Freddy Quinn

Freddy Quinn in der Musikhalle Hamburg, 1971

Freddy Quinn (* 27. September 1931 in Niederfladnitz/Niederösterreich als Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl[1], später Nidl-Petz[2][3], auch Manfred Quinn[2]) ist ein österreichischer Schlagersänger und Schauspieler, der zwischen 1956 und 1966 zehn Nummer-eins-Erfolge in der bundesdeutschen Hitliste hatte und zum damals erfolgreichsten Liedinterpreten avancierte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Freddy Quinn wurde als Sohn des irischen[4] Kaufmanns Johann Quinn und der österreichischen[4] Journalistin Edith Henriette Nidl geboren. Nachdem sein Vater mit ihm in die USA gezogen war, besuchte Quinn zunächst die Grundschule in Morgantown, West Virginia. Als seine Mutter das Sorgerecht erhielt, kam er zu ihr nach Wien. Nach der Heirat seiner Mutter mit „einem verarmten Adeligen, Rudolf Anatol Freiherr von Petz“, der vornehmlich für eine der beiden Zeitschriften seiner Mutter Tiergedichte schrieb, wurde er von diesem adoptiert. Quinn „hasste“ ihn. Später musste er mit einem Anwalt „fünfzehn Jahre lang darum kämpfen, den Namen [seines] Adoptivvaters loszuwerden“[5] Zunächst besuchte er die Volksschule in Wien und nach Wohnsitzwechsel in Antwerpen. Seine gymnasiale Schulzeit verbrachte er wiederum in Wien, am Gymnasium in der Albertgasse im 8. Bezirk. Nachdem er in der Zeit mit seinem Vater in Amerika das „Bugle“, eine Signaltrompete, zu spielen lernte, ging er nach seiner zwangsläufigen Mitgliedschaft beim Deutschen Jungvolk dort zum Fanfarenzug.

Freddy Quinn:
deutsche Nr.-1-Hits

Schellackplatte Heimweh (1956): Freddy Quinns erster Nummer-1-Hit
  • 1956: Heimweh
  • 1956: Rosalie
  • 1957: Heimatlos
  • 1958: Der Legionär
  • 1958: Ich bin bald wieder hier
  • 1959: Die Gitarre und das Meer
  • 1959: Unter fremden Sternen
  • 1961: La Paloma
  • 1963: Junge, komm bald wieder
  • 1966: Hundert Mann und ein Befehl

Bereits als Minderjähriger reiste Freddy Quinn per Autostopp durch Südeuropa und Nordafrika und begann ein Wanderleben bei verschiedenen Zirkusunternehmen. Er schlug sich in diesem Milieu als Saxophonspieler durch, ließ sich aber auch zum Akrobaten und Seilläufer ausbilden. In Rom spielte er u. a. für amerikanische Truppen Klavier. Es gelang ihm, sich per Schiff bis nach Tunesien, Algerien, später Marseille, Paris und Rotterdam - durchzuschlagen. In den Bars der Stadt Sidi bel Abbès spielte er auf seiner Gitarre vor den dort stationierten Fremdenlegionären, von denen damals die Mehrheit aus dem deutschsprachigen Raum stammte, seine Lieder über Sehnsucht und Heimweh. Das brachte ihm viel Sympathie und Geld ein. Ein Ausbilder der Légion étrangère bot ihm an, dass er die Grundausbildung probeweise mitmachen und sich danach entscheiden könnte, ob er in der Legion bleiben wolle oder nicht. Nach drei Wochen Drill entschied sich Quinn für das Zivilleben und kehrte später nach Deutschland zurück.[6] Als Hillbilly-Sänger trat er in Fürth vor amerikanischen Soldaten und in Nürnberg bei deren Rundfunksender AFN auf.[7] 1954 wurde Freddy Quinn in der Washington Bar in Hamburg-St. Pauli – am Rande des Hafens und des Rotlichtviertels – von Jürgen Roland und Werner Baecker entdeckt, die dort als Talentsucher für Polydor unterwegs waren. Polydor ermöglichte ihm anschließend eine Gesangsausbildung, womit die eigentliche Karriere Quinns begann. Seine erste Schallplattenaufnahme machte er 1955 unter dem Pseudonym „Frederico Quinn“ für Telefunken.

1956 nahm er bei Polydor die Platte H 50181 mit zwei deutschsprachig interpretierten US-amerikanischen Foxtrotts auf. Auf der A-Seite war „Sie hieß Mary Anne“ (Sixteen Tons, deutscher Text von Peter Moesser) und auf der B-Seite „Heimweh“ (Memories Are Made of This), zu hören. „Heimweh“ wurde der meistverkaufte Titel des Jahres 1956 in Deutschland, obwohl sich die erste Auflage schlecht verkauft haben soll, da sie von den Rundfunkanstalten zunächst weitgehend ignoriert wurde. Im Bayerischen Rundfunk wurde die Platte sogar von Moderator Werner Götze als Schnulze des Jahres vor offenem Mikro zerbrochen[8], fand danach aber reißenden Absatz.[9] Mit der im selben Jahr veröffentlichten englischsprachigen Interpretation von Dean Martin wurde das Lied an sich zum weltweiten Erfolg. Auf das Etikett der Schallplatte wurde zum ersten Mal bei einem deutschen Interpreten nur sein Vorname „Freddy“ gedruckt, da niemand im Presswerk gewusst haben soll, wie Quinn geschrieben wird. So wurde er zunächst nur als Freddy bekannt.

Ebenfalls 1956 wurde er von Polydor exklusiv verpflichtet[10] und vertrat Deutschland beim Eurovision Song Contest mit dem Titel „So geht das jede Nacht“. Da in jenem Jahr nur der Siegertitel öffentlich bekanntgegeben wurde, ist über seine Platzierung nichts bekannt.

1958 holte ihn Jürgen Roland für die Krimireihe Stahlnetz in der Folge Die Tote im Hafenbecken für eine kleine Nebenrolle als Spelunken-Sänger vor die Fernsehkamera. Danach trat Freddy Quinn in einer Reihe von Musikfilmen auf, die ihm als Hauptdarsteller auf den Leib geschrieben wurden und in denen er fast immer einen Charakter mit dem Vornamen „Freddy“ spielte. An seiner Seite wirkten viele bekannte Schauspieler mit, so Walter Scherau, Gustav Knuth, Heidi Brühl, Grethe Weiser, Heinz Erhardt, Gunnar Möller, Ralf Wolter oder der Karl-May-Film-Bösewicht Rik Battaglia.

Quinns melancholische Lieder, die im Wesentlichen von der See und der weiten Welt handeln, von Abschied, Einsamkeit und Fernweh, fanden ein breites Publikum im Nachkriegsdeutschland. Seine u.a. von Bert Kaempfert, Lotar Olias, Ernst Bader und James Last komponierten und produzierten Seemannsballaden trug er in tiefem Bariton vor.

Mit Titeln wie Heimweh, Heimatlos, Der Legionär, Die Gitarre und das Meer, Unter fremden Sternen, La Paloma und Junge komm bald wieder hatte Quinn zwischen 1956 und 1966 zehn Nummer-1-Hits in den bundesdeutschen Charts (insgesamt hatte er 23 Platzierungen in den deutschen Top-Ten) und war in dieser Zeit der erfolgreichste Interpret in der Bundesrepublik Deutschland. Er verkaufte über 60 Millionen Tonträger und zählt bis heute neben Udo Jürgens und Peter Alexander zu den erfolgreichsten österreichischen Schlagerstars. Kein Sänger hat in der Bundesrepublik Deutschland mehr Nummer-1-Hits erzielt als Freddy Quinn. Quinn wurde zum ersten bundesdeutschen Schallplattenmillionär.[11] 1963 hatte sich sein Vermögen bereits versechsfacht.[12]

Freddy Quinn in der Musikhalle Hamburg, 1971

Für einige Jahre verlegte er seinen Hauptwohnsitz in die USA. 1966, als bereits die Rolling Stones und die Beatles den deutschen Musikmarkt beherrschten, sang Freddy den Titel Wir; ein Lied gegen die aufkommende Protestbewegung linksorientierter Studenten. Auf der A-Seite der Schallplatte behandelte er mit Eine Handvoll Reis den Vietnamkrieg. Sein letzter Nummer-1-Hit war 100 Mann und ein Befehl, eine deutsche Version des Titels The Ballad of the Green Berets von Sergeant Barry Sadler.

Freddy Quinn in Ikaalinen (Finnland), 1985
Autogramm, „Prärie-Saloon“-Tournee 1968

Ein später Höhepunkt seiner Karriere war, als er bei der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 vor 62.000 Zuschauern im Stadion und 600 Millionen vor den Fernsehbildschirmen zusammen mit den Fischer-Chören das Lied Das große Spiel sang. Obwohl ihm größere Hits nicht mehr glückten, blieb er mit zahlreichen Tourneen, Gastspielen, Film- und Fernsehauftritten einem größeren, mit ihm älter gewordenen Publikum stets präsent. So trat er in den Musikshows Musik aus Studio B und Zum Blauen Bock auf, spielte in der Heinz-Erhardt-Hommage Noch ’ne Oper (1979) mit und hatte auch kleine Rollen in Heidi und Erni (1990) oder Großstadtrevier.

Quinn frönte seiner Leidenschaft für den Zirkus und zeigte sich mit spektakulären, ungesicherten Auftritten auf dem Hochseil, insbesondere in der populären Weihnachtssendung Stars in der Manege. Für seine Darbietungen und sein Engagement wurde ihm der „Zirkus-Oscar“ verliehen. Mehrfach moderierte er auch die Sendung „Zirkus, Zirkus“ (später „Circus“), eine ZDF-Produktion, in der er auch Regie führte.

1981 trat er in der New Yorker Carnegie Hall auf. Im selben Jahr erhielt er die Auszeichnung als Ehren-Schleusenwärter in Hamburg.

Als Sprecher ist Quinn auch in den Scotland-Yard-Hörspielen zu hören, bei denen er den Inspektor Mac McIntosh spricht, und als Sänger des Titelliedes für die Zeichentrickserie Lucky Luke.

Quinn lebt in Hamburg und fühlt eine besondere Verbundenheit mit dieser Stadt, da er hier nicht nur als Sänger entdeckt, sondern – eigenen Angaben zufolge – auch gezeugt wurde. 2003 sang im Hamburger Hafen ein Chor von 83.500 Freizeitsängern seinen Hit La Paloma, nachdem dieser Titel im Fernsehen zum „Jahrhundert-Hit der Deutschen“ gewählt wurde, und stellte so einen Rekord für das Guinness-Buch der Rekorde auf.

2004 geriet Freddy Quinn wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung mit über 900.000 Euro zwischen 1998 und 2002 in die Schlagzeilen. Er hatte gegenüber dem Hamburger Finanzamt die Schweiz als Hauptwohnsitz angegeben, wohnte aber in der fraglichen Zeit tatsächlich überwiegend in Hamburg und war daher steuerpflichtig. Vor Gericht gab er sich voll geständig und hatte zuvor bereits sämtliche Steuerschulden beglichen. Das Hamburger Landgericht verurteilte ihn daher am 22. November 2004 zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldbuße von 150.000 Euro.[13]

In den 1950er Jahren lernte er Lilli Blessmann kennen, mit der er bis zu ihrem Tod am 16. Januar 2008 zusammen war. In der Öffentlichkeit trat sie nur als seine Managerin auf und die Beziehung wurde erst 2002 durch einen Gerichtsprozess allgemein bekannt. In der Presse wird Quinn sowohl mit einer Heirat 1956 als auch mit einem Dementi zitiert.[14][15][16]. Ab 2009 zieht er sich zunehmend aus dem Rampenlicht zurück, tritt nicht mehr auf, verzichtet auf Interviews.

Diskografie

→ Hauptartikel: Freddy Quinn/Diskografie

Auszeichnungen

Der Film "Die Gitarre und das Meer" wurde 1959 mit einem Bambi als erfolgreichster Film des Jahres ausgezeichnet. 1960, 1961, 1962 und 1963 erhielt er den Goldenen, 1964 den Silbernen und 1965 den Bronzenen Bravo Otto. Für seine Verdienste um die Verbreitung deutschen Liedgutes in aller Welt erhielt Freddy Quinn 1984 von Bundespräsident Karl Carstens das Bundesverdienstkreuz I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland verliehen. 1992 wurde er mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich bedacht.[5] Anlässlich seines 65. Geburtstages wurde er 1996 vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg mit der Biermann-Ratjen-Medaille für seine künstlerischen Verdienste um die Stadt Hamburg geehrt.

Als Dank für seinen ehrenamtlichen Auftritt als Moderator mit den Kindern der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Coburg und ihrem Projekt „Circus-Circus“ im Kongresshaus Coburg wurde ihm zu Ehren im Juli 2001 ein noch namenloser Platz vor der AWO Coburg als „Freddy-Quinn-Platz“ gewidmet. Im Juni 2006, bei seinem zweiten Besuch in Coburg, wurde Freddy Quinn zum Freund und Ehrenmitglied der AWO Coburg ernannt. Er wurde zudem offiziell im Rathaus von Coburg empfangen und trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein. 2006 erhielt er auch den Goldenen Rathausmann der Stadt Wien.

Sonstiges

1967 coverte die schwedische Sängerin Anni-Frid Lyngstad (später Mitglied bei ABBA) den Song Junge, komm bald wieder und veröffentlichte ihn unter dem Titel Peter, kom tillbaka (dt.: Peter, komm zurück) als B-Seite ihrer Debüt-Single En ledig dag.

1968 hatte Quinn unter der Regie von Hans Mahler einen Gastauftritt im Hamburger Ohnsorg-Theater in der Komödie Die Kartenlegerin von Wilfried Wroost. Seine Schauspielkollegen waren unter anderem Heidi Kabel, Edgar Bessen, Otto Lüthje, Jochen Schenck, Erna Raupach-Petersen und als weiterer Gast Willy Millowitsch.

Filmografie

Siehe auch

Literatur

Weblinks

 Commons: Freddy Quinn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Carl Dahlhaus, Hans Heinrich Eggebrecht, Oehl Kurt (Hrsg.): Brockhaus Riemann Musiklexikon Brockhaus-Verlag, Wiesbaden 1978, ISBN 3765303038, S. 353.
  2. a b DNB-Eintrag zu Freddy Quinn, abgerufen am 25. September 2010.
  3. Biografie bei Steffi-Line.de
  4. a b Michael Petzel, Jürgen Wehnert: Das neue Lexikon rund um Karl May. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 1978, ISBN 3896025090, S. 347.
  5. a b »Mein Leben hört sich an wie eine Erfindung«: Ein Gespräch mit dem Sänger und Schauspieler ..., Zeit-Online, 1999
  6. Interview mit Heiner Link im September 1999
  7. Als Freddy Quinn nach Fürth kam, nordbayern.de, 20. September 2011, abgerufen am 5. Oktober 2011.
  8. Hafen-Barde, Der Tagesspiegel, 25. September 2006, abgerufen am 27. September 2011
  9. Eugen Kogon und Walter Dirks (Hrsg.): Frankfurter Hefte. Neue Verlagsgesellschaft der Frankfurter Hefte, Frankfurt 1962, S. 196
  10. Dr. Günter Hausswald (Hrsg.): Musica. Monatsschrift für alle Gebiete des Musiklebens. Bärenreiter-Verlag, Kassel/Basel 1963, S. 74
  11. Rita Casale, Jürgen Oelkers, Rita Casale, Jürgen Oelkers, Rebekka Horlacher: Bildung und Öffentlichkeit, Verlagsgruppe Belz, Weinheim 2007. Mehr als 1000 weitere Lieder bzw. Liedtitel sind von ihm gesungen worden (Oliver Armknecht, Centauer 07/2011, S. 39). S. 161
  12. Dr. Günter Hausswald (Hrsg.): Musica. Monatsschrift für alle Gebiete des Musiklebens. Bärenreiter-Verlag, Kassel/Basel 1963, S. 74.
  13. Klaus Miehling: Gewaltmusik – Musikgewalt. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2006, ISBN 3826033949, S. 306
  14. Freddy Quinn 46 Jahre heimlich verheiratet, rp-online, 27. September 2002.
  15. Freddy Quinn weint um seine Frau, Bild.de, 19. Januar 2008.
  16. Freddy Quinn nach dem Tod seiner Frau, Bild.de, 20. Januar 2008.