Ganz (Gemeinde Matrei in Osttirol)

Die Fraktion Ganz gesehen von Norden

Ganz ist eine Fraktion der Gemeinde Matrei in Osttirol. Die Ortschaft liegt südwestlich des Matreier Marktes im Matreier Talkessel und wurde 2001 von 132 Menschen bewohnt.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Weiler Guggenberg mit der Dreifaltigkeitskapelle

Ganz liegt in der Katastralgemeinde Matrei in Osttirol Land und befindet sich rund zwei Kilometer südwestlich des Zentrums des Matreier Marktes im Westen des Matreier Talkessels. Zusammen mit den benachbarten Dörfern Waier und Bichl im Osten bildet Ganz am Abhang des Zunigs eine Streusiedlung im Süden des Matreier Marktes, die von der Bevölkerung als „Echlerwasser“ bezeichnet wird. Ganz besteht aus zahlreichen, verstreuten Hofstellen, wobei die Bauernhöfe Lukasser, Niggler und Lampeter den Weiler Guggenberg bilden. Zudem wurde in Ganz mittlerweile auch eine größere Zahl an Einfamilienhäuser errichtet, die vor allem an der Straße von Waier ins Virgental, im Bereich des Ganzerbachs, liegen.

Bevölkerung

1869 lebten in Ganz 127 Menschen in 24 Häusern.[2] Bei der Volkszählung 1890 war die Zahl der Einwohner von Ganz und Guggenberg hingegen auf 96 gesunken, wobei 16 Häuser zu Ganz gezählt wurden.[3] Bei der Volkszählung 1951 wurde für Ganz eine Bevölkerungszahl von 127 Menschen erhoben. Zudem wurden 21 Häuser zu Ganz gerechnet. Davon entfielen drei Häuser und 36 Bewohner auf Ganz, drei Häuser und 30 Einwohner auf den Weiler Guggenberg, drei Häuser mit 21 Bewohnern auf die Häuser um die Nikolauskirche und sechs Häuser mit 40 Personen auf zerstreut liegende Häuser. Zudem gehörten sechs Almhüten zu Ganz.[4]

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten

Die romanische Nikolauskirche

Das bedeutendste Bauwerk der Fraktion Ganz ist die romanische Filialkirche St. Nikolaus. Der heute bestehende Bau wurde im 12. oder frühen 13. Jahrhundert errichtet, geht jedoch auf einen wesentlich älteren Vorgängerbau zurück. Besonders bedeutend sind die wertvollen romanische Fresken in der Kirche. Neben der St.-Nikolaus-Kirche liegen in der Fraktion Ganz auch die Kapelle zur heiligen Dreifaltigkeit im Weiler Guggenberg, der Dreifaltigkeitsbildstock am Weg zur Nikolauskirche, die geschützte Hofgruppe um die St.-Nikolaus-Kirche sowie ein denkmalgeschützter Kornkasten und eine Getreidemühle.

Kapelle Hl. Dreifaltigkeit

Die Kapelle zur heiligen Dreifaltigkeit befindet sich im Weiler Guggenberg beim Bauernhof Niggler. Die zweijochige Kapelle verfügt über ein steiles, schindelgedecktes Satteldach ohne Dachreiter und wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet. Äußerlich ist die Kapelle zudem durch eine leicht eingezogene Apsis sowie jeweils zwei Rundbogenfenstern in den Längswänden gegliedert. An der Eingangsseite befindet sich ein rechteckiges Portal und ein Rundfenster im Giebel.

Die Decke der Kapelle wird im Inneren von einem Tonnengewölbe gebildet. Die reichliche Inneneinrichtung geht auf die Geschichte des heutigen Bauernhauses Niggler zurück, das in früherer Zeit als gräfliches Jagdhaus diente. Der kleine Rokokoaltar besteht aus Holz mit einer braunen Marmorfassung und verfügt über vergoldete Ornamentteile. Der Altar selbst wird von der Figurengruppe der heiligen Dreifaltigkeit dominiert, wobei die Figur des Christus ein Kreuz in seiner linken Hand hält, auf dem sich der heilige Geist, dargestellt als Taube mit goldenen Strahlen befindet. Auf dem Sockel des Retabels befinden sich zudem vier Heiligenfiguren, die den heiligen Nikolaus, den heiligen Sylvester und zwei weibliche Heilige darstellen.

Bildstöcke und Votivtafeln

Drei der vier Votivtafeln an der Iselbrücke

An der Abzweigung zur St.-Nikolaus-Kirche liegt das Dreifaltigkeitsstöckl, auch Ganz-Stöckl genannt. Es handelt sich dabei um einen Bildstock, der in seiner heutigen Form vermutlich in den 1930er Jahren erbaut und 1953 restauriert wurde. Der offene Bildstock mit Säulenvorbau und rundbogiger Altarnische verfügt über ein Barockbild, das mit dem Datum 1754[5]/1774[6] datiert ist. Das Bild zeigt die Armen Seelen im Fegefeuer mit der Darstellung der heiligen Dreifaltigkeit, wobei Christus, Gott und der heilige Geist (Taube) durch einen Dreiecksnimbus zusammengefasst sind. Zudem verfügt der Bildstock über zwei Figuren des heiligen Josef bzw. des heiligen Antonius.

Unweit des Dreifaltigkeitsstöckl befindet sich die Ganzer Hauskapelle. Sie wurde nach dem schweren Winter 1951 errichtet. Die Bäuerin Anna Mattersberger hatte dabei nach einem Gelöbnis den Bildstock errichten lassen, nachdem die Arnitzlawine den Bauernhof Ganzer knapp verschont hatte. Bei dem ziegelgedeckten Bildstock, der dem heiligen Sylvester geweihten wurde, handelt es sich um einen offenen Bildstock mit Säulenvorbau und rundbogiger Altarnische. Das Bild des Bildstockes zeigt den heiligen Sylvester und einen Schutzengel.

Östlich der Wegkreuzung der Zeller Iselbrücke befinden sich vier Votivbilder. Sie stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bzw. der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und sind mehreren bei Unglücken zu Tode gekommenen Menschen gewidmet. Bei den Votivbildern handelt es sich um volkstümlich bemalte Bildtafeln, auf denen sich jeweils sakrale Darstellungen und ein Text zu den Unglücksfällen befindet.

Bauernhäuser

Die Bauernhöfe Klabiner (links) und Messner (rechts)

Neben den Sakralbauten verfügt Ganz auch über mehrere denkmalgeschützte Profanbauten. Von besonderer Bedeutung ist die Hofgruppe unterhalb der St.-Nikolaus-Kirche, die aus dem Bauernhof Klabiner (Ganz Nr. 14) und dem Bauernhof Messner (Ganz Nr. 15) besteht. Es handelt sich dabei um zwei ehemalige Freistiftgüter des Matreier Pfarrwidums. Der Bauernhof Klabiner, ein Teilgut der ehemaligen Klabinerhube, ist ein typischer Osttiroler Paarhof mit Brunnenhäuschen. Unmittelbar neben dem Klabinerhof befindet sich das Bauernhaus Messner, das Geburtshaus des Bildhauers Virgil Rainer. Im Gegensatz zum benachbarten Klabiner handelt es sich beim Messnerhof um einen wuchtigen Einhof mit freistehendem Kornkasten aus dem 18. Jahrhundert. Zu den wichtigen Profanbauten der Fraktion gehören zudem ein zu den Bauernhöfen Ganz Nr. 3 und Nr. 5 gehörender Kornkasten und die naheliegende Hansermühle. Der Kornkasten stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde als materiell geteilter Speicherbau errichtet. Vermutlich vor 1700 wurde das Gebäude zu einem Doppelkasten erweitert. Bei der Hanslermühle handelt es sich um eine Getreidemühle in Hanglage mit giebelseitigem Mühlenrad. Die Mühle stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert.

Einzelnachweise

  1. Statistik Austria Einwohner nach Ortschaften der Gemeinde Matrei in Osttirol, Volkszählung 2001
  2. Orts-Repetorium der Gefürsteten Grafschaft Tirol und Vorarlberg. Auf Grundlage der Volkszählung vom 31. Dezember 1869 bearbeitet von der k. k. statistischen Central-Commission in Wien. Innsbruck 1873
  3. k. k. statistische Central-Commission (Hrsg.): Special-Orts-Repertorium von Tirol. Neubearbeitung auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. December 1890. Wien 1893
  4. Österreichisches Statistisches Zentralamt (Hrsg.): Ortsverzeichnis von Österreich. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Juni 1951. Wien 1953
  5. Pfarrkirche St. Alban. Matrei in Osttirol. S. 81
  6. Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Lienz. Teil III. Iseltal, Defereggental, Kalsertal, Virgental. S. 122

Literatur

  • Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Lienz. Teil III. Iseltal, Defereggental, Kalsertal, Virgental. Verlag Berger, Horn 2007 ISBN 978-3-85028-448-6 (Österreichische Kunsttopographie, Band LVII)
  • Alexander Brugger; Josef Wörgötter: Pfarrkirche St. Alban. Matrei in Osttirol. Selbstverlag, Matrei in Osttirol 1984
  • Tobias Trost; Alexander Brugger: Matrei in Osttirol. Eine Wanderung von der Kienburg bis zum Großvenediger. Edition Anteros, Wien 2005, ISBN 3-85340-015-9

Weblinks

 Commons: Ganz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

46.992512.519444444444Koordinaten: 47° 0′ N, 12° 31′ O