Flatzer Wand

Auf der Kehr
Flatzer Wand

Flatzer Wand

Höhe 790 m ü. A.
Lage Niederösterreich
Gebirge Gutensteiner Alpen
Geographische Lage 47° 45′ 16″ N, 16° 1′ 1″ O47.75444444444416.016944444444790Koordinaten: 47° 45′ 16″ N, 16° 1′ 1″ O
Flatzer Wand (Niederösterreich)
Flatzer Wand
Besonderheiten Naturpark/Landschaftsschutzgebiet; Flatzer Wand (47.74083333333315.978333333333530 Klettergebiet, Höhlen)

Die Flatzer Wand ist ein Felsabbruch des Berges Auf der Kehr (790 m ü. A.). Sie liegt bei Flatz (Gemeinde Ternitz) in Niederösterreich, im Naturpark Sierningtal-Flatzer Wand der Gutensteiner Alpen.

Inhaltsverzeichnis

Zum Begriff

Flatzer Wand findet sich auch als Name für den ganzen Berg, dessen Gipfel der bewaldete Auf der Kehr ist, vereinzelt auch für das ganze Massiv, dessen höchster Gipfel der 898 m hohe Gösing ist.

Lage und Landschaft

Auf der Kehr ist ein flaches Waldplateau, das kaum Aussicht bietet. An seinem Südhang, direkt an der Ortschaft Flatz, erstreckt sich über etwa einen Kilometer ein stark zerklüfteter Wandabbruch, die Flatzer Wand, mit freien Wandhöhen bis etwa 100 Meter. Insgesamt ähnelt die Flatzer Wand der bekannten Hohen Wand.[1][2]

Besiedlung

Die Flatzer Wand ist altes Siedlungsgebiet. Im Langen Loch wurden Menschenknochen und Artefakte gefunden, die eine zumindest zeitweise Besiedlung seit der jüngeren Steinzeit nahelegen. Entlang des Südhanges unterhalb der Flatzer Wand befand sich in der späten Bronzezeit (rund 1000 vor unserer Zeitrechnung) eine kleine Bergbausiedlung. Auf künstlichen Siedlungsterrassen standen mehrere Häuser, deren Reste im Zuge des Ausbau des Forststraßennetzes am Ende des 20. Jahrhunderts gefunden wurden. Am gegenüberliegenden Hang des Gösings wurde Kupfererz verhüttet.[3]

Wege und Hütten

Am Westrand der Wand liegt das Neunkirchner Naturfreundehaus, das nur an Wochenenden, dafür aber ganzjährig bewirtschaftet ist. Wandfuß wie auch Wandkante sind mit Wegen gut erschlossen, mit zahlreichen Zustiegen zu den Kletterrouten. Der Willi Gottwaldsteig führt abseits der Forststraßen, aber ohne Kletterabschnitte, hinauf zur Schutzhütte.

Klettergebiet

Die Flatzer Wand ist ein gut erschlossenes Klettergebiet mit einem Dutzend Klettersteigen in den Schwierigkeiten 0–D (schwierigster Steig ist der Steig E60 mit C/D) und über 100 Klettertouren bis etwa zum Schwierigkeitsgrad IX.[4] Die bekanntesten versicherten Steige sind (von West nach Ost):

  • E60 (C/D)
  • Ternitzersteig (A)
  • Flatzerlochsteig (A/B)
  • Fürststeig (A)
  • Jubiläumssteig (A/B)

Höhlen

Durchgang des Fürststeigs durch die Schiebbögen

Die Flatzer Wand ist reich an Höhlen.[5][6][7]

  • Die bekannteste ist die Flatzer Tropfsteinhöhle (Langes Loch, Katasternummer 1861/9) mit Seiteneingang Dachslucke (1861/2), die 1904–1906 als Schauhöhle erschlossen wurde, mit Artefakt- und Fossilfunden
  • Zweitgrößte Höhle der Flatzer Wand ist die Rötellucke (Rötelloch, 1861/13) mit einer Gesamtganglänge von 81 m (Endraum Forscherhalle), im Eingangsbereich Grabungsspuren (Topfscherben, Tierknochen).
  • Gemauerte Lucke (Flatzer Loch, 1861/5, Länge 12 m), im Westteil der Flatzer Wand, erreichbar über Ternitzer Steig – hier suchte die Flatzer Bevölkerung 1683 vergebens Zuflucht vor den Türken
  • Schiebbögen (1861/14) im westlichen Teil: Höhlenruine, bestehend aus zwei Durchgangshöhlen (Naturbrücken), durch die größere führt der Fürststeig, durch die andere führt der hier beginnende Ternitzer Steig.
  • Interessant ist auch die Schwarze Lucke (Jungfrauenhöhle, Marienhöhle, 1861/16), etwa 100 m westlich des Langen Loches, eine Felsnische, als Höhlenkultstätte mit zeitgenössischen religiösen Devotionalien (Marienbilder) ausgestattet.
  • Bergmilchkluft (1861/32, Gesamtlänge 33 m): eine Kluftfugenhöhle mit Kolk- und Sinterbildungen, sowie weißlicher Bergmilch
  • Rohrauerhöhle (Wandsteigloch, 1861/24, Länge 48 m): Schlufstrecke, labyrinthisch und gefährlich
  • Neue Höhle (1861/11, 26 m, nach erster Halle vergittert)

Literatur

  • Günther Gsenger: Flatzer Wand: Wanderungen, Höhlen, Lehrpfad. Ausgabe 2; Verlag TVN, 1993

Klettern:

  • Kurt Schall, Thomas Behm: Genuss-Kletteratlas Österreich Ost: Hohe Wand, Flatzer Wand, Schneeberg, Raxalpe, Grazer Bergland, Hochschwab, Gesäuse, Teufelskanzel, Wachau. 250 Super-Kletterrouten Schwierigkeitsniveau: 2 bis 7-, Ausgabe 2, Verlag Schall, 1996
  • Gerald und Georg Gsenger: Flatzer Wand Topos: Kletterführer, Ausgabe 2; Verlag TV Naturfreunde Neunkirchen, 1991

Höhlenkunde:

  •  J. Caspart: Höhlen in der Flatzer Wand. 1912.; aufgearbeitet in:  Max H. Fink, Helga und Wilhelm Hartmann (Red.), Verband Österreichischer Höhlenforscher (VÖH) (Hrsg.): Die Höhlen Niederösterreichs. Beiheft Nr. 28 zu Die Höhle - Zeitschrift für Karst und Höhlenkunde. Band 1, Wien 1979 (Erg. H. und W. Hartmann, Nr. 37, Band 4, 1990, Sonstige Publikationen Wissenschaftliche Beihefte zur Zeitschrift „Die Höhle“ (pdf, S. 3), beide VÖH).

Weblinks

  • Beschreibung und Fotos der Höhlen und der Steige der Flatzer Wand auf hoehlen.jimdo.com, abgerufen am 9. September 2012

Einzelnachweise

  1. „Die Flatzer Wand ist ein verkleinertes, aber nicht kleines Abbild der Hohen Wand.“ (Alois Wildenauer) Zitat nach  Gerald und Georg Gsenger: Führer auf die Flatzer Wand.
  2. „Die Flatzer Wand ist gewissermaßen ein verkleinertes Abbild der Hohen Wand.“ Zitat Friedrich Volkmann: Flatzer Wand. Abgerufen am 14. Oktober 2010.
  3.  Wolfgang Haider-Berky, Pfarre St. Lorenzen (Hrsg.): Die Pfarrkirche von St. Lorenzen am Steinfeld. 1. Auflage. August 2008, S. 7–9.
  4. vergl. Literatur und Friedrich Volkmann: Flatzer Wand → Tabelle mit den Aufstiegen auf die Flatzer Wand. Abgerufen am 14. Oktober 2010. und AS: Höhlen in Niederösterreich → Steige der Flatzer Wand. Abgerufen am 19. Februar 2011.
  5. Literatur  Fink, Hartmann (Red.), VÖH (Hrsg.): Die Höhlen Niederösterreichs.
  6. Franz Lindenmayr: Landschaft und Höhlen in der Flatzer Wand, Niederösterreich. In: Mensch und Höhle. Abgerufen am 14. Oktober 2010.
  7. Fotos von den Höhlen. Fotostrecke in Friedrich Volkmann: Flatzer Wand /Gösing