Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen

Filmdaten
Deutscher Titel Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen
Produktionsland Österreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1994
Länge 106 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Andreas Gruber
Drehbuch Andreas Gruber
Produktion Andreas Gruber
Musik Peter Androsch
Kamera Hermann Dunzendorfer
Schnitt Hubert Canaval
Eva Schneider
Besetzung

Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen ist eine Verfilmung der Ereignisse vor, während und nach der sogenannten Mühlviertler Hasenjagd im Jahr 1945.

Der Film erreichte in den österreichischen Kinos rund 123.000 Besucher und war damit der erfolgreichste österreichische Film des Jahres 1995.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Der Film beginnt laut einer Einblendung an einem Morgen im Jänner 1945. Der Zuseher wird auf die wahren Begebenheiten hingewiesen, auf denen der Film basiert. Die ersten Bilder zeigen Impressionen des KZ Mauthausen, danach folgt der Schnitt ins Innere von Baracke 20 – dem „Todesblock“. Hier schlafen auf dem Boden etwa 500 russische Soldaten, die sich geweigert haben, nach ihrer Gefangennahme für Deutschland zu kämpfen, als der Weckruf erfolgt. Schon lange nur mehr auf niedrigste Lebensmittelrationen gesetzt, erwachen viele nur mühselig, manche gar nicht mehr.

Unter den Kriegsgefangenen, die sich nach draußen in den Hof schleppen, sind auch die russischen Offiziere Michail und Nikolai, deren Schicksal im Film als roter Faden dient. Es ist Winter und die Männer, die viel zu dünn angezogen sind, versuchen sich gegenseitig aufzuwärmen, als ein Stein über die Mauer fällt. Es ist eine Nachricht darum gewickelt: Block 20 soll in einem Monat geräumt sein!

Der Ausbruch

In einer der folgenden Nächte wird der aufgrund der aussichtslosen Lage geplante Ausbruch durchgeführt. Die Gefangenen überwältigen die Kapos, fertigen sich aus den Decken und sonstigen Gegenständen Schuhe und Waffen und verabschieden sich von jenen, die für die Flucht zu schwach sind. Danach verlassen sie die Baracke. Mit Wurfgeschossen und Feuerlöschern werden die Turmwachen abgelenkt, während Tische und Sessel vor den Mauern aufgetürmt werden. Nur etwa 150 der 500 Gefangenen gelingt die Flucht in die Nacht, darunter auch Michail und Nikolai. Die meisten jedoch kommen noch im Lagerbereich ums Leben.

Die Sirenen, die vom Lager aus ertönen, wecken um halb 4 Uhr in der Früh die Nachbarschaft auf. Zu ihnen gehört auch die Familie Karner. Die Menschen, die auf der Suche nach Auskunft aus den Häusern strömen, werden von der SS informiert, dass aus dem Lager 500 „Schwerverbrecher“ ausgebrochen und Richtung Norden geflüchtet seien. Alle verfügbaren Männer von Volkssturm, Wehrmacht auf Urlaub, Feuerwehr, Gendarmerie und HJ haben sich an der Verfolgung zu beteiligen. Es seien auf keinen Fall Gefangene zu machen. Die Verbrecher sollen auf der Stelle liquidiert werden.

Schon in den nächsten Minuten wird die Gesinnung vieler Bewohner der Umgebung klar. Fredl Karner, der wegen einer Sehschwäche kriegsuntauglich ist, blickt rasch weg, als er drei der geflüchteten Russen in dem Ort sieht, in dem der Anführer der SS gerade noch seine Rede gehalten hat. Auch Gendarm Birker steht der Jagd ablehnend gegenüber, ihm hätten sie ja nichts getan, diese Schwerverbrecher. Die Anweisung an seine Gruppe ist eindeutig: „Von uns sieht und hört keiner was. Und fangen tun wir schon überhaupt keinen.“ Ihm gegenüber stehen aber all jene, die mit Feuereifer dabei sind, denen schon der Finger juckt.

Die „Hasenjagd“

Mit der einbrechenden Dämmerung beginnt die Jagd. Vor den Augen von Frau Karner, die auf dem Weg zur Kirche ist, laufen ein paar Flüchtlinge aus dem Wald, die Verfolger dicht auf den Fersen. Auch ihr Sohn Fredl ist bei dieser Gruppe, die die Flüchtlinge vor den Augen der Frau und ihrer kleinen Tochter tötet, dabei, er trottet als letzter aus dem Wald. Er wird in den folgenden Stunden noch vieler solcher grausamer Treibjagden Zeuge sein, in dessen Kreuzfeuer auch die Jäger selbst geraten.

Schließlich fängt auch die Gruppe von Fredl einen der Gefangenen lebend. Niemand schafft es, ihn einfach so zu erschießen. Also sollen Fredl und ein anderer Mann ihn zur SS bringen. Sie beobachten eine standrechtliche Erschießung der eingesammelten Flüchtlinge und machen mitsamt ihrem Gefangenen kehrt. Noch Stunden später irren sie mit ihm durch die Gegend und wissen nicht, was sie tun sollen. Schließlich beschließen sie ihn laufen zu lassen. Fredl gibt dem Gefangenen seine Jacke, der zweite ein Stück Brot, aber als Ferdl gerade seine Schuhe ausziehen will, taucht die SS auf. Der Russe wird erschossen.

Michail und Nikolai haben sich mit ihrem Freund Andrej derweil im Kirchturm versteckt. Von hier können sie beobachten, wie ihre Gefährten zusammengetrieben werden. Auf der Suche nach Essen werden sie vom Gemischtwarenhändler Lehmberger bemerkt, der auf sie schießt, ein weiterer Passant ignoriert sie einfach. Sie landen in einem Saal, der für Filmvorführungen und Veranstaltungen genutzt wird. In einem Raum oberhalb des Saals wird Heu gelagert. Hier verstecken sie sich solange, bis eine Bäuerin mit der Heugabel einen großen Teil des Heus mitnimmt und dabei den versteckten Michail verletzt. Sie verlassen den Kirchturm. Auf der Flucht werden sie von Andrej getrennt, der erschossen wird.

Schließlich landen sie am Bauernhof der Familie Karner. Während sich Nikolai noch im Heu zum Schlafen legt, treibt es Michail auf der Suche nach Nahrung in die Stube des Hofes. Frau Karner gewährt ihm trotz der Einwände ihres Mannes und der Befürchtungen von Fredl Unterkunft und Verpflegung. Mitzi, die Tochter des Hauses bringt Kleidung und Schuhe, worauf Michails erste Handlung im Verbrennen der Lagerkluft besteht. Danach bringen sie Nikolai im Heu Kleidung und Essen.

Fredl geht zum Schutz seiner Familie weiter auf die mittlerweile bereits „Hasenjagd“ benannte Jagd mit. Gendarm Birker hat derweil einige der Flüchtlinge in seiner Gefängniszelle untergebracht. Doch Lehmberger entdeckt es und treibt mit einem Revolver die Russen in den Hof, wo er sie vor dem hilflosen Gendarmen erschießt.

Auf dem Weg zum Gottesdienst, den Frau Karner wie immer mit ihrer jüngsten Tochter Nanni besucht, begegnen ihnen Soldaten, die in Richtung ihres Hofes unterwegs sind. Sie schickt ihre Tochter zurück, damit sie Mitzi warnt und die beiden Mädchen die russischen Flüchtlinge besser verstecken. Die Hausdurchsuchung läuft erfolglos, doch das ist nicht überall so.

Fredl bemerkt während der Suche einen Flüchtling. Er schickt seinen Begleiter Berghammer weiter und bietet dem Russen etwas Warmes zu trinken an. Dabei wird er jedoch überrascht. Sein Begleiter lässt sich nicht erweichen. Sie liefern den Gefangenen bei der SS ab. Als Fredl jedoch vom SS-Anführer aufgefordert wird, den Gefangenen zu erschießen, verweigert er das. Berghammer erledigt das für ihn. Gendarm Birker muss ihn darauf verhaften und soll ihn zur Gestapo nach Linz bringen. Er lässt ihn jedoch laufen. Fredl versteckt sich danach gemeinsam mit Michail und Nikolai auf dem Dachboden des Bauernhofes.

Die Wochen danach

Nach und nach werden alle Geflüchteten gefunden. Fast alle wurden erschossen, aber je mehr Zeit vergeht, desto öfter sind die russischen Ausbrecher im kalten Winter durch ihren ohnehin geschwächten Zustand erfroren oder verhungert. Schließlich wird niemand mehr gefunden.

Der Frühling kehrt ein, die „Hasenjagd“ ist beinahe in Vergessen. Michail und Nikolai helfen mittlerweile sogar am Hof mit. Dann kommt die Nachricht vom Ende des Kriegs. Dass Berghammer doch noch entdeckt, dass sich KZler am Hof der Karner versteckt haben, interessiert keinen mehr. Viel wichtiger ist das Vernichten von Akten und Uniformen. Lehmberger wird aufgehängt in seiner Kammer gefunden.

Im Abspann wird erklärt, dass nur von 9 der 500 russischen Soldaten bekannt ist, dass sie überlebt haben. Michail und Nikolai gingen nach Hause zurück und leben noch heute in der ehemaligen Sowjetunion.

Nach dem Abspann folgt eine letzte Szene, die einen Gerichtssaal zeigt. Dort spricht der Richter das Urteil über den Bürgermeister des Dorfes, in dem die „Hasenjagd“ stattfand. Er ist angeklagt, die Bürger seines Dorfes zu der genannten Jagd auf die Ausbrecher angespornt zu haben. Der Bürgermeister wird jedoch aufgrund vieler gegensätzlicher Zeugenaussagen freigesprochen, obwohl das Gericht laut Urteilsspruch nicht von seiner Unschuld überzeugt ist.

„Der Herr lässt uns die Freiheit und wir liefern den Beweis, wozu der Mensch fähig ist, im Guten wie im Bösen. Macht es nicht den Menschen aus, dass er fähig ist mit seinem Nächsten mitzuleiden, ist es allein die Feigheit, die kein Erbarmen zulässt. Ich erkenne viele aus unserer Pfarre nicht wieder.“

Der Gemeindepfarrer beim sonntäglichen Gottesdienst

Kritik

„Ein nach authentischen Fakten gestalteter Spielfilm, der für das Grauen augenfällige Bilder findet, ohne sich in Gewaltorgien zu ergehen. Ein respektabler Versuch der Vergangenheitsbewältigung, der zum Nachdenken und zur Diskussion anregt.“

Lexikon des Internationalen Films[1]

Auszeichnungen

Dokumentation

Im Herbst 2006 wurde „Hasenjagd“ auf DVD veröffentlicht. Neben dem Film befinden sich eine Zeittafel und die 60-minütige Dokumentation „Aktion K“ von Bernhard Bamberger darauf. In ihr kommen Zeitzeugen zu Wort, aber auch Bildmaterial von damals wird verwendet, um die Flucht zu beleuchten, aber auch wie die Menschen im Mühlviertel heute über ihre Vergangenheit denken.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hasenjagd – Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen im Lexikon des Internationalen Films