Dobratsch

Dobratsch
Villacher Alpe
Südseite des Dobratsch von Hohenthurn gesehen

Südseite des Dobratsch von Hohenthurn gesehen

Höhe 2166 m ü. A.
Lage Kärnten, Österreich
Gebirge Gailtaler Alpen
Dominanz 16 km → Visoka Ponca
Schartenhöhe 1233 m ↓ Bleiberger Tal
Geographische Lage 46° 36′ 13″ N, 13° 40′ 13″ O46.60361111111113.6702777777782166Koordinaten: 46° 36′ 13″ N, 13° 40′ 13″ O
Dobratsch (Kärnten)
Dobratsch
Gestein Riffkalk, Wettersteinkalk
Alter des Gesteins Ladinium
Erschließung Villacher Alpenstraße
Besonderheiten Sender Dobratsch
Deutsche und Windische Kapelle

pd5

Der Dobratsch oder die Villacher Alpe (slowenisch Dobrač oder Beljaščica) ist ein 2166 m ü. A. hoher Bergstock in Kärnten. Er bildet den östlichen Ausläufer der Gailtaler Alpen und befindet sich unmittelbar westlich der Stadt Villach. Das Gebiet des Dobratsch ist als Naturpark geschützt.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Landschaft

Der Dobratsch liegt als Sporn des Drauzugs (Gailtaler Alpen) über dem Zusammenfluss von Drau und Gail.

Umgrenzung und Gliederung

Nach der Österreichischen Gebirgsgruppengliederung nach Trimmel[1] trägt die Gruppe Villacher Alpe die Nummer 3740, als Teil der Gailtaler Alpen (Trimmel 3700, AVE 56, sonst auch Drauzug genannt) und umgrenzt sich folgendermaßen:

Dabei wird der Dobratsch (Nummer 3741) in eigentlichen Sinne von den östlichen Vorbergen, dem Pungart (Nummer 3742), abgegrenzt, die Trennungslinie verläuft (S–N):

Gail westlich Oberschütt – Wabenriedel – Fellachbach – Heiligengeist – Mittewald am Weißenbach

Geologie

Das Dobratsch-Massiv gehört zur geologischen Einheit des Drauzuges. Es wird auf allen Seiten von Störungen begrenzt: im Süden (Gailtal) von der Periadriatischen Naht, im Norden von einer das Bleiberger Tal entlangziehenden Störung. Nach Westen sind die Gesteine des Dobratsch-Massivs vermutlich tektonisch auf die Gesteine des Karbon von Nötsch aufgeschoben. Nach Osten sind die Gesteine entlang von ungefähr Nord-Süd verlaufenden Störungen treppenartig gegen das Villacher Becken abgesenkt und werden schließlich von der Drautal-Störung schräg abgeschnitten.

Das Dobratsch-Massiv besteht aus zwei übereinanderliegenden Decken: Dobratsch-Gipfelscholle und Dobratsch-Basisdecke. Durch die Dobratsch-Überschiebung kommt es zu einer Schichtwiederholung ab dem Alpinen Muschelkalk. Die Basisdecke besteht aus einer Schichtenfolge, die von den Grödener Schichten bis zu den Raibler Schichten reicht, die Gipfelscholle besteht aus Alpinem Muschelkalk, Buntkalken und vor allem Wettersteinkalk, untergeordnet aus Raibler Schichten und Hauptdolomit. Die Sedimentgesteine liegen mit einer tektonischen Grenze auf Gailtalkristallin.

Die besondere Bedeutung des Dobratsch-Massivs liegt darin, dass die Gesteine der Trias (Erdmittelalter), vor allem der Mitteltrias, deutliche Unterschiede zum übrigen Drauzug (Gailtaler Alpen) aufweisen, jedoch starke Anklänge an die südalpine Trias der Karawanken zeigen.

Ruine am Dobratsch

Am Südabfall des Dobratsch-Massivs, vor allem im Bereich der Schütt, sind die Gesteine bis hinauf zum Wandfuß häufig durch Bergsturzmaterial und Hangschutt verdeckt. Nur vereinzelt, vor allem im Bereich von Rinnen und Murgängen, kommen die Festgesteine zum Vorschein. Im Talbereich überlagern die Bergsturzmassen die eiszeitlichen Lockersedimente der Gail.

Der Dobratsch war mindestens zweimal Schauplatz eines großen Bergsturzes:

  • In prähistorischer Zeit stürzten etwa 900 Mio. m³ Gesteinsmassen von der südöstlichen Flanke des Berges in das Gailtal. Dort bedecken sie eine Fläche von etwa 24 km².
  • Am 25. Jänner 1348 stürzten an der gleichen Stelle, ausgelöst durch ein Erdbeben in Friaul, etwa 150 Mio. m³ ins Tal und verschütteten der Legende nach 17 Dörfer. Die Bergsturzmassen fielen jedoch auf das unbesiedelte Gebiet der alten Bergstürze.
    Bergsturzgebiet Rote Wand
    Durch den Rückstau der Gail, der einen etwa drei Kilometer langen See entstehen ließ, mussten allerdings zwei Dörfer aufgegeben werden. Die letzten Reste des Sees verschwanden erst im 18. Jahrhundert. Dieser Bergsturz ist vermutlich auch durch das feuchte Wetter im Jahr davor und den schneereichen Winter unterstützt worden. Durch die große Feuchtigkeit wurde das Material gelockert, sodass das Erdbeben als Auslöser der Katastrophe diente.

Das Abbruchgebiet am Berg ist heute als Rote Wand bekannt; das Ablagerungsgebiet trägt den Namen Die Schütt und steht unter Naturschutz.

Bergbau

Aus der frühen Neuzeit ist ein Kupferabbau in der Schütt bekannt, der in der Fuggerau verhüttet wurde.[2]

Tourismus und Erschließung

Bad Bleiberg um 1908 gegen Süden mit dem Dobratsch im Hintergrund
Der Jägersteig

Der Berg ist durch zahlreiche Wanderwege erschlossen. Die vier bekanntesten und oft benützten sind:

  • Der Weg 291 wird am öftesten benutzt und führt von der Rosstratte (Ende der Villacher Alpenstraße) bis zur Sendeanlage. Der Weg ist bis auf den unteren Teil flach und auch für unerfahrene Wanderer geeignet.[3]
  • Der Weg 294, auch Jägersteig genannt, führt ebenfalls von der Rosstratte zum Gipfel, direkt am steilen Südabfall des Berges entlang. Der Weg ist eng und erfordert Trittsicherheit.

Am Hauptgipfel im westlichen Teil befindet sich das Dobratsch-Gipfelhaus, ehemals Ludwig-Walter-Haus, der Sektion Villach des Österreichischen Alpenvereins. Es ist seit 20. Dezember 2010 nach der Neuerrichtung wieder in Betrieb. Der östliche Teil rund um den Gipfel des Zehnernock ist seit 1961 durch eine Alpenstraße erschlossen. Bis 2002 befand sich hier ein kleines Skigebiet, das allerdings zum Schutz von Natur und Wasser aufgelassen wurde.

Dem Berg entspringen mehrere thermische Quellen, die in Villach für Thermalbäder genützt werden.

Sendeturm Dobratsch

Auf dem Dobratsch steht der Sender Dobratsch für UKW, Fernsehen (DVB-T) und Richtfunk. Als Antennenturm kommt ein 1971 errichteter 165 Meter hoher Hybridturm zum Einsatz, der aus einem Betonturm besteht, auf dessen Spitze ein abgespannter Stahlrohrmast aufgesetzt ist.

Er ist ein Grundnetzsender der Österreichische Rundfunksender GmbH (ORS) und ist in Kärnten, der Südsteiermark sowie im Kanaltal in Italien empfangbar. Zusätzlich versorgt er auch das Gebiet zwischen Jesenice und Ljubljana in Slowenien.

Bergkirchen

Die Kirche Maria am Stein

Die Kirche Maria am Stein, auch Deutsche Kapelle genannt, liegt oberhalb des Dobratsch Gipfelhauses knapp vor dem Abbruch in die Bösen Gräben. Diese 1692 erbaute Kirche ist die höchstgelegene unter den alten Bergkirchen der Ostalpen  (ca. 2150 m - Maria Heimsuchung auf der Zugspitze, erbaut 1981, liegt ca 2600 m hoch). Die Kirche wurde von Knappen aus Bleiberg-Kreuth und Bauern aus den Dörfern westlich von Villach errichtet und am 15. August 1693 eingeweiht. Der Überlieferung nach soll an dieser Stelle die Muttergottes einem Hirten in Not erschienen sein, auf einem Stein sitzend und einen Hirtenstab in der Hand. Zum Gedenken an diese wundersame Begebenheit wurde die Kapelle auf der Alm beym heiligen Stain errichtet.

Etwa 300 Meter weiter westlich ließ eine Frau Semmler, Besitzerin auf Wasserleonburg, ebenfalls eine Kapelle errichten. Ihr taubstummer Sohn wurde aufgrund der Fürsprache der Gottesmutter geheilt – und sie löste damit ihr Gelübde ein. Diese Kirche ist als Windische Kapelle bekannt.

Panorama

Panoramablick in Richtung Italien

Literatur

  •  Gerhard Pilgram, Gerhard Maurer: Verschütt gehen - Wandern und Einkehren rund um den Dobratsch. 1. Auflage. Drava, Klagenfurt 2002, ISBN 3-85435-391-X, DNB 96573630X.
  •  Gerhard Leeb (Hrsg.): Naturpark Dobratsch - Geschichte und Geschichten, Fauna, Flora und die schönsten Touren und Ausflüge zwischen Weissensee und Tagliamento und Tarvis und Innichen/San Candido. 1. Auflage. Villach 2005, ISBN 3-200-00494-0, DNB 976830027.
  •  Gerhard Leeb (Hrsg.): Naturpark Dobratsch - Der Stern des Südens. 1. Auflage. Leebenszeichen Gerhard Leeb, Villach-Heiligengeist 2012, ISBN 978-3-9502379-5-5, DNB 1027079121 (Bildband; Kärntens erster Naturpark im Wandel der Jahreszeiten; mehrsprachig (de, sl, it, fr, en)).

Weblinks

 Commons: Dobratsch – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1.  Hubert Trimmel, Verband österreichischer Höhlenforscher (Hrsg.): Gebirgsgruppengliederung für das österreichische Höhlenverzeichnis. Wien 1962.
  2. Hans Krähenbühl: [http://www.silberberg-davos.ch/PDF_BK/BK_100.pdf Die Verbreitung des Tiroler Bergbaus und sein Einfluss auf Graubünden − 5. Die Montanindustrie unter den österreichischen Herzögen.] Abgerufen am 15.7.
  3. http://www.naturparkdobratsch.info/12329.htm Nachweis der Wanderwege