernst Lothar: Der Engel mit der Posaune. Roman. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2003. ISBN 978-3423206747
  • Illustrierter Filmkurier Nr. 503, Wien, September 1948
  • Illustrierte Film Bühne Nr. 320

Einzelnachweise

  1. Programm 3sat vom 26.10.2012: http://programm.ard.de/TV/3sat/der-engel-mit-der-posaune/eid_280078825586746?list=now vom 13.11.2012
  2. Filmlexikon Zweitausendeins: http://www.zweitausendeins.de/filmlexikon/?sucheNach=titel&wert=24193 vom 13.11.2012