HOSI

HOSI ist die seit 1979 verwendete Abkürzung für Homosexuelle Initiative. Diese Bezeichnungen werden vor allem aus juristisch-historischen Gründen von mehreren dezentralen und voneinander unabhängigen Organisationen verwendet, welche für die Rechte von homo- und bisexuellen Menschen in Österreich oder den angrenzenden Ländern eintreten.

Bundesweite Massenmedien beziehen sich ohne Namenszusatz oft nur auf die in der Bundeshauptstadt beheimatete Homosexuelle Initiative Wien. Regionale Massenmedien beziehen sich oft auf ihre lokale HOSI. Durch die in Österreich dominierende Bezeichnung HOSI wird es besonders im Plural manchmal von Unbedarften auch als Dach- oder Gattungsbezeichnung verstanden und meint dann andere Vereine mit.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

1979, als die erste Homosexuelle Initiative in Wien gegründet wurde, existierte mit § 221 StGB noch das Verbot für „Verbindungen zur Begünstigung gleichgeschlechtlicher Unzucht“ (kurz: „Vereinsverbot“), welches erst am 1. März 1997 (BGBl. 1996/762) außer Kraft getreten ist. Man nannte sich also „Initiative“ anstatt Verein – teils aus taktischer Vorsicht, teils wegen des dynamischeren Begriffs: Ziel war und ist ja, etwas zu bewegen. Damals wurde in einer Versammlung auch die Kurzform HOSI beschlossen. Nach Anfangsschwierigkeiten wurde der Verein 1980 von der zuständigen Wiener Behörde zugelassen, bei Vereinsgründungen in den anderen Bundesländern wurde der schon einmal akzeptierte Name beibehalten. Bei der Gründung der HOSI Salzburg im Jahr 1980 wurde der Untersagungsbescheid der Salzburger Vereinsbehörde erst kurz nach Ablauf der sechswöchigen Frist[1] nach der Anmeldung zugestellt und war somit ungültig. Man geht davon aus, dass diese „österreichische Lösung“ ein Schachzug der Behörde war, um dem Gesetz formal zu entsprechen („Wir haben ihn untersagt.“), den Verein aber trotzdem nicht zu verbieten („Es wurde ‚leider‘ zu spät abgeschickt“.)

Die für alle HOSIs manchmal verwendete Langformen „Homosexuellen(-)Initiative“ oder „Homosexuellenintitiative“ sind irreführend bis falsch. Die häufig verwendete unpräzise Langform HomosexuelleN-Initiative blendet einen charakteristischen Nebenaspekt aus, da sie nahe legt, der betreffende Verein akzeptiere nur Lesben und Schwule als Mitglieder. Diese Einschränkung gilt nur de facto für zentrale Vertretungsaufgaben, jedoch hatten bereits mehrfach heterosexuelle Frauen und Männer auch Vorstandsfunktionen in einigen HOSIs inne. Der korrekte Langname HomosexuellE Initiative bezieht sich daher ausschließlich auf die mit Diskriminierung verbundene Orientierung im weitesten Sinn, also nicht nur, wenn sie überwiegt – und zielt damit auf die Überwindung einer Freiheitsbeschränkung für (fast) alle Menschen.

Organisationen

Derzeit gibt es je eine HOSI in Wien, Linz, Salzburg und Innsbruck und früher auch in Graz und in Dornbirn. Nachdem der Verein in Graz eingegangen war, gründeten sich zwei Jahre später die RosaLila PantherInnen und wurden längere Zeit manchmal nach dem Vorgängerverein als HOSI Steiermark bezeichnet.

Die HOSI-Vereine in den einzelnen Bundesländern arbeiten seit je her dezentral und unabhängig voneinander. Als Dachverband für die HOSIs und für die anderen österreichischen Vereine existierte von 1991[2] (als Verein von 1995[3]) bis 2000[4] das Österreichische Lesben- und Schwulenforum (ÖLSF). Jede Initiative arbeitet bundesweit mit Hauptfokus auf das Heimatbundesland, wobei keine Ableger in anderen Bundesländern vorgesehen sind. Da der Sitz der Bundesregierung und des Parlaments Wien ist, ist es für die HOSI Wien leichter, Bundesagenden wahrzunehmen. Jedoch sind bei offiziellen Terminen auch die anderen Vereine oft gleichberechtigte Partner, soferne es die Personalressourcen zulassen.

Vereinsname Kurzform Bundesland/Hauptfokus Ort von bis nahestehendes Zeitungsprojekt
Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien –
1. Lesben- und Schwulenverband Österreichs
HOSI Wien Wien
Niederösterreich
Wien 1979 akt. LAMBDA-Nachrichten
HOSI Salzburg
Homosexuelle Initiative Salzburg
HOSI Salzburg Salzburg Stadt Salzburg 1980[5] akt. HOSI News (2001–2007)
COMING IN (2008-akt.)
Homosexuelle Initiative Linz (HOSI Linz) –
Die Lesben- und Schwulenbewegung in Oberösterreich
HOSI Linz Oberösterreich Linz 1982[5] akt. HOSI-Info (1991-1997)
PRIDE (1997–akt.)
Homosexuelle Initiative Steiermark HOSI Steiermark Steiermark Graz 1983[5] 1989 Rosa Buschtrommel (1984–1989)
Homosexuelle Initiative Tirol (HOSI-Tirol) HOSI Tirol Tirol Innsbruck 1983[5] akt. >PRIDE (2008–akt.)
Homosexuelle Initiative Vorarlberg HOSI Vorarlberg Vorarlberg Dornbirn 1987[5] 2001[6]
Rosalila PantherInnen RLP Steiermark Graz 1991 akt. Rosa-Lila Buschtrommel (1992–2000)
PRIDE (2000–akt.)

Weitere bedeutende und teilweise von ehemaligen Mitarbeitern der HOSI Wien gegründete Vereine sind das Rechtskomitee Lambda (RKL) als Rechtshilfe-, Beratungs- und Lobbyorganisation, der Klagsverband und die Rosa Lila Villa als Beratungs-, Wohn- und ehemals alternatives Gastronomieprojekt sowie als Treffpunkt für viele kleinere Gruppen.

Zum Gründungsdatum war die HOSI Wien eine reine Schwulenorganisation, einige Monate später wurden auch Lesben aufgenommen, die eine von Beginn an sehr aktive Arbeitsgruppe gründeten. Vereine in einigen anderen Bundesländer wurden bereits führend von Frauen initiiert und aufgebaut. Seit 1991 üben die leitende Funktion der HOSI Wien stets eine Obfrau und ein Obmann aus, und auch im weiteren Vorstand sieht das Statut (ohne Doppelbesetzung) eine paritätische Zusammensetzung vor (50:50). In formal unterschiedlicher Weise bemühen sich auch die (meisten) anderen Bundesländervereine um fairen Geschlechteranteil in den Vorständen. Unter den Mitgliedern liegt er, wie in vielen politischen Organisationen unterschiedlichster Art, bei etwa 1:2 (Frauen:Männer).

Arbeit

Hauptaufgaben der als Nichtregierungsorganisationen agierenden Vereine sind die Beratung von Homosexuellen oder Menschen aus deren Umfeld, Unterstützung von Forderungen nach Gleichstellung (z. B. nach der Ehe entsprechenden Partnerschaftsformen), Bekämpfung von Diskriminierung, Abbau von Vorurteilen, Mitentwicklung der gesellschaftlichen Akzeptanz und Treffpunkt außerhalb der kommerziellen Lokalszene.

Die Lesben- und Schwulenbewegung in Österreich hat einige politische Veränderungen erreicht, unter anderem:

  • 1989: Aufhebung des Verbots schwuler Prostitution (§ 210 StGB)
  • 1996: Aufhebung des Vereins- und so genannten Werbeverbots (= „Gutheißung“) für homosexuelle Themen (§§ 220, 221 StGB)
  • 2003: Löschen der Vormerkungen in EKIS und erkennungsdienstlicher Daten von Verurteilten nach § 209
  • 2000–2005: Aufnahme des Schutzes vor Diskriminierung in die Landesverfassungen einiger Bundesländer
  • 2005: Aufnahme von Homosexuellen als Opfergruppe ins Opferfürsorgegesetz
  • 1996: Pflegeurlaub für Landesbedienstete in der Steiermark (Panther)

Weitere Verbesserungen mussten anhand von konkreten Fällen auf gerichtlichem Weg und mit gemeinsamer Vorarbeit aller Kräfte errungen werden:

  • 2002: Aufhebung des § 209 StGB, der ein um vier Jahre höheres Schutzalter für gleichgeschlechtlichen männlichen Sexualverkehr vorschrieb (Vergleichbar mit dem deutschen § 175, zweimalig bis zum VfGH durch die HOSI Wien (1989) und durch das RKL)
  • 2003: Eintrittsrecht in den Mietvertrag des verstorbenen gleichgeschlechtlichen Partners (bis zum EGMR durch die HOSI Wien)
  • 2003: Verbot der Rückwirkung des neuen § 207b StGB auch bei schwulen Beziehungen durch den OGH (RKL)
  • 2004: Schenkungssteuerfreie Unterstützung auch für gleichgeschlechtliche Lebensgefährten
  • 2003–2006: Aufhebung zahlreicher Verurteilungen wegen § 209 und Zuerkennung von Wiedergutmachungszahlungen durch den EGMR (RKL)
  • 2006: Anordnung der Löschung auch manuell erfasster Daten von Verurteilten nach § 209 durch den VwGH und den VfGH (RKL)

Die HOSI-Vereine führen auch regelmäßige Projekte durch. Das unumstritten größte Projekt ist die Wiener Regenbogenparade, die 1996 vom Österreichischen Lesben- und Schwulenforum gegründet wurde, seit 2003 von der HOSI Wien organisiert wird und jährlich von über 100.000 Menschen besucht wird. Zusätzlich gibt es zahlreiche Festveranstaltungen aller Vereine, Stop-Aids-Projekte (PantherInnen), Jugendprojekte (HOSI Linz und Wien) und auch lokale Paraden (HOSI Salzburg und Tirol).

HOSI im Ausland

Im an Österreich angrenzenden deutschen Sprachraum ist der Name „Homosexuelle Initiative“ bzw. die Kurzform „HOSI“ ebenfalls verbreitet.

Deutschland

Die HOSI Rosenheim existierte von 2000 bis 2005 und musste wegen mangelnder Beteiligung sowie anderweitiger Verpflichtungen der bestehenden Mitglieder aufgelöst werden. Der Jugendstammtisch verlagerte sein Treffen in ein Lokal. Unter anderem um die daraufhin entstandene örtliche Lücke zwischen München, Salzburg und Innsbruck zu schließen, wurde im März 2006 queer.in.kufstein gegründet.

Italien

In Bozen gibt es seit 1991 die Homosexuelle Initiative Südtirol (HIS) Centaurus, welche in ihren Aufgaben und Tätigkeiten ähnlich den österreichischen Schwestervereinen ist.

LAMBDA-Nachrichten

LAMBDA-Nachrichten
Sprache deutsch
Erscheinungsweise 5× jährlich
Chefredakteur Gudrun Hauer, Kurt Krickler
Herausgeberin HOSI Wien
Weblink http://www.lambdanachrichten.at
ZDB 1081954-x

Die LAMBDA-Nachrichten sind eine Zeitschrift der HOSI in Wien. Sie werden seit 1979 produziert und sind das älteste, durchgängig erscheinende Lesben- und Schwulenperiodikum im deutschsprachigen Raum.

Erscheinungsweise

Bis 2005 erschienen die LAMBDA-Nachrichten viermal, danach sechsmal, seit 2010 fünfmal jährlich. Sie liegen in Szenelokalen und -Geschäften mit Schwerpunkt Wien zur Entnahme auf und werden an Mitglieder der HOSI Wien und an Abonnenten per Post versandt. Seit der dritten Ausgabe 2004 werden die LAMBDA-Nachrichten auch als PDF im Originallayout im Internet publiziert.

Auflage und Leser

Die LAMBDA-Nachrichten erscheinen in einer Auflage von 8000 Exemplaren. Das Heft wird im Mittelformat (zwischen DIN A4 und A5) gedruckt und der Umfang beträgt 40-56 Seiten. Vor allem Lesben, Schwule und bisexuelle Menschen zählen zur Leserschaft der LAMBDA-Nachrichten, etwa ein Drittel Frauen und zwei Drittel Männer.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. § 6 & § 7 Vereinsgesetz 1951 i.d.F. vom 28. April 1962
  2. 4. Österreichisches Lesben- und Schwulenforum „Alpenglühen“ mit „Rechtsresolution Alpenglühen“: 28. Oktober – 1. November 1994, Wien (WUK)
  3. „Geschäftsordnung für Generalversammlungen und Plena, beschlossen von der Grazer Gründungsversammlung am 4. Februar 1995“
  4. 5. Österreichisches Lesben- und Schwulenforum: 26.–29. Oktober 1995, Linz; 6. Österreichisches Lesben- und Schwulenforum „L(i)eben gegen den Strom“ mit „TransGender-Resolution“: 1.–3. November 1996, Dornbirn; „7. Österreichische Lesben-Schwulen-und TransGender-Forum Lebenswelten – Menschenrechte“: 24.–26. Oktober 1997, St. Pölten (mit darauf folgenden „Diemann-Prozess“); 8. Forum mit „Resolution des 8. Österreichischen Lesben-, Schwulen und TransGenderForums Klagenfurt“: 30. Oktober – 1. November 1998, Klagenfurt
  5. a b c d e Ulrike Repnik: Die Geschichte der Lesben- und Schwulenbewegung in Österreich, (Feministische Theorie Band 48), Milena Verlag, Wien 2006, ISBN 3-85286-136-5, S. 150
  6. Amtsblatt für das Land Vorarlberg 1/2002, 12. Jänner 2002, S. 10, vorarlberg.at