Europa-Symposium Kaisersteinbruch

Dieser Artikel beschreibt das Bildhauersymposion im burgenländischen Kaisersteinbruch. Für das ähnlich benannte Symposion in Deutschland siehe Bildhauersymposion Kaisersteinbruch.
Straßenschild, Europabrunnen Kaisersteinbruch
Brunnenplastik „Zeus entführt Europa“ von Ferenc Gyurcsek[1]

Das Europa-Symposium Kaisersteinbruch ist ein europaweites Symposium von Bildhauern, das in Kaisersteinbruch durchgeführt wird.

Kaisersteinbruch am Rande des Leithagebirges gehörte bis 1921 zu Ungarn und danach zu Österreich. Der Ort wurde sowohl auf Grund seiner Steinmetzgeschichte als auch durch seine militärischen Gegebenheiten als ein „Mini-Europa der Völker“ bezeichnet.[2] Die „Europa-Symposien“ für Bildhauer wurden vom Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch 1998 begründet und bis 2007 fortgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Gründung des Internationalen Künstlersymposiums Steinbildhauerei Kaisersteinbruch 1990

Im Rahmen der 400-Jahr-Feier veranstaltete der Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch ein Symposium für Steinbildhauerei zur Wiederbelebung des Kaisersteines. Gründer und Organisator war der Österreicher Christoph E. Exler, er konnte den Ungarn Ferenc Gyurcsek und den Rumänen Alexandru Ciutureanu zur gemeinsamen Arbeit gewinnen.[3] Dabei entstanden drei monumentale Steinskulpturen. So wollte sich Kaisersteinbruch auf die 1995 geplante Weltausstellung Wien-Budapest vorbereiten.

Nach einer Volksbefragung in Wien und Budapest 1991 wurde die Weltausstellung abgesagt, daraufhin änderte das Symposium seine Zielsetzung. Es wurde auf die Bedürfnisse des immer noch an den Folgen des Zweiten Weltkriegs leidenden Dorfes zugeschnitten. In den Jahren bis 1997 konnten auf diese Weise die größten Schäden im Ort und insbesondere der Kirche behoben werden. An dieser besonderen Form des Wiederaufbaus beteiligten sich die Bildhauer Alexandru Ciutureanu und Ferenc Gyurcsek. Die Symposien erhielten die Namen bedeutsamer Personen der Steinmetz- und Zeitgeschichte wie Elias Hügel, Friedrich Opferkuh, Margaretha Ruffinin, Josef Wolf und Wilhelm Amelin.

Vorbereitung des Europa-Symposiums

Ein zu errichtender Steinbrunnen in der Dorfmitte wurde – zu Ehren der österreichischen Präsidentschaft in der Europäischen Union – als Europabrunnen gewidmet. Die Verwirklichung dieser Absicht ergibt eine ganze Geschichte.[4]

Die Werke entstanden nicht an Ort und Stelle, sondern wurden aus den jeweiligen Ländern mitgebracht. Damit unterscheidet sich dieses Symposium von anderen, bei denen das Gespräch der Künstler während und nach der Arbeit im Mittelpunkt steht. Die fertigen Skulpturen wurden an der alten Steinmauer, die sich von dem Europabrunnen bis zum ehemaligen Pfarrhof hinzieht, angebracht. Um eine gewisse Einheitlichkeit zu erreichen, mussten die Arbeiten als quadratische Platten bestimmter Größe gefertigt werden. Sonstige Vorgaben erhielten die Bildhauer nicht. Die Reihenfolge der Steinreliefs war unabhängig einer EU-Mitgliedschaft, die Zugehörigkeit zu Europa war das alleinige Kriterium.

Präsentation der Kunstwerke

Die Organisation erfolgte ab 2002 gemeinsam mit der Paneuropabewegung Österreich. Zu den Symposiumsfesten waren Persönlichkeiten geladen, die in Ansprachen ihre Sicht zu Europa vortrugen. Das waren Otto von Habsburg, Erhard Busek, Günther Nenning, der Außenminister der Republik Moldova Andrei Stratan, Wander Bertoni, Štefan Holčík, Vize-Bürgermeister von Bratislava, zuletzt bei Russland als letztem Land Klara Köttner-Benigni. Wesentlich bei all diesen Veranstaltungen waren die Gespräche der Besucher untereinander.

Für die Präsentation wurden über jeder Platte die betreffenden Flaggen aufgesteckt. Insgesamt sind es Steinreliefs von 27 Ländern. Als verbindendes Element der einzelnen Länder gestaltete Ferenc Gyurcsek aus blau-grünem Stein die Flüsse Europas. Der 2001 angelegte Rosengarten verschönte die „Europa-Wand“, auch als „Mauer der Einheit“ bezeichnet.

Europabrunnen-Galerie

Länderplatten in der zeitlichen Reihenfolge von 1998 bis 2007 (einige Beispiele)

Saura Sermenghi

Es muss Helmuth Furch eine starke spirituelle Welle bewegt haben, mit der er physisch so verschiedene Seelen aus ganz Europa zusammengebracht hat, um eine kommutative, tolerante, respektvolle und konsequent friedvolle Atmosphäre zu komponieren …[5]

Vija Dzintare's relief sculpture Latvia unveiled in Austria

Today, 19 June 2003, a granite relief sculpture Latvia by sculptor Vija Dzintare is being unveiled in the town of Kaisersteinbruch in the federal province of Burgenland, Austria. Participants at the unveiling will include the Mayor of Kaisersteinbruch, members of the diplomatic corps, and the general public. The relief will be unveiled and an address made by the Latvian Ambassador to Austria, Elita Kuzma. [6]

Günther Nenning

Wie die Berliner Mauer einst ein Zeichen der Trennung Europas war, so soll diese Mauer ein Zeichen der europäischen Einheit sein. Nenning ist überzeugt, dass Europa nur durch die Vielschichtigkeit der einzelnen Nationen Identität erhält, der Einheitsbrei Europa wird erst dadurch genießbar, dass er mit vielen Gewürzen – 15, 25 oder mehr – gewürzt wird. So wie wir alle Europäer sind, so sind wir auch „Kaisersteinbrucher“. Wir sind zugleich Kleinbürger in unseren einzelnen Gemeinden …[7]

Otto von Habsburg

betonte in seiner Rede die Bedeutung der EU-Erweiterung für Europa. Es widersprach all jenen, die von einer Pause in der Erweiterung träumen. Eine Pause bedeutet Rückschritt. Jetzt gehe es darum Kroatien, Bulgarien und Rumänien zu integrieren. Der Paneuropa-Präsident unterstrich die Besonderheit des Symposiums in Kaisersteinbruch. Hier wurde die Tradition der Steinplatten beispielsweise mit Rumänien begonnen, auch Kroatien, das nun einen EU-Beitrittsstatus bekommen hat, ist seit dem Vorjahr an der Mauer der Einheit vertreten.[8]

Florijan Mićković

Kaisersteinbruch war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fast gänzlich zerstört. Im Museum hängen Bilder aus dieser Zeit. So sieht es in Mostar jetzt aus, stellte der Bildhauer aus Bosnien-Herzegowina (Mostar) bei der Enthüllung seiner Steintafel fest. Auch wenn das Land in der offiziellen Europapolitik noch weit von einem EU-Beitritt entfernt ist, so sollte damit ein Zeichen für die Zugehörigkeit dieses Landes zu Europa gesetzt werden.[9]

Klara Köttner-Benigni

Wir bekennen uns zu dem alten, vom Unverstand gelegentlich geschmähten Europa, einem Europa nicht nur der Wirtschaft, der mächtigen Konzerne, sondern zu dem Europa der Kultur, der kulturellen Traditionen, die es auf der Welt nur ein einziges Mal gibt.[10]

Wir bekennen uns zu dem Europa, in das Russland eingeschlossen ist, die russische Kultur, die in so vielem wegweisend und bahnbrechend war und ist, die russische Literatur, Musik, bildende Kunst, um das Wesentlichste anzudeuten, das zu kennen für den gebildeten Europäer selbstverständlich ist. Sachliche Information vor dem Beitritt in die Europäische Union, die EU, blieb uns vorenthalten, die Propaganda wollte uns glauben machen, dass wir nach Europa gehen. Was sollte das bedeuten?

Dass wir bisher nicht in Europa gewesen wären - wir, die jahrhundertelang in dessen Mitte lagen und, in geringeren Dimensionen, noch liegen? Wir betreten vom Josefsplatz in der Wiener Inneren Stadt aus die Österreichische Nationalbibliothek, schon blickt uns die Stiege zu der mit Recht berühmten Kartensammlung entgegen, von Helmuth Furch haben wir erfahren, dass diese Stiege aus Kaiserstein, aus dem bei Kaisersteinbruch gewonnenen Gestein, errichtet worden ist. In der Kartensammlung durchwandern wir die Gebiete der einstigen Österreichisch-Ungarischen Monarchie, die uns nur nicht im Vergleich zu Russland, wohl aber im Rahmen Europas gewaltig erscheinen. Von diesem Kristallisationspunkt aus wenden wir uns einem zweiten zu, der Europa vielfach bildnerisch symbolisiert, einer Vision Helmuth Furchs folgend, der Stätte der Europa-Symposien in Kaisersteinbruch...

Die Wahl eines russischen Bildhauers, als letztem der Reihe, findet unsere aus dem Herzen kommende Zustimmung. Wir wissen, über alle noch ungelösten Fragen hinweg, dass das, was russisches Wesen, was russische Seele genannt wird, für unsere von Kommerz und gnadenlosem Leistungsdruck beherrschte Gesellschaft einen Hoffnungsschimmer bedeuten könnte.

Wir surfen im Internet, häufen Detailwissen an und verwechseln das mit umfassender Bildung, gar Erkenntnis. Wir reden von Freundschaft, aber unser Konkurrenzdenken zerstört das Zusammengehörigkeitsgefühl. Fragwürdige Werte, Spekulation und Sensation deformieren unsere Gesellschaft. Vielleicht, dass Russland den Einflüssen, die Leben, Kultur und Kunst beschädigen, einen wirkungsvolleren Widerstand entgegensetzt...

Ich nannte das Europa-Symposium von Kaisersteinbruch einen Kristallisationspunkt. Kristalle leuchten, wenn nur eine Spur Licht auf sie fällt, sie wirken in die Umgebung. So wünsche ich dem engagierten Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch eine Wirksamkeit, die über alle Grenzen hinwegstrahlt!

Literatur

  • Helmuth Furch: Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. 2. Band. 2004, S. 513–550.
  • Klara Köttner-Benigni: Hier geht es um Reden und um Schweigen, ganz persönlich. Text in [1], Fotos von Walter Benigni.
  • Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch, darin
Josef Wolf: Die Geschichte von Kaisersteinbruch. Nr. 43, August 1996, S. 1–36.
Josef Wolf: Ein Kaisersteinbrucher Leben (1892–1966), besonders 1938–1955. Sonderdruck 2005.

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Martfü Állampolgárok Sajtója: … Die Bürger von Kaisersteinbruch haben sich entschlossen, einen Brunnen mit dem Namen „Europa“ zu errichten. Sie haben den Bildhauer Ferenc Gyurcsek, Munkácsy-Preisträger, eingeladen, eine Brunnenplastik aus Marmor zu schaffen … Zeitung der Bürger von Martfü, Ungarn
  2. Liechtensteiner Vaterland, Chefredakteur Kleinheisterkamp vom 18. Juni 2001.
  3. Helmuth Furch: Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, Gründung des Internationalen Künstlersymposiums Steinbildhauerei Kaisersteinbruch 1990. 2. Band, 2004, S. 482ff.
  4. Klara Köttner-Benigni: Vergangenheit und Zukunft beschwörend. Zeichensetzung in zwei burgenländischen Gemeinden, Gols und Kaisersteinbruch. In: Pannonia. Magazin für internationale Zusammenarbeit. 26. Jahrgang, Herbst 1999. S. 38–40. … Das Haus von Georg Zsalacz in Kaisersteinbruch ist auf Stein gebaut, gleich daneben hat er seinen kleinen eigenen Steinbruch. Dem er entnimmt, was er an Material braucht. Er stellte die Steine für den notwendigen Umbau zur Verfügung, denn der Brunnen sollte in eine Ecke eingefügt werden, die erst gestaltet werden musste. Die Maurerarbeiten leistete Kurt Kovasits und mit vereinten Kräften wurden Boden und Hinterwand für den Brunnen geschaffen. Aber eigentlich begann die Geschichte noch früher, bei Fritz Koresch daheim lag ein Nischenbogen aus rotem, ungarischem Marmor und im Lager von Steinmetzmeister Friedrich Opferkuh ein Stück gleichen Marmors. Keineswegs einem Geschäftsauftrag folgend, sondern aus persönlicher Ambition widmete er sich daneben der Fertigung eines Brunnenbeckens aus Lindabrunner Konglomerat – wie er das ganze Projekt fachmännisch überwachte. Nicht diese Geschichte abzuschließen, sondern ihr erstes Kapitel zu vollenden, fiel dem Ungar Ferenc Gyurcsek zu: Er erzählte in lichtem Marmor, wie die phönizische Königstochter Europa von dem Stier, in den sich Zeus verwandelt hatte, nach Kreta entführt wurde. In der Plastik ruht Zeus nach vollbrachter Tat friedlich aus, wie die friedliche Europa auf seinem Rücken.
  5. Gästebuch des Steinmetzmuseums Kaisersteinbruch. Eintragung vom 16. Juni 2001.
  6. Außenministeriums Lettlands: Sculptors from the EU member and accession countries have been invited to the event. A gallery of artistic works representing European countries is being created in the historic centre of Kaisersteinbruch, with each country represented by the work of one artist. Works on display this year include those from Latvia, Spain, Malta, and Croatia. The international art event The European Symposium has been organised at the initiative of the Museums and Culture Association of Kaisersteinbruch. This year’s symposium is the sixth such event to be held, with the Austrian Pan-European Movement among the organisers. Of note is the fact that on 13 June 2003, President of the International Pan-European Association, Otto von Habsburg, paid a visit to Latvia.
  7. Europäische Vereinigung in Kaisersteinbruch. In: Eisenstädter Kirchenzeitung. 29. Juni 2003.
  8. Kaisersteinbruch – Europa in Stein gemeißelt. In: Paneuropa Österreich. Nr. 8/2004, S. 18–19.
  9. Zeichen für Bosnien. In: Paneuropa Österreich. Nr. 10/2005, S. 11.
  10. Klara Köttner-Benigni: Festansprache zum 10. Europa-Symposium Kaisersteinbruch am 10. Juni 2007 auszugsweise