Friedrich-Schmidt-Platz

Straßentafel mit Zusatzschild (frühere Schreibung; heute wird auch nach Friedrich ein Bindestrich gesetzt.
Das Rathaus und seine Umgebung auf einem Stadtplan aus dem Jahr 1896: Das Friedrich-Schmidt-Denkmal ist bereits eingetragen, der Platz selbst noch namenlos.

Der Friedrich-Schmidt-Platz befindet sich im 1. Wiener Gemeindebezirk, Innere Stadt, und im 8. Wiener Gemeindebezirk, Josefstadt. Er wurde 1907 nach dem Architekten des 1883 an der östlichen Platzseite eröffneten Wiener Rathauses (damals des Neuen Rathauses), Friedrich von Schmidt, benannt.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Charakteristik

Blick aus der Landesgerichtsstraße nordwärts auf die Häuserfront des Platzes im 8. Bezirk, im Vordergrund Haus Nr. 3

Der Friedrich-Schmidt-Platz unterbricht seit 1907 die in Nord-Süd-Richtung verlaufende, heute in beiden Fahrtrichtungen dreispurig ausgebaute Landesgerichtsstraße, Teil der Zweierlinie, und die zu ihr parallele, direkt an die Hinterfront des Rathauses anschließende Rathausstraße. Die Landesgerichtsstraße wurde am zentrumsferneren Rand des zuvor unbebauten Glacis (hier als Parade- und Exerzierplatz genützt) vor der zur heutigen Altstadt weisenden Häuserfront der Vorstadt Josefstadt angelegt, nachdem die Stadtmauern von 1858 an demoliert worden waren.

Der Platz ist Teil des Rathausviertel genannten Stadtteils, der durch die Verbauung des Parade- und Exerzierplatzes ab 1870 entstand. Hier wurde 1872–1883 das bis in die 1960er Jahre Neues Rathaus genannte Zentrum der Wiener Stadtverwaltung gebaut, für das ursprünglich andere Standorte an der Wiener Ringstraße in Diskussion gewesen waren.

Der vom Architekten vorgesehene Freiraum an der Rückseite wurde als Parkanlage gestaltet, hatte aber vorerst keinen speziellen Namen. Fünf Jahre nach dem Tod des Architekten wurde ihm dort 1896 ein Denkmal errichtet. 1907 beschloss die Stadtverwaltung den Namen Friedrich-Schmidt-Platz und dehnte dessen Nummerierung auch auf die Gebäude aus, die dem Rathaus an der Landesgerichtsstraße gegenüber lagen oder zuvor an der Nord- und der Südseite des Platzes Adressen der Felderstraße (seit 1899, vorher seit 1874 Magistratsstraße; parallel zur Nordfront des Rathauses) bzw. der Lichtenfelsgasse (parallel zur Südfront) getragen hatten.

Der nunmehr durch die Nummerierung der Häuser definierte Platz bildet ein schmales, hochkant gestelltes Rechteck; die Bezirksgrenze 1 / 8 verläuft an der westlichen Kante der Parkanlage hinter dem Rathaus, so dass Fahrbahnen und Gehsteige im Zuge der Zweierlinie zur Gänze im 8. Bezirk liegen, auch der Tunnel der U-Bahn-Linie U2 und die Abgänge zur U-Bahn-Station Rathaus westlich der Fahrbahnen (nur der Abgang an der Südseite des Platzes befindet sich im 1. Bezirk). Im 8. Bezirk, westlich der Fahrbahnen der Zweierlinie, liegt auf dem nach Norden breiter werdenden Platz der kleine, bis zur Einmündung der Florianigasse reichende Florianipark. Der Stil der Verbauung entlang des Platzes ist im 1. Bezirk streng historistisch (zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts), im 8. Bezirk biedermeierlich (erste Hälfte des 19. Jahrhunderts).

Die Zweierlinie hat sich im Laufe ihres Bestehens wesentlich verändert. Seit 1901 verkehrten Linien der elektrischen Straßenbahn, vor allem die (seit 1907 so benannten) Linien E2, G2 und H2. Sie wurden von 1966 an in einem Tunnel geführt, in dem sich die Haltestelle Friedrich-Schmidt-Platz / Rathaus befand. Seit 1980 befährt den Tunnel die U-Bahn-Linie U2 und hält in der Station Rathaus. An den östlichen Platzecken des Friedrich-Schmidt-Platzes befinden sich Ein- und Ausfahrt einer Tiefgarage für Dienstfahrzeuge der Stadt Wien. Über den Platz verlaufen auch Radwege.

Bauwerke und Parks

Nr. 1: Rathaus

Nr. 1: die Rückseite des Rathauses, Ecke Lichtenfelsgasse; im Vordergrund Abgang zur U-Bahn-Station

Das Neue Rathaus wurde auf die Ringstraße ausgerichtet. Das in neugotischem Stil errichtete Gebäude wurde 1872–1883 von Friedrich von Schmidt erbaut. Die gesamte östliche Länge des Friedrich-Schmidt-Platzes (1. Bezirk) wird von der Rathaus-Rückseite zwischen Felderstraße (seit 1899, vorher seit 1874 Magistratsstraße) und Lichtenfelsgasse eingenommen. Die Fassade besitzt dort einen hervortretenden Mittelrisalit und zeigt folgende Statuen: In der Mitte die Vindobona von Edmund Hellmer, seitlich davon je 4 allegorische Figuren (Gerechtigkeit, Stärke und Weisheit von Edmund Hellmer, und Treue von Heinrich Fuß; Kunst, Wissenschaft und die Gruppe Erziehung und Wohltätigkeit von Edmund Hofmann von Aspernburg).

An der zum Platz weisenden Rathausseite befand und befindet sich im 1. Stock der Gemeinderatssitzungssaal. Der Architekt sah daher hier eine Wageneinfahrt vor, von der ankommende Gemeinderäte über die Stiegen 7 und 8 direkt zu ihrem Sitzungssaal gelangen konnten; außerdem bestand und besteht ein Durchgang zum Arkadenhof. (In der Einfahrt wurde später ein Feuerwehrfahrzeug in Bereitschaft gehalten; Ende der 1960er Jahre wurde die Einfahrt durch ein Informationsbüro namens Rathausinformation, später Stadtinformationszentrum, ersetzt.)

Nr. 2: Dionys Milch und Heinrich Hellin (1882)

Nr. 2: Ehem. Amerika-Haus

Das bemerkenswerte, auf drei Seiten freistehende Arkadenhaus (Seitenfronten: 1., Rathausstraße 7, und 1., Landesgerichtsstraße 8) wurde 1882 von den Architekten Dionys Milch und Heinrich Hellin errichtet. (Dass das Haus mit Arkaden zu bauen war, hatte der Stadterweiterungsfonds vorgegeben.) Der historistische Bau ist in altdeutschen Formen gestaltet und besitzt zwei Eckrisalite mit hohen Tambourkuppeln. Die besonders gestaltete Mittelachse zeigt einen hohen Attikagiebel und dreigeschoßige Erker. Der Arkadengang ist kreuzrippengewölbt. Aufwändig gestaltet ist der Seiteneingang in der Rathausstraße mit korinthischem Säulenportal, Schmiedeeisengitter und Profilbüsten. Das dahinter liegende Foyer ist stuckmarmorverkleidet, wobei auf einem schwarzen Sockel graugrüne Felder und Pilaster folgen, und wird zum Stiegenhaus hin erweitert. Die Stuckkassettendecke besitzt Deckengemälde und Putten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier das U.S. Information Center untergebracht, das später bis in die 1990er Jahre als Amerika-Haus mit Veranstaltungsprogramm betrieben wurde.

Nr. 3: Ehem. Militärgeographisches Institut, ehem. Eichamt

Nr. 3: Aufsatz am ehemaligen Militärgeographischen Institut

Das dominanteste Gebäude der Häuserfront im 8. Bezirk ist das ehemalige Militärgeographische Institut Ecke Schmidgasse 1. Es wurde 1840–1842 von Franz Ferdinand von Mayern erbaut und ist ein Beispiel eines monumentalen Verwaltungsbaus aus der Zeit des Vormärz. 1870–1871 erfolgte seine Erhöhung um ein Stockwerk. Das Gebäude lag ursprünglich an der Vorstadtfront und am freiliegenden Glacis. Der kubische Baukörper besteht aus einer zweigeschoßigen Sockelzone, auf der drei gleichartige Obergeschoße liegen, die durch dorische Riesenpilaster gegliedert sind. In der Mittelachse wurde ein turmartiger Pavillon aufgesetzt, der bis 1927 als Sternwarte diente. Auf dem kuppeligen Walmdach befindet sich ein vergoldeter Globus als Aufsatz, an der Vorderseite ein Porträtrelief von Johannes Kepler.

Das Militärgeographische Institut wurde vom k. k. Heer in Mailand gegründet und mit dem Bau dieses Gebäudes nach Wien verlegt. Es war eine der bedeutendsten kartographischen Institutionen seiner Zeit, in der genaue Karten aller Länder des Kaisertums Österreich und angrenzender Regionen erstellt wurden. Am Institut wirkte der Schriftsteller Franz Karl Ginzkey, für den eine Gedenktafel am Gebäude angebracht wurde. Nach dem Ende der Monarchie befand sich hier von 1923 bis 1983 das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (Landesaufnahme), das die Herausgabe amtlicher Landkarten übernahm. Heute sind Dienststellen des Wiener Magistrats hier untergebracht.

Nr. 4: Ehem. Czernin'sches Palais und Gemäldegalerie

Das Gebäude Ecke 8., Schmidgasse 2, wurde 1837 im Auftrag von Johann Rudolf Graf Czernin, dem kunstsinnigen Oberstkämmerer des Kaisers, als Fideikommisspalais der böhmischen Adelsfamilie Czernin von und zu Chudenitz errichtet, zu der u. a. Ottokar Czernin, einer der letzten k. u. k. Außenminister, gehörte. Die dreiteilige Portalgruppe besitzt eine toskanische Pilastergliederung und eine Kartusche mit dem Czernin-Wappen. Auf das ursprünglich viergeschoßige, 1945 beschädigte Palais wurden 1950 bei der Renovierung zwei Stockwerke aufgesetzt.

Von seinem Todesjahr 1845 bis 1954 befand sich hier die von Johann Rudolf Graf Czernin begründete private Kunstsammlung, die dann als Leihgabe der Familie Czernin großteils der Residenzgalerie Salzburg übergeben und von dieser in den 1980er Jahren angekauft wurde. Sie umfasste vor allem Malereien holländischer, aber auch italienischer, spanischer und französischer Künstler des 17. Jahrhunderts. Die Czernin'sche Gemäldegalerie war z. B. um 1936 an drei Tagen pro Woche insgesamt zehn Stunden lang öffentlich zugänglich.

Nr. 4: ehem. Czernin'sche Gemäldegalerie, und Nr. 5: Bürohaus der Stadt Wien

Nr. 5: Bürohaus des Magistrats

Das Bürohaus des Magistrats der Stadt Wien Ecke 8., Tulpengasse 1, wurde 1914–1916 von Fritz Keller errichtet. Es wurde anstelle eines Teiles des benachbarten Palais Czernin erbaut. Es handelt sich um einen kubisch geschlossenen, blockhaften Bau, zwischen dessen erstem Obergeschoß massive Volutenkonsolen mit Sockelgesimsen liegen. Kolossalpilaster mit stilisierten Akanthuskapitellen gliedern die Stockwerke. Das Vestibül ist achteckig mit Rundbogennischen und Durchgängen. Im Stiegenhaus befinden sich figurale und ornamentale Keramikreliefs von Franz Barwig dem Älteren (1916). Im Haus sind vor allem das Büro des Kulturstadtrats und die für Kultur zuständige Magistratsabteilung 7, inoffiziell noch Kulturamt genannt, untergebracht.

Nr. 6: Ehem. Lilienfelder Hof

Das Gebäude wurde 1839 errichtet und liegt Ecke 8., Tulpengasse 2. Es wurde 1844 vom Stift Lilienfeld gekauft; dieser Lilienfelder Hof war der fünfte in Folge, den das Stift seit 1260 in Wien betrieb.

Nr. 7

Dieses biedermeierliche Vorstadtzinshaus wurde 1839 von Anton Hoppe und Ignaz Ram erbaut. Über dem Rundbogenportal befindet sich ein Gitterbalkon, im Hauptgeschoß bestehen flache Dachgiebelverdachungen mit Rosettendekor. Hinter der originalen Holztür liegt eine kreuzgratgewölbe Einfahrt. Rechts neben dem Haus befindet sich Ecke 8., Florianigasse 1, die Liegenschaft 8., Landesgerichtsstraße 7.

Nr. 8–9: Ehem. Palais Obentraut
Fritz Wotrubas Stehende Figur, 1960, wurde 1970 vor Nr. 6 aufgestellt.

Nr. 8–9: Ehem. Palais Obentraut

Das auf drei Seiten freistehende Arkadenhaus (Seitenfronten: 1., Landesgerichtsstraße 10, und 1., Rathausstraße 9) wurde 1882 / 1883 von Ladislaus Boguslawski errichtet. (Dass das Haus mit Arkaden zu bauen war, hatte der Stadterweiterungsfonds vorgegeben.) Es ist ein Beispiel eines bedeutenden späthistoristischen Hauses in altdeutschen Renaissanceformen. Die Fassade besitzt seichte Seitenrisalite mit hohen Giebeln und überkuppelte Eckerkertürmchen, die durch Halbsäulen und Karyatidhermen gegliedert sind. Der Arkadengang ist kreuzrippengewölbt und durch Malereien verziert. An den Seitenfassaden liegen stuckierte Einfahrten mit Pilastergliederung, Ädikulen und Kassettendecken. Zum Stiegenhaus führen Doppelmarmorsäulen, die Holztüren sind mit Ätzglasverzierungen geschmückt. Im Hof befinden sich Pawlatschen. Das Haus befand sich im Eigentum des Landes Niederösterreich, das bis 1920 auch Wien umfasste, und wurde bei der Aufteilung des Landeseigentums auf die beiden Bundesländer Wien und Niederösterreich ohne Wien im Trennungsgesetz, das der Wiener und der niederösterreichische Landtag übereinstimmend beschlossen, Ende 1921 dem Land Wien zugeteilt. Im Haus ist heute die Wiener Planungswerkstatt des Magistrats untergebracht, die im Erdgeschoß Ausstellungsräume betreibt.

Park und Denkmal

Park mit Friedrich-Schmidt-Denkmal

Zwischen Rathaus-Rückseite und Landesgerichtsstraße liegt im 1. Bezirk eine Parkanlage; sie wurde 1885 von Stadtgärtner Gustav Sennholz nach Plänen des Architekten Lothar Abel angelegt. In der Mitte des Parks wurde 1896 an der Landesgerichtsstraße das von Edmund Hofmann von Aspernburg und Julius Deininger entworfene Friedrich-von-Schmidt-Denkmal errichtet, eine späthistoristische Bronzestatue auf Steinsockel. Nach seiner aus Sicherheitsgründen erfolgten Abtragung während des Zweiten Weltkrieges wurde es 1951 neu aufgestellt und im Zuge der verkehrstechnischen Umgestaltung der Landesgerichtsstraße, bei der die Straßenbahn Mitte der 1960er Jahre unter die Erde verlegt wurde, ohne die ursprüngliche architektonische Rahmung von Julius Deininger auf die nördliche Seite des Parks versetzt.

Florianipark

Im 8. Bezirk befindet sich zwischen Landesgerichtsstraße und Häuserfront eine kleine und schmale Grünanlage, die den Namen Florianipark (wie die von dort wegführende Florianigasse nach einem Hausschild, das den Heiligen Florian zeigt, benannt) trägt. In der Mitte des Parks wurde vor dem Haus 8., Friedrich-Schmidt-Platz 6, 1970 eine Bronzeplastik von Fritz Wotruba aus der Zeit um 1960 namens Stehende Figur positioniert.

Literatur

  • Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch Wien. II. bis IX. und XX. Bezirk, Anton Schroll, Wien 1993, ISBN 3-7031-0680-8
  • Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch Wien. I. Bezirk - Innere Stadt, Verlag Berger, Horn 2003, ISBN 3-85028-366-6
  • Peter Autengruber: Parks und Gärten in Wien, Promedia, Wien 2008, ISBN 978-3-85371-281-8

Weblinks

 Commons: Friedrich-Schmidt-Platz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.21098116.356329Koordinaten: 48° 12′ 40″ N, 16° 21′ 23″ O