Landesgerichtsstraße

Landesgerichtsstraße
Wappen
Straße in Wien-Josefstadt
Landesgerichtsstraße
Basisdaten
Ort Wien-Josefstadt
Ortsteil Josefstadt
Angelegt 1826
Neugestaltet 1963
Hist. Namen Am Glacis (1826), Am Paradeplatz (1862), Rathausstraße (1872)
Anschlussstraßen Garnisongasse (im Norden), Auerspergstraße (im Süden)
Querstraßen Alser Straße, Florianigasse, Josefstädter Straße (im Westen), Universitätsstraße, Liebiggasse, Grillparzerstraße, Stadiongasse (im Osten)
Plätze Friedrich-Schmidt-Platz
Bauwerke Landesgerichts für Strafsachen
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr, U-Bahnlinie U2, Straßenbahnlinie 2, 43, 44
Straßengestaltung Baumbestand
Technische Daten
Straßenlänge ca 640 Meter

Die Landesgerichtsstraße befindet sich im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt und im 8. Wiener Gemeindebezirk Josefstadt. Sie wurde 1877 nach dem hier befindlichen Landesgerichtsgebäude benannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Landesgericht von der Universitätsstraße aus gesehen um 1905

Das Gebiet, auf dem sich heute die Landesgerichtsstraße befindet, war im Mittelalter ein Teil der Vorstädte vor dem Widmertor und dem Schottentor. Seit dem 16. Jahrhundert lag hier das Glacis vor den Mauern Wiens, genannt Josefstädter Glacis, weshalb die Vorgängerin der heutigen Landesgerichtsstraße ab 1826 den Namen Am Glacis trug. In diesem Teilstück befand sich von 1783 bis 1870 der Parade- und Exerzierplatz, woran zwischen 1862 und 1872 die Bezeichnung Am Paradeplatz erinnerte. Nach dem Beschluss, die Wiener Stadtmauern abzureißen und das Gebiet samt dem davorliegenden Glacis zu verbauen entstand die Wiener Ringstraße mit ihren Prachtbauten und 1864 konzentrisch zu ihr die Lastenstraße am ehemaligen äußeren Ende des Glacis und am Rand der Vorstädte, die den Lastenverkehr aufnehmen sollte. Das letzte Teilstück dieser Lastenstraße bildet die heutige Landesgerichtsstraße, die zunächst aber von 1872 bis 1877 den Namen Rathausstraße trug. Seit 1877 trägt sie den Namen Landesgerichtsstraße. Als 1907 der Friedrich-Schmidt-Platz geschaffen und dadurch die Landesgerichtsstraße in ihrem Verlauf unterbrochen wurde, erfolgte eine Umnummerierung der anliegenden Gebäude.

Lage und Charakteristik

Landesgerichtsstraße nach Süden gesehen

Die Landesgerichtsstraße ist Teil eines durchgehenden Straßenzuges, der aber, ähnlich wie die Ringstraße, in seinen Teilabschnitten eigene Straßennamen trägt. In Verlängerung der Auerspergstraße beginnt die Landesgerichtsstraße bei der Stadiongasse im Süden und reicht als Abschluss der ehemaligen Lastenstraße bis zur Universitätsstraße im Norden. Die Bezirksgrenze zwischen 1. und 8. Bezirk verläuft an der östlichen Straßenseite. Die Landesgerichtsstraße wird durch den Friedrich-Schmidt-Platz unterbrochen, was sich allerdings nur auf die Benennung bezieht und im tatsächlichen Straßenverlauf nicht zu erkennen ist.

Mit jeweils 3 Spuren in jeder Fahrtrichtung ist sie eine sehr bedeutende Straße im Zentrum Wiens, die ein großes Verkehrsaufkommen aufweist. Die früher hier verkehrenden Straßenbahnlinien E2, G2 und H2 wurden daher 1966 in einen Tunnel unter der Lastenstraße verlegt, um den Autoverkehr nicht zu stören. Seit 1980 fährt in diesem adaptierten Tunnel nach Einstellung der Straßenbahnlinien die U-Bahn-Linie U2, die von der Auerspergstraße bis zum Friedrich-Schmidt-Platz (wo sich eine Haltestelle befindet) direkt unter der Landesgerichtsstraße verkehrt. Die Richtungsfahrbahnen sind durch einen Grünstreifen voneinander getrennt. Auch an den beiden Straßenseiten befinden sich Bäume und teilweise vom Gehweg abgesetzte Radwege.

Die Gebäude entlang der Landesgerichtsstraße stammen auf der Seite des 1. Bezirkes mit Ausnahme eines Neubaus durchwegs vom Ende des 19. Jahrhunderts und sind im historistischen Stil erbaut. Auf der Seite des 8. Bezirks sind die Gebäude etwas älter und wurden meist in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet.

Bemerkenswerte Gebäude

Nummer 2 Amtshaus

Der Stahlbetonbau mit Glasfassade wurde 1976 bis 1980 von den Architekten Harry Glück, Werner Höfer und Tadeusz Spychala errichtet und befindet sich in der Rathausstraße 1.

Nummer 3

Landesgerichtsstraße 3 (1839) von Franz Reymund

Das Wohnhaus wurde 1839 von Franz Reymund erbaut. Es besitzt einen Mittelerker und gerade Fensterverdachungen. Hier starb der österreichische Psychiater Josef Gottfried von Riedel, der als Reformer der Irrenpflege bezeichnet wurde.

Nummer 6

Hermann Krackowizer errichtete 1882–1883 dieses Gebäude im Stile der Wiener Neorenaissance. Sein Foyer ist durch Pilaster und Arkaden gegliedert.

Nummer 9

Das Haus entstand 1839 durch Philipp Brandl im frühhistoristischen Stil. Es befindet sich in der Florianigasse 2.

Nummer 10 Palais Obentraut

Das ehemalige Palais Obentraut und heutige Amtshaus wurde 1882–1883 von Ladislaus Boguslawski im späthistoristischen Stil errichtet. Es befindet sich am Friedrich-Schmidt-Platz 8–9.

Nummer 11 Landesgericht

Landesgericht, Fassade zur Alser Straße

Das bedeutendste und größte Gebäude an der Landesgerichtsstraße ist das namengebende Gebäude des Landesgerichts für Strafsachen mit der angeschlossenen Justizanstalt Wien Josefstadt. Das im Volksmund Graues Haus genannte Gebäude entstand auf dem Gelände der bürgerlichen Schießstätte und des 1784 aufgelassenen Stephansfreithofs. Es wurde 1831 bis 1839 von Johann Fischer erbaut, wobei der Einfluss von Peter von Nobile dabei für ihn bestimmend war. Die ersten Häftlinge sollen der Bauführer und der Dachdecker gewesen sein, die betrügerische Abrechnungen vorgelegt hatten. Der Baukomplex entstand um drei Höfe und ist in seinem kubischen Dekor dem Verwendungszweck angemessen. An der Landesgerichtsstraße befindet sich eine sehr lange Fassade, wobei die Kanten des Mittelrisalits turmartig erhöht sind und die Fassade akzentuieren. 1872 wurde an der Alser Straße anstelle des Hauses Zum Schützen ein weiterer Trakt mit dem Großen Schwurgerichtssaal angefügt. 1905–1906 erhöhte man das Gebäude um ein drittes Stockwerk. Die Kapelle wurde 1987 abgebrochen.

Der Große Schwurgerichtssaal ist zweigeschoßig und nach einem antiken Typus gestaltet. Er besitzt eine Apsis und an den Schmalseiten eine Galerie. Über dem glatten Sockel befinden sich dorische Pilaster und Säulen, in der Apsis eine Ädikula mit einem Relief des Bundesadlers und antikisierenden Porträtbüsten. Der Saal wird von einer stuckierten Kassettendecke abgeschlossen. Über dem Haupteingang des Gebäudes liegt der Große Sitzungssaal, der durch sezessionistisches Stuckdekor von 1906 geziert wird.

Als 1873 öffentliche Hinrichtungen verboten wurden, fanden ab 1876 im sogenannten Galgenhof des Landesgerichtes Hinrichtungen statt. Als erster wurde der Raubmörder Enrico Francesconi gehängt. Während des Zweiten Weltkrieges fanden hier zahlreiche Hinrichtungen an Widerstandskämpfern statt, an die eine Gedenkstätte und eine Gedenktafel aus dem Jahr 1988 erinnern.

Zwei Morgenländische Platanen vor dem Gerichtsgebäude sind als Wiener Naturdenkmäler ausgewiesen.

Karyatidtor am Wohn- und Sterbehaus von Julius Wagner-Jauregg

Nummer 12

Ladislaus Boguslawski errichtete 1886–1887 dieses strenghistoristische Wohnhaus im Stile der Wiener Neorenaissance. Über einem Portal mit toskanischen Halbsäulen befindet sich ein zweigeschossiger Mittelerker. Das Foyer ist stuckiert, durch Pilaster gegliedert und mit einer Pendentifkuppel zwischen Tonnengewölben gedeckt.

Nummer 16

Das Eckhaus wurde 1881 von Wilhelm Stiassny im historistischen Stil erbaut. Es liegt an der Grillparzerstraße 14.

Nummer 18

Das Gebäude wurde nach Plänen von Anton Adametz 1881–1882 im Stil der Wiener Neorenaissance erbaut. Hinter einem Portal mit Karyatiden liegt die Einfahrt, die durch rote Marmorpilaster gegliedert wird. Das erweiterte Vestibül führt zu seitlichen Stiegenaufgängen mit Steinbalustraden. Im Hof befindet sich ein Brunnen mit einer weiblichen Figur mit Fisch. Im Haus lebte von 1892 bis 1940 der österreichische Psychiater und Nobelpreisträger Julius Wagner-Jauregg, der hier auch starb. Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an ihn.

Nummer 20

Das strenghistoristische Eckhaus wurde 1881–1882 von Ludwig Richter erbaut. Es liegt an der Liebiggasse 8.

Literatur

  • Bundesdenkmalamt (Hg.): Dehio-Handbuch Wien. II bis IX. und XX. Bezirk. Anton Schroll: Wien 1993
  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien Bd. 3. Kremayr & Scheriau: Wien 1994
  • Bundesdenkmalamt (Hg.): Dehio-Handbuch Wien. I. Bezirk - Innere Stadt. Verlag Berger: Horn 2003

Weblinks

 Commons: Landesgerichtsstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.21189916.355803Koordinaten: 48° 12′ 43″ N, 16° 21′ 21″ O