Ferenc Gyurcsek

Statue von König Stephan in Martfü
Der Künstler vor seiner Statue des Dichters Attila József in Budapest[1]
Ferenc Gyurcsek in seinem Atelier 1990

Ferenc Gyurcsek (* 6. November 1942 in Budapest, Ungarn) ist ein ungarischer Bildhauer und Restaurator.

Ab 1990 war der Künstler über ein Jahrzehnt durch seine vielfältige Tätigkeit mit Kaisersteinbruch verbunden. Seine Werke sind ein wichtiger Bestandteil des heutigen Ortes.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Das Kunstgymnasium konnte Ferenc 1960 abschließen. Es folgten drei Jahre Praxis als Restaurator im Bereich der Budapester Burg, im Schloss Fertöd und bei der Wiederherstellung der Egri Basilika.

Restaurator in der Budapester Burg

In diesem Zeitraum folgte er seiner künstlerischen Berufung und begann ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Budapest, Fachrichtung Bildhauerei, das er 1968 erfolgreich absolvierte. Ein Stipendium ermöglichte einen längeren Studienaufenthalt bis 1972 in Italien. Es folgten Reisen nach Bulgarien, Türkei, Kaukasus, Baltikum, Russland, Turkmenistan und Griechenland.

Schönheit aus Turkmenistan
Florian-Statue

Auszeichnungen

Internationales Künstlersymposium Steinbildhauerei Kaisersteinbruch 1990

Im Rahmen der 400-Jahr-Feier von Kaisersteinbruch gründete der international tätige österreichische Bildhauer Christoph E. Exler, ein Künstlersymposium für Steinbildhauerei in Kaisersteinbruch, Burgenland, bis 1921 war das Császárkőbánya in Westungarn.

Es gelang ihm als Vertreter Ungarns Ferenc Gyurcsek sowie aus Rumänien Alexandru Ciutureanu zur Arbeit in das einst blühende Steinmetzdorf am Leithagebirge zu rufen. In sechswöchiger Tätigkeit sollten Werke zeitgenössischer Kunst aus dem weißen, sehr harten und dichten Leithakalkstein, dem Kaiserstein entstehen.

Ungarischer Symposiumsstein 1990

Ferenc Gyurcsek wurde vom Künstlerverband und Ministerium seiner Heimat nach Österreich gesandt[2], schuf ein Grenzsteinsymbol zusammentreffender Kulturen, ähnlich dem Hubertushirsch, ein ungarisches Glückssymbol. Er hat Ungarn aus dem asiatischen in den europäischen Kulturbereich gebracht. Das Tier befindet sich kurz vor dem Sprung, gefolgt von einem Falken. Schmal ist der Stein, und trägt eigentlich reliefartig zwei Tiere, eines im Morgenlicht, das andere stärkere in der Abendsonne, wie Mutter und Tochter.

Der barocke Kaisersteinbrucher Florian war in Zeiten des abgesiedelten Ortes privatisiert worden. Ferenc Gyurcsek modellierte 1992 diesen jungen römischen Soldaten.

Kaisersteinbruch Friedhofsportal

Restaurator in Kaisersteinbruch

Im Mai 1991 begann die Renovierung der Kaisersteinbrucher Kirche, insbesondere der Turmfassade. Zwei barocke Architekturvasen waren – wie so vieles andere auch – durch die Kriegsereignisse zerstört worden. Nach alten Aufnahmen gestaltete Ferenc aus Steinguss die beiden neuen Vasen. Die Wiederherstellung des schwer beschädigten „Kuruzzenkreuzes“, eigentlich ein Pestkreuz von 1646, war 1993 das Thema für den Restaurator Ferenc Gyurcsek. Den Transport vom Blauen Bruch auf dem Truppenübungsplatz Bruckneudorf-Kaisersteinbruch in die Waldgasse von Kaisersteinbruch organisierte Steinmetzmeister Friedrich Opferkuh noch bis in seine letzten Tage. Der Landeskonservator des Burgenlandes Franz Bunzl würdigte die vorbildliche Restaurierung.

Das Bundesdenkmalamt Burgenland, die Kulturabteilung der Burgenländischen Landesregierung, die Großgemeinde Bruckneudorf-Kaisersteinbruch, der Landeshauptmann Karl Stix und als Organisator der Museumsverein finanzierten das Großprojekt: die Instandsetzung des in der Verantwortlichkeit der Gemeinde befindlichen barocken Friedhofsportales. Zwei seitliche Statuen aus weichem Sandstein drohten zu zerfallen, eine sehr alte Marienstatue aus Kaiserstein, aus den Anfangszeiten des Kaisersteinbrucher Handwerkes, war noch gut erhalten. Ferenc Gyurcsek führte sämtliche Arbeiten (1994/1995) zur vollen Zufriedenheit aus.

Ehrensäule für Elias Hügel in seiner Heimatstadt Gemünden am Main

Eine Ehrensäule von Hof-Steinmetzmeister Elias Hügel mit 4,5 m Höhe[3] wurde für Gemünden am Main – nach vorhandener Zeichnung – in der Steinmetzhütte von Meister Sandor Antal in Budapest aus einem einzigen Sóskúter Steinblock (ein vielverwendeter ungarischer weiß-gelblicher Sandstein) gemeisselt. Die Bildhauerarbeiten übernahm Ferenc Gyurcsek. Die Main-Post schrieb am 20. Mai 1996: „Säule symbolisiert Gemeinsamkeit, Empfang für Kaisersteinbrucher Delegation .. eine zehnköpfige Delegation aus dem österreichischen Burgenland war eigens angereist, um der Enthüllung der Elias Hügel-Säule beizuwohnen, Bürgermeister Franz Schmitzhofer, der Künstler Ferenc Gyurcsek.“

Europa-Symposium Kaisersteinbruch

Brunnenplastik „Zeus entführt Europa[4]

Der Museums- und Kulturverein beauftragte Gyurcsek auch beim Europabrunnen mitzuarbeiten. Er soll die Brunnenfigur zum Thema: „Zeus entführt Europa“ gestalten. Im Juli 1998 legte er 5 Entwürfe vor, die Entscheidung fiel einstimmig aus. In nur einem Monat hatte der Künstler die Arbeit aus zartdurchädertem griechischem Marmor vollendet und abgeliefert und erntete einhellige Begeisterung!

Martfü

Denkmal der Revolution 1848

Ab 1998 fand Ferenc Gyurcsek in Martfü eine weitere künstlerische Heimat. Hier schuf er in den Jahren bedeutende, monumentale Kunstwerke, eine kleine Auswahl wird hier vorgestellt:

Zitat Ferenc Gyurcsek[5]: .. am liebsten arbeite ich mit Marmor, aber wenn es das Thema erfordert, benütze ich auch Bronze oder Beton gerne. Meine graphischen Arbeiten sind mit meiner Tätigkeit als Bildhauer unzertrennlich verbunden... Außerhalb von Ungarn stehen meine Statuen, Skulpturen in Berlin, Moskau, Paris, Stockholm, Prag, Sofia, Ravenna, Recklinghausen, Gabrowo und Jerewan.

Restaurator beim Budapester Ostbahnhof

Glaskonstruktion der Hauptfassade, 2 Statuen neu gestaltet, 2002

Die beiden männlichen Statuen, Bergbauer und Kaufmann, wurden von Ferenc Gyurcsek 2002 neu gestaltet.

Er ist verheiratet mit Kinga Peres, gemeinsame Tochter Flora.

Literatur

  • Kovács Gy.: A küldetéstudat szakmai hitelessége. ~ műveiről, Művészet, 1984/6.
  • Tálas L.: (kat., bev. tan., Szolnoki Galéria, Szolnok, 1988).
  • Tasnadi Attila: Gyurcsek Ferenc művészete (Die Kunst des Ferenc Gyurcsek) 1996.
  • Helmuth Furch: In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch.
  • Helmuth Furch: Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, 2 Bände, Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch, 2004.

Einzelnachweise

  1. Világörökség József Attila, Egy szobor anatómiája, Ferenc Gyurcsány miniszterelnök, 2005
  2. Presseaussendung von Bildhauer Christoph E. Exler am 24. Juni 1990, enthalten in: Lexikon, S 482
  3. NÖN April 1996: Alte Steinmetz-Tradition wird wiederbelebt, gemeinsame Aktion des Historischen Vereines von Gemünden am Main, Deutschland mit dem Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch
  4. Martfü Állampolgárok Sajtója: … Die Bürger von Kaisersteinbruch haben sich entschlossen, einen Brunnen mit dem Namen Europa“ zu errichten. Sie haben den Bildhauer Ferenc Gyurcsek, Munkácsy-Preisträger, eingeladen, eine Brunnenplastik aus Marmor zu schaffen … Zeitung der Bürger von Martfü, Ungarn, Übersetzung Maria Sándor
  5. Gespräch mit dem Künstler und Maria Sándor auszugsweise (übersetzt)