Friedrich Wimmer (Verwaltungsjurist)

Wimmer (Links), als Generalkommissar in den Niederlanden, Den Haag 21. Juni 1940.

Friedrich Wimmer (* 9. Juli 1897 in Salzburg; † 2. August 1965 in Regensburg) war österreichischer Verwaltungsjurist in der Zeit des Nationalsozialismus (NSDAP-Mitgliedsnr. 6.330.487 und SS-Mitgliedsnr. 308.221). Er war unter anderem österreichischer Staatssekretär im Kabinett Seyß-Inquart, Regierungspräsident von Niederbayern und der Oberpfalz, Generalkommissar der Verwaltung und Justiz in den besetzten Niederlanden unter Arthur Seyß-Inquart.

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Biografie

Wimmer entstammte einem national gesinnten Elternhaus. Er studierte seit 1915 an der Universität Wien bei Josef Strzygowski Kunstgeschichte, dessen rassischen Theorien Einfluss auf Wimmer ausübten. 1915–1918 nahm er am Ersten Weltkrieg teil. 1920–1923 arbeitete er als Assistent am Museum in Göteborg. Am 12. Juli 1922 wurde er in Wien mit der Arbeit „Die frühe christliche Steinbaukunst in Schweden“ promoviert. 1923 legte er die Prüfung für das Lehramt an Mittelschulen ab. Seit 1926 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien und wurde 1m 29. März 1930 zum Dr. iur. promoviert. Nach kurzer Tätigkeit am Kunsthistorischen Institut der Universität Wien arbeitete er ab 1928 als Archäologe am Niederösterreichischen Landesmuseum und wurde in der Folge niederösterreichischer Landesarchäologe.

Nach dem Abschluss des Jurastudiums trat er 1932 in den Dienst der niederösterreichischen Landesregierung und in die NSDAP ein. In der NSDAP machte er Karriere als juristischer Berater von Josef Leopold, Edmund Glaise von Horstenau und Seyß-Inquart. Im österreichischen Ständestaat machte er, trotz seiner illegalen Mitgliedschaft in der NSDAP, ebenfalls Karriere. Am 22. Dezember 1935 wurde er Ministerialsekretär in Kanzleramt Österreichs.

Während der Vorbereitungen des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 trat Wimmer am 12. März 1938 der SS bei und wurde am 11. März 1938 als Staatssekretär ins Kabinett berufen. Er arbeitete in Zusammenarbeit mit der deutschen Verwaltung das Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich aus. Nach dem Anschluss leitete Wimmer als Staatssekretär des Inneren die Abteilung Rechtsangleichung, er organisierte dabei insbesondere die Angleichung der Verwaltung und deren Gliederung an die Strukturen des sog. „Altreiches“. Seit dem 4. August 1939 war er Staatskommissar beim Reichsstatthalter.

Seit dem 8. September 1939 zunächst kommissarisch, war er seit dem 1. April 1940 endgültig Regierungspräsident in Regensburg zuständig für Niederbayern und die Oberpfalz, ein Amt das er bis zum 14. September 1943 innehatte. Bereits seit Mai 1940 nahm er als Generalkommissar für die Verwaltung und die Justiz unter Reichskommissar Seyß-Inquart eine zentrale Position in der Besatzungsverwaltung der Niederlande ein. Diese Position behielt er bis 1945, als er auf Befehl der Engländer die Geschäfte an die niederländische Regierung übergab. 1942 wurde er bei der SS zum SS-Brigadeführer befördert.

1946–1947 war er in britischer Kriegsgefangenschaft, bis März 1949 im Internierungskrankenhaus Garmisch-Partenkirchen. Seine Entnazifizierung erfolgte am 17. März 1949 in Regensburg als Mitläufer in Gruppe IV.

Am 13. und 14. Juni 1946 wurde Wimmer bezüglich der Besatzungszeit in den Niederlanden als Zeuge der Verteidigung während des Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesses vernommen[1], verhört. 1947 wurde er vom Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation interviewt, die niederländische Justiz sah jedoch von der Strafverfolgung ab. 1957 stellte die österreichische Justiz das Verfahren gegen ihn ein, worüber er durch einen Anwalt ein Jahr später einen Bescheid erwirkte.

Von 1949 bis 1953 war er als Leiter der Rechtsabteilung in der Direktion der Mannheimer Lebensversicherung tätig.

Literatur

  • Christoph Kreutzmüller: Händler und Handlungsgehilfen: der Finanzplatz Amsterdam und die deutschen Großbanken (1918-1945), Stuttgart 2005, ISBN 3515086390, S. 342
  • Annemarie Liebler: Geschichte der Regierung von Niederbayern, München 2008, ISBN 978-3-8316-0836-2, S. 132–133 (mit Bild und allen Details zum Lebenslauf) [1]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Internationaler Militärgerichtshof Nürnberg (Hrsg.): Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg. (14. November 1945 bis 1. Oktober 1946). Amtlicher Text in deutscher Sprache., Nürnberg 1947, Band 16, S. 202–232.